Fast nur der FC Muri

Fr, 19. Feb. 2021

Regionalfussballheld Daniel Weiss

14 Saisons kickte Daniel Weiss im «Eis» des FC Muri. Er ging nur einmal weg. Von diesem Transfer wusste er jedoch nichts.

Ein ganzes Fussballerleben lang hielt er dem FC Muri die Treue. Daniel Weiss, 49 Jahre alt, startete einst bei den E-Junioren und erlebte während 14 Saisons im «Eis» so einiges im Stadion Brühl. Den FC Muri verliess er nur einmal. Für eine halbe Saison trug er das Trikot des FC Bremgarten. Der Transfer geschah, als er im Urlaub war. «Als ich nach Hause kam, meinte meine Mutter, ich spiele jetzt für Bremgarten.» --spr


Der Star auf der Aussenbahn

Serie: «Unsere Regionalfussballhelden von früher»: Daniel Weiss, FC Muri und FC Bremgarten

Ausser einem kurzen Ausflug auf die Bärenmatt ging er nie weg vom FC Muri. Der «Garagentorfussballer» Daniel Weiss brillierte mit seiner feinen Art – auf und neben dem Platz. Die Aussenbahn im Stadion Brühl war seine Heimat.

Stefan Sprenger

Daniel Weiss steht an seiner Lieblingsseite im Stadion Brühl. Auf der Gegenseite der Tribüne, Spielrichtung Innerschweiz, hier sorgte der linke Aussenläufer ( jeweils in der zweiten Halbzeit) für Begeisterungsstürme der Zuschauer. Daniel Weiss, 49 Jahre alt, Tiefbaupolier von Beruf, denkt zurück an vergangene Fussballtage: «Es standen immer dieselben Leute an der Seite und haben mir zugerufen.» Die Joe Meiers und Hans Hübschers waren Fans vom Murianer Eigengewächs. Offensiv sei er «nicht schlecht» gewesen, defensiv betitelt er sich selbst als «mangelhaft».

«Mit Leib und Seele gespielt»

Viele Schlachten hat er mit dem FC Muri ausgetragen. «Mit Leib und Seele habe ich gespielt», sagt Weiss. Manchmal war er fast zu emotional bei der Sache. Er erinnert sich an ein Spiel, als Andreas Bürgisser Trainer des FC Muri war. Weiss, Captain des Teams, lieferte sich einen verbalen Disput mit dem Trainer. Dieser wechselt ihn noch vor der Halbzeit aus. «Ich war stocksauer», sagt er – und muss heute darüber lachen. Die Captainbinde war er danach los. Der SC Cham kriegte Wind vom Streit und wollte ihn verpflichten. «Nichts da, ich gehöre zum FC Muri. In guten wie in schlechten Zeiten.» Eine Aussprache mit dem Trainer sorgte für Beruhigung.

Ohne es zu wissen zum FC Bremgarten transferiert

Nur einmal wechselte er weg, doch davon wusste er nichts. Es war in der Saison 1994/95. Daniel Weiss bereiste Australien und Mittelamerika (während der Saison). «Dann haben sie mich zum FC Bremgarten transferiert, davon wusste ich allerdings nichts. Als ich nach Hause kam, meinte meine Mutter: «Du spielst jetzt übrigens für Bremgarten.» Der Trainer auf der Bärenmatt hiess Hampi Schläpfer. «Der hat alles für den Verein gemacht», so Weiss. Er erlebt in Bremgarten eine tolle Zeit, das Team schrammt knapp am Aufstieg in die 2. Liga vorbei. «Nach dem letzten Spiel bin ich aber trotzdem sofort wieder zu meinem FC Muri gewechselt.»

Denn hier gehört er hin. In Muri hat er angefangen mit dem Fussballspielen. Beim Kunstturnen passte es nicht mehr, also ging er in den FC. Von den E-Junioren geht sein Weg durch die ganze Juniorenabteilung. Mit 17 Jahren kriegt er sein erstes Aufgebot für die 1. Mannschaft. «Im Vergleich zu heute war ich damals ein Garagentorfussballer.» Unter Trainer (und Ex-Profi) Salvatore Andracchio blüht er auf. «Er setzte auf junge Spieler und ich konnte viel von ihm lernen.» Das war Anfang der 90er-Jahre.

