Einem Nerv der Zeit nachspüren
03.02.2026 Region Oberfreiamt, TheaterTatsachen und Wunder verweben
Regisseur und Schauspieler Walter Küng inszeniert des Freilichttheater in Beinwil
Das Stück «Keis Wunder – es Wunder», welches in Beinwil vom 7. August bis 5. September aufgeführt wird, ...
Tatsachen und Wunder verweben
Regisseur und Schauspieler Walter Küng inszeniert des Freilichttheater in Beinwil
Das Stück «Keis Wunder – es Wunder», welches in Beinwil vom 7. August bis 5. September aufgeführt wird, rankt seine Szenen um Wunder. Die 34 Theaterspielenden haben längst mit der Vorbereitung begonnen.
Verena Anna Wigger
Walter Küng lebt in Zürich und Baden und arbeitet im deutschsprachigen Raum als Regisseur und Schauspieler. Daneben unterrichtet er als Dozent an der Hochschule der Künste in Zürich. Wie sein Name vermuten lässt, hat auch er Wurzeln im Freiamt. Aufgewachsen in Möhlin, ist sein Heimatort Beinwil im Freiamt.
Mehrfach im Freiamt inszeniert
Der heute 74-jährige Profi pendelt zwischen festen Häusern und der freien Szene, heisst es in seiner Autobiografie. Zum Freiamt hat Küng laut eigenen Aussagen verschiedene Bezugspunkte. Zum einen war er 1994 Regisseur beim Osterspiel in Muri oder 2023 auch an der «Tavolata», dem literarisch-musikalischen Tischgespräch im Künstlerhaus Boswil. Er kennt Gegend und Menschen, was sich immer wieder in Begegnungen zeigt, wie bei der Suche nach Mitspielenden, erklärt Küng.
Dem Wunder auf die Spur gegangen
Mit der Anfrage aus Beinwil, die ihn freute, wagte er sich mit vielen Fragen an das Wirken und die Wunder des heiligen Burkard. Worauf er feststellte, dass diese Wunder vielleicht etwas gross gezeichnet wurden. Aus Mythen, Wundern und Geschichte hat Küng das Stück «Keis Wunder – es Wunder» geschrieben. Der Theatertext umfasst mehrere Szenen im und durch das Dorf. Darin geht er auf die «Wunder» des heiligen Burkard aus dem Freiamt ein und verwebt Tatsachen und Mythen mit dem heutigen Bezug der Gesellschaft zu Wundern, der Auseinandersetzung und Wahrnehmung dieser in der heute massgeblich rational funktionierenden Gesellschaft und Welt. Auf die Ausschreibung zum Mitspielen haben sich 34 Spielerinnen und Spieler sowie Kinder gemeldet, welche mit ihren Rollen das Stück beleben.
Im Freilichttheater «Keis Wunder – es Wunder» sind die Proben angelaufen und die Rollen verteilt
Szenische Proben und die finale Suche nach einer Handvoll zusätzlicher Statisten prägen die konkrete Umsetzung für das Freilichttheater in Beinwil. Walter Küng freut sich über die gute Besetzung, die gefunden wurde, und auf die Arbeit mit den Mitspielenden. Am 9. Februar startet der Vorverkauf.
Verena Anna Wigger
Regisseur Küng ist begeistert, dass sich 34 Personen zum Mitspielen im Stück gemeldet haben. Dazu komme noch der Chor und die Musiker, so werden rund 50 Personen das Freilichttheater darstellen. «Keis Wunder, es Wunder», wird vom 7. August bis 5. September in Beinwil aufgeführt. «Es ist wunderbar, dass auch Kinder dazukommen», sagt der Profi.
Bereits hat eine Leseprobe stattgefunden, in der die Spieler eine Rolle zugeteilt erhielten. In vorherigen Gesprächen und Treffen lernte Küng diese kennen und konnte sich ein Bild der Charaktere machen und seine Rollenzuteilung für die Leseprobe vornehmen. «Wir haben eine gute Besetzung», freut er sich. Zwar seien die einen Rollen im Moment vielleicht noch klein, doch mit dem Verweben der Szenen kommen weitere Aufgaben hinzu. Küng sagt weiter, «die Persönlichkeit, die in eine kleine Rolle einfliesst, macht es aus.» Dies sei eine alte Spielerweisheit, sagt der Profi.
