«Er kommt in gute Hände»
13.03.2026 Sport, FussballCiriaco Sforza über den Wechsel von Alessandro Vogt in die Bundesliga
Über 30 Jahre nach Ciriaco Sforza hat das Freiamt wieder einen Bundesliga-Profi. Der Wohler Alessandro Vogt wechselt vom FC St. Gallen zur TSG Hoffenheim. «Es ist der richtige Verein ...
Ciriaco Sforza über den Wechsel von Alessandro Vogt in die Bundesliga
Über 30 Jahre nach Ciriaco Sforza hat das Freiamt wieder einen Bundesliga-Profi. Der Wohler Alessandro Vogt wechselt vom FC St. Gallen zur TSG Hoffenheim. «Es ist der richtige Verein für ihn», sagt Sforza (56) . Er erinnert sich dabei an seine Anfangszeiten im Haifischbecken der Deutschen Bundesliga.
Stefan Sprenger
Ein Wohler wechselt in die Bundesliga. Was weckt das für Gefühle bei Ihnen?
Ciriaco Sforza: (Lächelt) Ich mag es Alessandro Vogt von Herzen gönnen. Er hat sich das verdient. Eine schöne Geschichte.
1993 wechselten Sie für 2 Millionen Franken Ablösesumme zum 1. FC Kaiserslautern. Sie waren zu jenem Zeitpunkt der teuerste Transfer der Klubgeschichte. Nun wechselt Vogt für 2,5 Millionen Franken nach Hoffenheim und das wird als «Schnäppchen» betitelt.
Ja (lacht). Bei mir war es damals verhältnismässig sehr viel Geld. Das hat sich mittlerweile, im heutigen Profifussball, ziemlich geändert. Es sind heute andere Zeiten als damals bei mir.
Wie beurteilen Sie als absoluter Experte den Wechsel von Vogt?
Ich durfte im Vorfeld mit ihm und seiner Familie reden. Ich finde, er geht zum richtigen Verein. Hoffenheim setzt auf junge Spieler, man plant alles bis ins letzte Detail. Die Infrastruktur ist top, der Verein ist bodenständig und professionell. Er kommt in gute Hände. Von seiner Art her könnte er gut reinpassen. Alessandro hat in Hoffenheim auf jeden Fall die besten Voraussetzungen, um sich weiterzuentwickeln.
Was haben Sie zu Alessandro Vogt gesagt zu seinem Wechsel nach Deutschland?
Ich sagte ihm, dass es in Deutschland eine andere Fussballwelt ist. Die Aufmerksamkeit ist um einiges höher. Die Fans sind zahlreicher, ebenso die Presse. Die Stadien sind voll, die Atmosphäre während der Spiele elektrisierend – und so ist sicherlich auch der Druck grösser. Ich sagte ihm aber auch, dass er so bleiben soll, wie er ist. Alessandro muss sich nicht verändern. Er macht das bestens. Er soll anständig und bodenständig bleiben. Und er soll mutig sein.
1993 wechselten Sie von den Grasshoppers Zürich zum 1. FC Kaiserlautern in die Bundesliga. Vieles veränderte sich. Wie erlebten Sie die damalige Zeit?
Ich erhielt grosse Unterstützung vom Verein, vom Trainer und vom ganzen Team. Ebenso von meinem Umfeld. Für mich war es in Kaiserslautern durchwegs positiv, vom ersten Moment an.
Als Fussballer kann man sich eigentlich nur freuen, wenn man in so eine grosse Liga wie diejenige in Deutschland wechselt. Und Alessandro soll das auch tun: Mit Freude an die Sache rangehen und den Schritt mutig machen.
In St. Gallen fragt man sich: Kommt der Wechsel zu früh?. Der frühere Nati-Spieler Blerim Dzemaili findet, dass Vogt nicht in die Bundesliga passt. Was ist Ihre Meinung?
Hoffenheim ist ein guter Verein für junge Spieler. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass der jetzige Wechsel zu Hoffenheim ideal passt, damit sich Alessandro weiterentwickeln kann. Er hat in seiner ersten Super-League-Saison 14 Tore erzielt – und ich glaube, er hat damit bewiesen, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann. Alessandro hat das ziemlich schnell geschafft. Und ich denke, dass kann er auch in Hoffenheim schaffen. Mit seiner Mentalität, seiner Spielweise und seinem Torinstinkt traue ich ihm das allemal zu. Er muss ohne Angst an die Sache ran, dann wird er auch in Hoffenheim seine Tore schiessen.