14 Saisons lang bleibt er beim FC Muri. Mit Ausnahme des Abstechers nach Bremgarten. Weiss erlebt die Glanzzeiten in der 1. Liga und den Fall in die 2. Liga. Aufstiege, Abstiege, Siege und Pleiten. «Ein Bier gabs nach den Spielen aber immer.» In all den Jahren hat er viele tolle Fussballer kommen und gehen sehen. Rainer Stutz, Marco Haller (der Götti seines Sohnes Kim ist), Rico Benito, Enrico Bizzotto, Simo Mouidi oder Adrian Fiabane. Und viele mehr. In Muri begegnete er auch dem «verrücktesten Typen» seiner Karriere: Trainer Roger Wehrli. «Im Training und im Spiel herrschte mit ihm ein harscher Umgang wie auf einer Baustelle.» Für Tiefbaupolier Weiss waren die verbalen Ausschweifungen kein Problem.

Der Sohn wäre ein Talent

Daniel Weiss erinnert sich an ein Spiel in der Murianer Brühl. Wann und welche Liga, das weiss er nicht mehr so genau. Der Gegner hiess FC Wohlen. «2000 Zuschauer waren da. Es herrschte eine geniale Stimmung, die Rivalität war einzigartig motivierend», erzählt er. Muri gewinnt das emotionale Spiel gegen Wohlen. «Und wir sind dann gerne und absichtlich nach Wohlen in den Ausgang.»

Nach seinem Karriereende Anfang der 2000er-Jahre war er noch Co-Trainer der 1. und 2. Mannschaft. Eine Zeit lang war er Juniorentrainer. «Irgendwann war es genug», so Weiss. Heute kickt er immer noch: bei den Senioren 40+ beim FC Sins. Wieso nicht in Muri? «Wir haben nur 30+, das ist mir zu schnell.»

Weiss spricht auf der Tribüne des Stadions Brühl darüber, wie er damals seine Frau Margrit kennengelernt hat. «Sie kam regelmässig an die Spiele», sagt der Murianer. Und sie sah den schnellen Aussenläufer, wie er die gegnerische Defensive durchwirbelte. «So sind wir zusammengekommen.» 2001 heiraten sie. Ihr Sohn Kim Weiss wird bald 21 Jahre jung. Sein Sohn gilt als grosses Talent, spielt aber mittlerweile in der zweiten Mannschaft des FC Muri. «Er wäre ein richtig guter Kicker, aber der Aufwand ist ihm zu gross.»

Hätte auch Vater Daniel Weiss nicht eine grössere Karriere anpeilen wollen? «Ich war ehrgeizig. Wenn GC oder der FCZ angefragt hätte, dann wäre ich barfuss von Muri nach Zürich ins Training gelaufen.» Doch dafür reichte es nicht. Ein wenig bereut er es trotzdem, dass er den FC Muri nie verlassen hat. «Es wäre sicherlich eine tolle Erfahrung gewesen.»

Das «Eis» spielt erfrischend, aber nicht immer erfolgreich

Heute ist er regelmässig an den Spielen des «Eis». Daniel Weiss sagt über die erste Mannschaft: «Es gab einen grossen Wechsel im Team. Sie sind auf gutem Weg. Trainer Piu lässt erfrischenden und attraktiven Fussball spielen, nur leider nicht immer erfolgreich.»

Die Heimspiele schaut er sich unterhalb der Tribüne an, um es nah zum Bierstand zu haben. Auch, weil er nach einer Hüftoperation nicht mehr der Schnellste ist, sucht er keine weiten Wege mehr. Für die Senioren reiche es aber noch.

Daniel Weiss blickt auf das Grün des Brühl-Rasens. Hier, wo er in seinen Spitzenzeiten wie ein junger Hase über das Feld flitzte. Auf seiner Seite, auf der Gegentribüne, Spielrichtung Innerschweiz, «dort drüben», wie sie es auf der Haupttribüne nannten, dort war seine grosse Bühne. Dort drehte er in der zweiten Halbzeit immer auf – und machte manchmal den Unterschied aus, ob Muri die Partie gewinnt. Hier war er der Star. «Ich liebte es, auf dieser Seite zu spielen.»

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