Im Moment proben die Spielerinnen und Spieler szenisch, jeden Montag und Freitag, bei schlechtem Wetter im Pfarreisaal in Beinwil. Wenn immer das Wetter es erlaubt, arbeiten sie draussen. Küngs Erfahrung zeigt, dass die Stimme anders tragen muss, wenn sie im Freien gehört werden will. Das Stück wird im Sommer ebenfalls draussen aufgeführt. Der Ablauf der Stationen erleichtere die Ausarbeitung des Probeplans, erklärt er. Bis Mitte Juni werde nun szenisch geprobt. Dann wird der Ablauf zusammengesetzt und das Stück wird als Ganzes sichtbar.
Figuren, die das Stück formen
Bereits in den ersten Proben wurden einzelne Charaktere sichtbar. Die Leseprobe zeigte zur Überraschung aller Mitspielenden, welche Figuren und Charaktere das Stück tragen werden. Der Dorfhistoriker Bissig und sein Gegenspieler, das Dorforiginal Schagg, führen die Besucherinnen und Besucher durch den Abend. In zwei Szenen, sie sind in etwa ein kleines Beinwiler Welttheater, werden der reiche Mann und der Vertreter des höchsten Thrones zu den massgebenden Figuren. In diesen beiden Szenen wird die Frage gestellt, was ein gutes und vorbildliches Leben ist und was zur Heiligkeit führt. Hier darf man sich auf Gody Küng als reichen Mann und Erhard Huwyler als Legat des obersten Richters freuen. «Die beiden sind ein ideales Paar, wie sie durch das Stück gehen», findet Küng.
In einer anderen Szenen spielt eine Familie im Jetzt. Vater, Mutter, ihr 12-jähriger Sohn und die Tochter, 17 Jahre. Sie rebelliert. Hier freut sich Küng, das Sophie Niederberger, welche letztes Jahr im «Vogellisi» in Seengen die gleichnamige Rolle spielte, die Tochter mimt. «Sie hat Energie und gibt Gas», weiss Küng. Denn in ihrer Rolle kann sie mit dem ganzen heiligen Zeugs nichts anfangen, so Küng weiter. Dass sie zudem einen Freund hat, der Italiener ist, macht die Sache nicht einfacher. Denn in Neapel, von wo ihr Freund kommt, stehen die Heiligen hoch im Kurs. Was junge Menschen zu einer heutigen Auseinandersetzung mit Wundern und Heiligen führt.
Es gibt weitere Auseinandersetzungen mit Glauben und Aberglauben sowie Handlungen, welche sich mit dem Wirken und der Frage «Ist der Heilige Burkard wirklich heilig» beschäftigen. Oder der Fragestellung: Geht die katholische Kirche da wenig juristisch vor? Dazu wird sich das Stück mit der Thematik «Heiligkeit als Handel» auseinandersetzen, dies in einer Prozession, die wie in alter Manier übers Land zieht.
Weitere Mitwirkende gesucht
Genau für solche Inszenierungen sind noch Statistinnen und Statisten gesucht. «Für die Prozession oder Gruppenrollen suchen wir noch Menschen», so Küng. Die Macher freuen sich, wenn sich weitere Interessierte melden, die in den Proben ab Juni und den Aufführungen vom 7. August bis 5. September dabei sind. «Man kann sich einfach melden», so die Empfehlung von Küng. Den Kontakt dazu finde man auf der Website freilichttheater-beinwil.ch.
Mit auf den Weg gehen
Bereits zeichnet sich ab, dass in Beinwil in diesem Jahr ein aussergewöhnliches Stück aufgeführt wird. Wer also sicherlich ein Wunder miterleben möchte oder sich mit der Haltung dazu auseinandersetzten will, dem ist der Vorverkauf der Tickets zu empfehlen. Ab dem 9. Februar startet dieser über www.freilichttheater-beinwil.ch/tickets oder über die Facebook- und Instagram-Seiten der Produktion «freilichttheater_freiamt».


