Ein Drittel des Dorfes
03.03.2026 Region Oberfreiamt, BesenbürenBöller neben dem Pferdestall
In Besenbüren sollen laute Feuerwerkskörper mittels einer Petition verboten werden
Zwei ausgebrochene Pferde, ein Verkehrsunfall. Was sich in der Silvesternacht in Besenbüren ereignete, gipfelt nun ...
Böller neben dem Pferdestall
In Besenbüren sollen laute Feuerwerkskörper mittels einer Petition verboten werden
Zwei ausgebrochene Pferde, ein Verkehrsunfall. Was sich in der Silvesternacht in Besenbüren ereignete, gipfelt nun in einer Petition mit 223 Unterschriften.
Annemarie Keusch
Es ist wohl die Horrorvorstellung eines jeden Tierbesitzers. Als Sonja Furrer in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht nach Hause kam, fehlten zwei ihrer Pferde. Eine Stunde lang suchten sie und ihr Partner nach ihnen, ohne Erfolg. Die alarmierte Polizei hatte bereits Meldungen wegen zwei frei laufender Pferde erhalten. Vor allem auch, weil es zwischen Waltenschwil und Hermetschwil-Staffeln zu einer frontalen Kollision eines Automobilisten mit einem der Pferde kam. «Der Kopf prallte durch die Windschutzscheibe hindurch», weiss Sonja Furrer. Der Auslöser der Flucht: lautes Feuerwerk. «Zum ersten Mal seit 15 Jahren waren wir an Silvester nicht zu Hause», erzählt Sonja Furrer. Weil zur Familie neu ein Hund gehört, der sehr ängstlich ist, verliessen sie das Dorf. «Bisher blieben unsere Pferde immer ruhig», betont sie.
Zwei verletzte Pferde, ein Auto mit Totalschaden – so endete die Silvesternacht, weil lautes Feuerwerk unmittelbar neben dem Stall an der Dorfstrasse in Besenbüren gezündet wurde. Das wollte Sonja Furrer nicht auf sich sitzen lassen. In Donat Etterli fand sie einen Mitstreiter. Etterli ist ebenfalls Pferdebesitzer und sagt: «Jetzt muss etwas gehen.» Auch er hat schon Situationen erlebt, in denen seine Tiere wegen des Feuerwerks in Panik gerieten.
Etterli und Furrer taten sich nun für ihr gemeinsames Anliegen zusammen und sammelten Unterschriften für eine Petition. Diese ist nun beim Gemeinderat eingereicht.
Petition kämpft für Verbot lauter Feuerwerkskörper
223 Unterschriften. In Besenbüren regt sich Widerstand gegen laute Feuerwerkskörper. Die Initiative dafür ging von Sonja Furrer und Donat Etterli aus. Dem zugrunde liegt ein Vorkommnis der letzten Silvesternacht, das beide Pferdebesitzer nachhaltig schockiert hat.
Annemarie Keusch
Ihr Pferd ist nicht mehr dasselbe. Immerhin, es musste nicht eingeschläfert werden, wie Sonja Furrer es anfangs befürchtete. Aber das Tier vertraute ihr lange Zeit nicht mehr und hat immer noch vor allem Angst. «So war es vorher nicht. Ganz und gar nicht», sagt Furrer. Das sei nicht einfach mitanzusehen. Vor allem, weil Furrer weiss, dass es dem Pferd weniger gut geht als vor dem Unfall. Aber auch aus finanziellen Gründen. Sonja Furrer bietet mit ihren vier Pferden Unterricht an – im Reiten, vor allem aber im Verhalten den Tieren gegenüber. Das in der Silvesternacht verunfallte Tier kann seither kaum mehr eingesetzt werden.
Zwischen Waltenschwil und Hermetschwil-Staffeln wars, wo ein Auto das Pferd frontal erwischte. Schnittverletzungen am Kopf und ein grosses Hämatom am Bauch waren die Folge. Ein zweites ausgebüxtes Pferd blieb fast unverletzt. «Die Oberlippe hatte es durchbissen, wohl bei einem Sturz.» Worüber Sonja Furrer auch froh ist: «Der Automobilist kam mit dem Schrecken, aber unverletzt, davon.»
