Ein Lauf, viele Geschichten
03.03.2026 Sport, LaufsportLaufen: 42. Reusslauf mit über 3600 Teilnehmern, einem Titelhattrick und einem Stargast, der gern wiederkommen würde
Zum ersten Mal seit rund zehn Jahren hatte der Reusslauf über 3600 Teilnehmer. Bei so vielen Menschen schrieb der Anlass auch zahlreiche ...
Laufen: 42. Reusslauf mit über 3600 Teilnehmern, einem Titelhattrick und einem Stargast, der gern wiederkommen würde
Zum ersten Mal seit rund zehn Jahren hatte der Reusslauf über 3600 Teilnehmer. Bei so vielen Menschen schrieb der Anlass auch zahlreiche Geschichten. Eine Läuferin jagt einen historischen Rekord, Topathleten tanken Selbstvertrauen, und ein früherer Sieger hilft hinter den Kulissen.
Josip Lasic
Hanna Gröber hat es geschafft: Sie holt den Titel-Hattrick beim Reusslauf. Selbst OK-Chef Stephan Gut ist unsicher, ob es das je zuvor gab – ein Beleg für Gröbers Ausnahmeleistung. Ein Blick in die Historie zeigt: Gröber ist nicht die Erste mit einem Triple. Zwischen 2017 und 2019 siegte Fabienne Schlumpf dreimal hintereinander. Schlumpf, dreifache Olympia-Teilnehmerin, hält die Schweizer Rekorde über 10 Kilometer, im Marathon und Halbmarathon. Gröber darf stolz sein, in diese Fussstapfen zu rennen.
Die Bergläuferin, die vor fünf Jahren in die Schweiz gezogen ist, ist dementsprechend zufrieden. «Es war aber meine langsamste Zeit bei den drei Siegen», betont sie. «Im Training lief es gut die letzten Wochen, weshalb ich mir ein bisschen mehr erhofft habe.» Zu ihren Gegnerinnen zählte Nora Gmür, Nichte von OK-Chef Stephan Gut und Mitglied des Schweizer Triathlon-Nationalkaders mit Olympia-Ambitionen. «Sie hatte zeitweise einen grossen Vorsprung auf mich. Ich war unsicher, ob es für den Sieg reicht. Aber dann habe ich sie ein- und schnell überholt. Das hat mich motiviert. Die Konkurrenz war wohl die stärkste in den letzten Jahren. Gemessen daran war es vielleicht mein bester Lauf, trotz langsamster Zeit.»
Wenn sie fit bleibt und keine Terminkollisionen auftreten, will sie nächstes Jahr wieder antreten. Dann mit zusätzlicher Motivation. Vier Siege insgesamt gelangen bislang nur Luzia Sahli in den 1980er-Jahren. Vier Erfolge in Serie noch niemandem. Gröber könnte Geschichte schreiben.
Starkes Feld auch bei den Männern
Bei den Männern gewann Seare Weldezghi aus Zürich in genau 30 Minuten. Wie stark die Konkurrenz auch bei den Männern war, beweist die Platzierung von Sven Thalmann, der vom ehemaligen Freiämter Motorsportler David Ludin gemanagt wird.
Der Aarauer Thalmann gehört zu den besten Triathleten des Landes, war letztes Jahr am Final der Ironman-Weltmeisterschaft in Nizza dabei. Bereits im Vorfeld hatte Thalmann gegenüber dieser Zeitung erklärt, dass es gegen spezialisierte Läufer schwierig werde. «Ich bin aber professioneller Triathlet und langsamer als professionelle Läufer, da bin ich realistisch», sagte er damals. Mit 31.27 lief er auf Rang 9. «Mit der Zeit bin ich zufrieden, rangmässig wäre mehr drin gewesen. Aber wir waren ein Dutzend Läufer, die eine 30er- oder 31er-Zeit liefen. Genau das habe ich gebraucht: starke Konkurrenz, die fordert.» Ende April startet er am Ironman in Valencia. «Dort muss ich ein ähnliches Tempo wie jetzt hinlegen können, um mithalten zu können.»
Mit dem Brittnauer Dario Wickihalter startete ein weiterer Triathlet, der vom Freiämter David Ludin betreut wird. Auf der Kurzstrecke belegte er Rang 2 in 20.03, hinter Mario Jurt (19.46). «Meine Triathlon-Distanz ist ähnlich lang, meist fünf Kilometer am Schluss. Mein Ziel war, so hart und konstant wie möglich zu laufen. Das hat funktioniert.» Für Wickihalter war es ein gelungener Saisonstart. In zwei Wochen steht der erste Triathlon-Weltcup auf Lanzarote an.
