Einsatz für eine gute Schule
23.07.2024 Dottikon, Region UnterfreiamtNach 16 Jahren im Gemeinderat tritt Franz Lötscher Ende Monat zurück
Er hat das Amt nicht gesucht. Es aber anschliessend immer sehr gern und mit Stolz ausgeübt. «Ich hatte Ideen und konnte etwas bewirken», sagt Franz Lötscher heute. Jetzt ...
Nach 16 Jahren im Gemeinderat tritt Franz Lötscher Ende Monat zurück
Er hat das Amt nicht gesucht. Es aber anschliessend immer sehr gern und mit Stolz ausgeübt. «Ich hatte Ideen und konnte etwas bewirken», sagt Franz Lötscher heute. Jetzt aber sei der richtige Zeitpunkt, um die Aufgabe anderen zu übergeben, ist der Vizeammann überzeugt.
Chregi Hansen
Die Bundesfeier in Dottikon findet wie gewohnt bereits am 31. Juli statt. Für Vizeammann Franz Lötscher ist es ein besonderer Tag. Es sind seine letzten Stunden als Gemeinderat. «Ich sitze erst am Gemeinderatstisch und wechsle um Mitternacht dann an den Tisch der Musikgesellschaft», schmunzelt er.
Auf 16 Jahre intensive Arbeit für die Gemeinde kann Lötscher dann zurückblicken. Dass er einst im Gemeinderat mitwirken würde, damit hatte der gebürtige Auwer, der seit 36 Jahren in Dottikon lebt, nie gerechnet. «Ich war früher nicht so eng mit dem Dorf verbunden. War in keiner Partei und keinem Verein aktiv», schaut er zurück. Von sich aus hätte er vermutlich nie für das Amt kandidiert. «Ich wurde Anfang 2008 angefragt, nachdem ich zuvor an einem Zukunfts-Workshop der Gemeinde teilgenommen hatte», erinnert er sich. Und er habe schnell gespürt: «Da kann ich etwas beitragen.»
Wunschressort erhalten
Den damaligen Anlass mit dem Titel «Dottikon Update» hat er in bester Erinnerung. «Es kamen ganz unterschiedliche Leute zusammen und machten sich Gedanken zur Entwicklung des Dorfes. Daraus entstanden viele Ideen und auch mehrere Gruppierungen», sagt er. In einer davon, Dottikon Umwelt, ist Franz Lötscher heute noch aktiv. 2018 wollte die Gemeinde den Anlass wiederholen und lud zu «Dottikon Update 2.0» ein. Leider war das Interesse zu gering, und der Workshop musste abgesagt werden. «Das Interesse, sich für die Gemeinde zu engagieren, ist heute vermutlich geringer», bedauert er.
Wie wenig er von seiner Gemeinde damals wusste, zeigt eine Anekdote, an die er sich erinnert. «Ich führte am Neujahrsapéro ein intensives und spannendes Gespräch mit der Person gegenüber. Erst später merkte ich, dass dies der damalige Vizeammann war. Und ein halbes Jahr später sass ich mit ihm am Gemeinderatstisch», erzählt Lötscher. Der Dottiker Gemeinderat erlebt im Sommer 2008 einen Umbruch, mit Ammann Marc Staubli und mit Rudolf Kolb mussten gleich zwei Personen ersetzt werden. Lötscher, damals wie heute Geschäftsführer der Stiftung ikj, übernahm sein Wunschressort, die Schule. «Durch meine berufliche Ausbildung und meine Stelle hatte ich viel Erfahrung im Schulbereich, das war optimal», ist er überzeugt. «Daher war ich auch überzeugt: Hier kann ich etwas bewirken.»
Viele spannende Begegnungen
Den Einstieg erlebte Franz Lötscher als anspruchsvoll. «Ich kam ganz schön auf die Welt», sagt er heute. Schnell wurde ihm bewusst, wie viel Arbeit auf ihn wartet. Es geht ja nicht nur um das eigene Ressort, sondern er musste auch die Geschäfte der Ratskollegen studieren. «Wenn ich schon mitentscheide, will ich auch darüber Bescheid wissen», so seine Devise. Erst nach der Wahl habe er gemerkt, mit wie viel Themen sich der Gemeinderat beschäftigen muss. Darunter Themen, mit denen er zuvor nie zu tun hatte, etwa mit Baurecht. Weniger schwer fielen ihm die Auftritte an den Gemeindeversammlungen. «Ich war schon immer ein Schnorri und durch meinen Beruf gewohnt, vor anderen zu referieren», lacht er.