Mit einem Pferd nach Hause gelaufen
Was dem vorausgegangen war, hat Sonja Furrer nicht selbst miterlebt. «Weil unser neuer Hund so ängstlich ist, verbrachten wir den Silvesterabend nicht im Dorf», erzählt sie. Nach 15 Jahren zum allerersten Mal und im Wissen darum, dass ihre Pferde bei Feuerwerk eigentlich ruhig bleiben. «Wenn es nicht unmittelbar neben ihrem Stall gezündet wird.» Aber genau das passierte. So erzählten es ihr mehrere Nachbarn. Und als Furrer mit ihrem Mann und dem Hund um 0.20 Uhr zurückkehrten, fehlten im Stall zwei Pferde. «Das Tor war aufgestellt, aber nicht befestigt. Die Tiere müssen es in ihrer Panik aufgedrückt haben.» Verankerungen wurden durch den Aufprall ausgerissen.
Mit Hilfe der Polizei fand Furrer ihre Pferde wieder. Das verletzte Pferd konnte mit dem Anhänger zurück nach Besenbüren gefahren werden, das andere aber weigerte sich, den Transporter zu betreten. «Die Angst war wohl noch zu gross», vermutet Sonja Furrer. Mitten in der Dunkelheit lief sie mit dem Pferd nach Hause. «Ich hatte Angst, den Weg nicht zu finden. Zum Glück war Luca dabei.» Ein junger Mann, der bei ihrer Familie lebt. Dank einer App fanden sie den Weg. Doch das Leiden nahm damit noch kein Ende. Furrer bangte um ihr Pferd. Und ihr Unverständnis gegenüber jenen, die direkt neben ihrem Stall Feuerwerk zündeten, wuchs zunehmend. «Nur einen Schuldigen gibt es nicht. Weil Feuerwerk eben nicht verboten ist.» Niemand zahlt den Schaden am Auto, niemand die Tierarztkosten. «Ich wollte Anzeige einreichen, aber die Polizistin riet mir noch vor Ort, diese Energie besser für meine Pferde zu brauchen.»
Horror vor dem 1. August
Bei dem belassen wollte es Sonja Furrer aber nicht. Gleich sieht es Donat Etterli. Zwar gab es mit seinen Tieren diesen Silvester keine speziellen Vorkommnisse. Aber auch er hat diesbezüglich Erfahrungen gemacht. «Vor zwei Jahren zündeten Nachbarn Batterien direkt neben unserem Pferdestall.» Etterli konfrontierte sie. Die Antwort: Das hätten sie nicht gewusst. Am nächsten Bundesfeiertag genau dasselbe. «Mit diesem Unfall nun ist das Fass voll», betont er. Dass viele den Abfall liegen lassen und dass Feuerwerke auch zu Verletzungen führen – das seien nur ergänzende Argumente.
Vor allem geht es Etterli und Furrer um das Tierwohl. «Sie können diesen Lärm schlichtweg nicht einordnen, entsprechend geraten sie in Panik», weiss Donat Etterli. Und Sonja Furrer sagt: «Wenn ich an den 1. August denke, bekomme auch ich Panik. Wenn sich bis dahin nichts ändert, werde ich meine Tiere sedieren müssen. Eine Horrorvorstellung, weil sie die Angst genau gleich verspüren, aber einfach nicht handlungsfähig sind.»
Ball liegt nun beim Gemeinderat
Die Hoffnung ist aber da, dass sich in den nächsten Monaten etwas verändern wird. Sie lancierten eine Petition, auch um dem Gemeinderat zu zeigen, dass sie mit ihrer Forderung nicht alleine sind. Im ganzen Dorf waren sie unterwegs, stiessen auf viel Zustimmung und auf fast ausschliesslich positive Reaktionen. Und sammelten viele Unterschriften. 223 sind es total, davon 12 Kinder. «Petitionen dürfen alle unterschreiben», weiss Sonja Furrer. Die 223 Unterschriften sind eine stattliche Zahl und entsprechen in etwa einem Drittel der Einwohner Besenbürens.
Nun erhoffen sie sich, dass der Gemeinderat ihr Anliegen angeht, das Polizeireglement entsprechend ändert und ein Verbot ausspricht. Gestern Abend thematisierte der Gemeinderat die Petition und das weitere Vorgehen. «Wenn es klappen würde, dass bereits am 1. August laute Feuerwerkskörper verboten sind, wäre das super», sagt Sonja Furrer. «Probiert haben wir nun alles, was in unserer Macht liegt.»