Und vielleicht auch bald in der Nationalmannschaft?
Alessandro ist ein Zukunftsspieler für unsere Nati. Er ist bullig, er hat einen tollen Schuss, er erzielt Tore. Wenn er kein Thema für unsere Nationalmannschaft wird, dann verstehe ich die Fussballwelt nicht mehr.
Vogt gehört zu den besten Torschützen der Super League und wechselt nun in die Bundesliga. Eigentlich wäre er schon für die Fussball-Weltmeisterschaft im Juli ein Thema, oder nicht?
Für Alessandro ist es nun wichtig, die Saison sauber zu beenden. Mit dem FC St. Gallen ist er in der Meisterschaft vorne dabei und auch der Cup-Titel ist möglich. Und es stehen auch mit der U21-Nati noch wichtige Spiele in der EM-Qualifikation an. Nachher geht er in die Bundesliga, was eine Herausforderung wird. Eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft wäre für ihn das i-Tüpfelchen. Ob es so sein wird, ist Sache von Nationaltrainer Murat Yakin.
Als 1993 das Angebot aus Kaiserlautern kommt, sind Sie in die Pfalz gefahren und haben sich umgesehen. Wissen Sie, was Sie sagten, als Sie zurück in die Schweiz kamen?
Nein.
Sie sagten: «In Kaiserslautern ist vieles wie in Wohlen.»
Ja (lacht). Ich war erleichtert. Es war keine unpersönliche Grossstadt, sondern ein familiärer Ort. So wie es auch in Hoffenheim ist.
Hoffenheim hat rund 3200 Einwohner. Der Stadtteil gehört zu Sinsheim, dass auch «nur» rund 35 000 Einwohner hat. Ein Vorteil für ihn?
(Überlegt) Ja. Hoffenheim ist keine grosse Stadt. Er kann sich voll auf den Fussball konzentrieren. Aber das wird er sowieso. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass Hoffenheim nicht so weit weg ist von Wohlen. Nur rund drei Stunden mit dem Auto.
Wieso ist das wichtig?
Alessandro Vogt ist ein ruhiger und bodenständiger Typ. Im Kopf stimmt es, auch zu Hause passt es. Er hat eine Heimat hier in Wohlen. Hier sind seine Familie und viele seiner Freunde. Er weiss, wo er hingehört und wo seine Wurzeln sind. Und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass diese Nähe zur Heimat sehr wichtig ist. Das ist ein wichtiges Puzzlestück zum Erfolg. Ich glaube, Alessandro wird mit viel Einsatz und Leidenschaft seine Entwicklung auf dem Platz machen.
Und Sie werden ein besonderes Auge auf ihn haben?
Wir beide sind aus Wohlen. Natürlich werde ich genau beobachten, wie seine Karriere vorangeht. Und ich werde das mit grosser Freude tun.
Das sagt Vogt
Alessandro Vogt wird vom FC St. Gallen geschützt und gibt nur dem Schweizer Fernsehen nach den Spielen Interviews. Einzige Ausnahme bildete ein exklusives Interview in dieser Zeitung (Ausgabe 90 am 14. November 2025). Heute Freitag werden der Verein und Alessandro Vogt aufgrund der vielen Medienanfragen einen runden Tisch durchführen, damit Vogt alle Fragen beantworten kann.
Auf «Instagram» wendet er sich nach dem Wechsel zu Hoffenheim an die St.-Gallen-Fans: «Mir ist es wichtig, mich direkt an euch zu wenden. Für mich stand immer im Vordergrund, gemeinsam mit euch und dieser Mannschaft das Maximum herauszuholen und um den Titel in Grün-Weiss zu kämpfen. Für mich war und ist jedes Spiel im Kybunpark etwas ganz Besonderes. Eure Unterstützung und die Atmosphäre geben mir jedes Mal zusätzliche Motivation. Danke an alle Trainer, Mitspieler, Betreuer, Funktionäre und an euch Fans. Ihr seid in meinem Herzen und ich werde bis zur letzten Sekunde alles auf dem Platz lassen. Lasst uns weiterträumen und in dieser Saison das Maximum rausholen.» --red

