Er überrascht alle
06.03.2026 Sport, FussballDer Wechsel von Alessandro Vogt in die Bundesliga würde dem FC Wohlen eine hübsche Summe einbringen
Emotional ist der Wechsel zu Hoffenheim in die Bundesliga eine grosse Erfolgsgeschichte. Für Alessandro Vogt, für den FC Wohlen und das Freiamt. Doch ...
Der Wechsel von Alessandro Vogt in die Bundesliga würde dem FC Wohlen eine hübsche Summe einbringen
Emotional ist der Wechsel zu Hoffenheim in die Bundesliga eine grosse Erfolgsgeschichte. Für Alessandro Vogt, für den FC Wohlen und das Freiamt. Doch auch finanziell würde sein Stammklub davon profitieren.
Stefan Sprenger
«Eine wunderschöne Geschichte», fasst Marcel Amrein den Werdegang von Alessandro Vogt zusammen. Der Co-Präsident des FC Wohlen meint, dass alles brutal schnell ging. «Er spielte doch erst noch beim FC Wohlen und nun vielleicht nächste Saison in der Champions League», so Amrein.
Und er – als Vater und Kinderfussballtrainer – sieht das Ganze auch aus der Optik der Kleinsten. «Es zeigt jedem Kind, was drinliegt, wenn man fleissig und zielstrebig ist. Alessandro Vogt hat den Traum verwirklicht. Und das erst noch mit dem Wohler Weg.»
Sein Wechsel zur TSG Hoffenheim (siehe Kasten) scheint fix zu sein. Hoffenheim ist aktuell auf dem 3. Rang der Bundesliga und auf Kurs für die Champions-League-Plätze. Der «Kicker» berichtet, der Bundesliga-Klub sichert sich die Dienste von Alessandro Vogt mittels Kaufoption in der Höhe von rund 2,7 Millionen Euro (2,5 Mio. Franken).
Seltene Erfolgsgeschichte im modernen Fussball
Alessandro Vogt startete beim FC Wohlen seine Laufbahn, wechselte dann in den Nachwuchs in der Kantonshauptstadt. Doch es reicht dem Stürmer nicht zum Schritt in die U18 des FC Aarau, wie damals von den Verantwortlichen entschieden wurde. «Leider sind seine Tugenden nicht jedem seiner Trainer aufgefallen», sagte einst sein Vater Roland Vogt. Der Stürmer kehrt zum Stammklub Wohlen zurück – und wird dort vom damaligen Trainer Ryszard Komornicki in die erste Mannschaft geholt. Der Profifussballer beschrieb dies als «sehr wichtige und lehrreiche Zeit». Und es ist erst ein bisschen mehr als drei Jahre her, da erzielt Alessandro Vogt für den FC Wohlen ein Tor im Cupspiel gegen Servette Genf. Der damals 17-Jährige jubelt ausgelassen. Das Tor im November 2022 war eine Genugtuung, denn er hat es allen gezeigt, was in ihm steckt. Und fortan kennt sein Weg nur noch eine Richtung: nach oben. Via U21 des FC St. Gallen geht es in die erste Mannschaft, wo er in dieser Saison seinen ersten Profivertrag unterschreibt.
Von Wyl verhandelte damals – und blieb hartnäckig
Der bullige, schnelle und zweikampfstarke Vogt überrascht in dieser Saison wieder alle. Er kämpft wenige Monate später um die Torjägerkrone der höchsten Schweizer Liga. 14 Tore hat Vogt in dieser Saison in 26 Super-League-Spielen erzielt. Sein Aufstieg ist rasant. Es ist eine seltene Erfolgsgeschichte im modernen Fussball. «Mein Werdegang ist eher speziell. Aber es ist aufgegangen», sagte Vogt in einem Interview mit dieser Zeitung letzten November. Angesprochen auf seinen kometenhaften Aufstieg, meinte er bodenständig: «Ich glaube immer daran, dass es gut kommt.»
Beim FC Wohlen jubelt man auf emotionaler Ebene mit. Einer von hier schafft es auf die grosse Fussballbühne. Co-Präsident Marcel Amrein sagt: «Er ist Aushängeschild des FC Wohlen und ein riesiges Vorbild.»