Lokalmatador nicht in Topform und trotzdem auf Rang 2
Seit einem Jahr gehört der Halbmarathon zum Programm des Reusslaufs. Dort schrammte ein Lokalmatador knapp am Sieg vorbei. Eric Muthomi Riungu, der Beriker mit Wurzeln in Kenia, wechselte nach Rang 10 über 10 Kilometer im Vorjahr auf die längere Distanz – mit Erfolg. In 1:10.09 belegte er Rang 2 hinter Janis Gächter (1:09.14). Riungu erklärt, dass er im Winter weiterhin mit den Schweizer Temperaturen kämpft und erst seit rund einer Woche wieder intensiver trainiert. «Gemessen daran bin ich mit dem Gezeigten zufrieden. Ich habe das Rennen eher als intensivere Trainingseinheit betrachtet, weil ich noch nicht in Topform bin.» Mit dieser «Trainingsleistung» war Riungu trotzdem der Freiämter mit der besten Platzierung in seiner Kategorie. Den Halbmarathon der Frauen gewann Selina Ummel (1:17.04).
Lob von der Legende
Im Jahr 2000 hiess der Sieger des Reusslaufs Viktor Röthlin. Mittlerweile ist er eine Legende des Schweizer Laufsports: 2010 wurde er Europameister im Marathon, 2006 gewann er EM-Silber, 2007 WM-Bronze. Von 2001 bis 2016 hielt er den Schweizer Marathon-Rekord. Nun kehrte er nach Bremgarten zurück. Allerdings nicht als Läufer. Die Raiffeisenbank Mutschellen war Titelsponsor des Laufs. Röthlin ist seit Beginn seiner Karriere Raiffeisen-Botschafter. «Die Bank wollte ihrem Engagement ein Gesicht geben», erklärt er. Im Vorfeld hatte er in Videos Vorbereitungstipps gegeben, am Lauftag leitete er das Aufwärmen, gab den Startschuss und verteilte im Ziel die Goldtaler.
Sein Einsatz stiess auf viel positive Resonanz. «Ich glaube, dass es ein Mehrwert für die Menschen war. Viele Leute haben mich darauf angesprochen und sich bedankt für die Tipps und Tricks. Das zeigt mir, dass sie das Ganze nicht nur als neuen Sponsor wahrnehmen, sondern als etwas Grösseres. Ich glaube, dass es sinnvoll ist, ein Sponsoring mit so einer sympathischen Geschichte zu verbinden und zu positionieren und fände es schade, wenn es eine einmalige Sache bleiben würde.» Er betont aber, dass die Entscheidung, ob er nächstes Jahr wieder dabei sein werde, nicht bei ihm liege. Auch wenn er eine hohe Meinung vom Reusslauf hat. «Was in Bremgarten zu sehen ist – die Begeisterung der Läufer und die Dankbarkeit – ist beeindruckend.» Besonders hebt er das OK hervor: «Man spürt, dass Stephan Gut und sein Team eingespielt sind. Jede Hand greift in die andere.»
Mit über 3600 Läuferinnen und Läufern bot der 42. Reusslauf Raum für enorm viele verschiedene Geschichten. Jede so individuell wie die Teilnehmer selbst.
«Einfach überragend»
OK-Chef Stephan Gut ist begeistert
Bei den Veranstaltern ist die Laune nach dem Reusslauf gut. Alleine durch die Anzahl Teilnehmer. «Es ist bei den Anmeldungen jetzt schon das zweite Jahr in Folge eine Steigerung von zehn Prozent. Was will man mehr?», sagt OK-Chef Stephan Gut.
Halbmarathon etabliert, Röthlin eine «Riesenbereicherung»
Was ihm besonders gefallen hat: Im Vorjahr feierte der Halbmarathon seine Premiere am Reusslauf. Mit den Erfahrungen des Debüts verlief die Durchführung bei den Organisatoren deutlich einfacher. «Damals wussten wir selbst noch nicht zu 100 Prozent, was auf uns zukommt. Aber unsere Ideen haben sich bewährt. Diesmal hatten wir 150 Anmeldungen mehr als im Vorjahr. Jetzt fühlt es sich so an, als würden wir das schon seit über 20 Jahren anbieten. Es ist erstaunlich, wie schnell sich unser Halbmarathon in der Laufszene etabliert hat.» Was Gut und seinem OK-Team besonders viel bedeutet hat, war der Einsatz von Viktor Röthlin. «Ich kenne ihn seit über 30 Jahren. Er ist so ein sympathischer, bodenständiger Mensch und einfach eine Riesenbereicherung für den Anlass. Und er hat gesagt, dass er Fan von unserem Lauf ist und froh, dabei sein zu dürfen.» Auch die Geschichte rund um den Titelhattrick von Hanna Gröber hinterliess ein positives Gefühl bei Gut, wodurch er sein Fazit für den Anlass auf den Satz runterbricht: «Es war einfach überragend.» --jl