Die Zusammenarbeit im Gremium hat er als positiv erlebt, auch wenn manchmal intensiv und hart diskutiert wurde. Da seien eben ganz unterschiedliche Ansichten aufeinandergetroffen. Er selbst übernahm dabei oft die Rolle des Vermittlers, «das wurde durchaus geschätzt». Er habe zudem stets grossen Goodwill gespürt vonseiten seiner Kollegen. Sechs Jahre später wurde Franz Lötscher zum neuen Vizeammann gewählt. «Das war fast ein logischer Schritt. Es gab einen Rücktritt, der Neue wollte nicht und Marcel Fischer konnte aus beruflichen Gründen die nötige Zeit nicht aufbringen. Da blieb nur noch ich», erklärt er. Höhere Ambitionen hatte er aber nie. «Ammann, das wäre nichts für mich.» Mit den zusätzlichen Funktionen im Schulverband war die Belastung schon gross genug. Die vielen damit verbundenen Anlässe hat er aber in guter Erinnerung. «Es war in den seltensten Fällen ein Müssen für mich. Ich habe die Begegnungen und den Austausch geschätzt.»
Beim Thema Schule wollen alle Experte sein
Zu seinen grössten Erfolgen zählt er die Gründung des Primarschulverbandes, gegen den es zuvor recht grossen Widerstand gab. Und später, nach der Abschaffung der Schulpflegen, die Zusammenlegung der beiden bestehenden Verbände zu einem, dem heutigen Schulverband Schulen am Maiengrün mit den Gemeinden Dottikon, Hägglingen und Hendschiken. Auch der Bau des neuen Dreifachkindergartens – auch hier nach langen Diskussionen und gegen viel Widerstand – erfüllt ihn mit Stolz. «Heute haben alle Freude an diesem Bau. Das zeigt, dass unser Weg der richtige war», sagt er. Wobei er feststellen musste, dass Schulprojekte fast immer heiss diskutiert werden. «Es gibt nirgends so viele Experten wie bei Bildungsthemen. Schliesslich haben alle mal die Schule besucht.»
In Dottikon kommt erschwerend dazu, dass der Verband aus drei Gemeinden besteht und die Interessen nicht immer gleich sind. «Das Erarbeiten der Satzungen für den neuen Verband war eine sehr intensive Sache. Sie mussten für alle drei Gemeinden stimmen», schaut er zurück. Durch die Abschaffung der Schulpflegen hat zudem die Arbeit in seinem Ressort stark zugenommen, zeitweise sei es fast ein 40-Prozent-Pensum geworden. «Zum Glück haben wir uns schon sehr früh mit dem Thema befasst», sagt er heute. Letztlich hat er sich stets eingesetzt für optimale Strukturen für die Schulen am Maiengrün. Und die Arbeit im Verband geschätzt. «Wir sind gut aufgestellt. Das zeigt auch die Tatsache, dass aktuell alle Stellen besetzt sind. Und unsere Oberstufe schneidet in den Quervergleichen zu anderen Schulen immer sehr gut ab.»
Er wünscht sich mehr Grün für sein Dorf
Dass er nun zurücktritt, hat einen einfachen Grund. Franz Lötscher geht nächstes Jahr in Pension. «Ich will diesen Übergang schrittweise angehen», sagt er. Er will mehr Zeit haben für sich und seine Interessen. Sich wieder mehr in der Gruppierung Umwelt Dottikon engagieren. Naturthemen liegen ihm am Herzen. «Es ist schade, dass ich in diesem Bereich nicht mehr erreicht habe in der Gemeinde», gibt er sich selbstkritisch. Obwohl Dottikon finanziell gut dastehe, sei man äusserst konservativ bei den Ausgaben. «Mehr Grün würde dem Dorf guttun», ist Lötscher überzeugt, «und dazu braucht es nicht viel.» Politisch will er sich aber nicht mehr gross äussern. «Aber wenn jemand einen Rat braucht oder meine Meinung wissen will, dann bin ich gerne bereit, meine Erfahrungen einzubringen», sagt er.
Er selbst wird dem Dorf verbunden bleiben, fühlt sich wohl hier. Dabei ist ihm bewusst, dass Dottikon bei vielen nicht den besten Ruf geniesst. «Es gibt nun mal keinen Dorfkern. Die Gemeinde ist verzettelt. Und der Ausländeranteil liegt bei über 40 Prozent. Aber das stört eigentlich nur die Menschen ausserhalb. Den meisten Dottikern gefällt es im Dorf», ist er überzeugt. So wie ihm, der vor 36 Jahren ins Dorf gezogen ist. Und der weiterhin hier leben wird. «Ich gebe mein Amt ab ohne Groll und Frust. Ich habe viele gute Momente erlebt. Natürlich gab es auch Kritik, das gehört dazu. Aber die schönen Reaktionen haben klar überwogen», zieht er Bilanz. Und jetzt freut er sich auf seinen letzten Tag als Gemeinderat an der Bundesfeier. «Die Rednerin habe ich organisiert, das ist quasi meine letzte Amtshandlung.»