Und auch die Kasse des FC Wohlen jubelt, denn sie wird wohl klingeln. Als Vogt im Winter 2022/23 zur U21 des FC St. Gallen wechselt, war Mike von Wyl der Präsident des FCW und bei den Vertragsverhandlungen dabei. Er erinnert sich, dass der FC St. Gallen keine Ausbildungsentschädigung zahlen wollte. «Wir verhandelten. Und gingen den Deal ein, dass es für uns eine Entschädigung für die Einsätze in der 1. Mannschaft gibt und eine prozentuelle Beteiligung an der Ablösesumme im Falle eines Wechsels», erklärt von Wyl.
Aus Kompromis wird Glücksfall
Dies sei ein Kompromiss gewesen für die fehlende Ausbildungsentschädigung. «Damals stand ja alles in den Sternen. Wir sind hartnäckig geblieben, der FC St. Gallen hat schnell eingewilligt. Wer konnte schon damit rechnen, dass Alessandro Vogt ein paar Jahre später in eine grosse Liga wechselt.» Aus dem Kompromiss wird jetzt ein Glücksfall für den FC Wohlen.
Michael Hunziker, Finanzchef beim FC Wohlen, sagt, dass «jeder Franken ein schöner Bonus für den Verein ist». Der FCW ist nach wie vor finanziell solide unterwegs, aber nicht auf Rosen gebettet. Eine Ausbildungsentschädigung für Vogt gibt es weiterhin nicht, da er beim FC Wohlen nie Leistungssport betrieben hat, sondern Amateurfussballer war. «Wir haben das Label gar nicht, das uns für solche Entschädigungen begünstigen würde», erklärt Hunziker. Aber die Vereinbarung mit dem FC St. Gallen besteht nach wie vor. Der Transfer von Vogt zu Hoffenheim scheint fix zu sein – und der FC St. Gallen ist ein topseriöser Verein, «deshalb kann man davon ausgehen, dass es reibungslos klappt», so Hunziker.
«Natürlich hocherfreulich»
Falls die Ablösesumme von 2,5 Millionen Franken stimmt (wonach es aussieht), würde der FC Wohlen – der rund 10 Prozent von jenem Betrag erhält – rund 200 000 Franken absahnen. Die 10 Prozent sind auf die Nettoablöse zu verstehen, die 2,5 Millionen Ablöse brutto. «Budgetiert ist noch nichts, natürlich. Solch einen Betrag durfte man auch nicht erwarten. Aber falls es so ist, wäre das eine ausserordentliche Zahlung aus dem Nichts. Und natürlich hocherfreulich für den FC Wohlen», so Hunziker weiter.
Wie fix ist der Wechsel?
Seit Tagen kursieren die Meldungen über Alessandro Vogts Wechsel in die Deutsche Bundesliga zu Hoffenheim. «So gut wie fix», titelt «blue News», «alle Parteien sind sich einig», meint das deutsche Fussballmagazin «kicker» und die «NZZ» schreibt, dass «Vogt im Sommer 2026 für die Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro offenbar zu Hoffenheim wechselt». Der Sky-Reporter Florian Plettenberg berichtet, der Transfer von Vogt sei fix und bereits abgeschlossen.
Der Papa äussert sich
Doch die Vereine schweigen. Weder der FC St. Gallen noch die TSG Hoffenheim haben den Wechsel offiziell verkündet. Im Fussball grundsätzlich nichts Aussergewöhnliches, dass Spielerberater oder Medien Transfers vorankündigen und damit eigentlich immer richtig liegen. Im Fall von Alessandro Vogt scheint es auch so zu sein. Auch weil Hoffenheim schon vor Monaten grosses Interesse am Stürmer bekundete. Alessandro Vogt selbst äussert sich nicht. Sein Vater Roland Vogt – Gemeindeammann von Wohlen – darf natürlich auch keine Dinge ausplaudern. Er sagt jedoch: «Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten und es sieht gut aus.» Da sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen mit dem Transfer des Wohlers in die Deutsche Bundesliga. --red

