Film, der unter die Haut geht
02.04.2026 Muri«Macht und Ohnmacht» bewegt im Gemeinschaftszentrum
Rund 35 interessierte Gäste fanden sich ein, um den Dokumentarfilm «Macht und Ohnmacht – Wenn Schweizer Konzerne Leben zerstören» zu sehen – ein eindrücklicher Filmabend, ...
«Macht und Ohnmacht» bewegt im Gemeinschaftszentrum
Rund 35 interessierte Gäste fanden sich ein, um den Dokumentarfilm «Macht und Ohnmacht – Wenn Schweizer Konzerne Leben zerstören» zu sehen – ein eindrücklicher Filmabend, der niemanden kaltliess.
Der Anlass war von der SP Bezirk Muri zusammen mit der Konzernverantwortungsinitiative organisiert worden. Bereits in der Einladung war der Film als eindringlicher Dokumentarfilm angekündigt worden, der am Beispiel von Espinar in Peru und Borneo zeigt, wie eine aus der Schweiz gesteuerte Mine Lebensgrundlagen zerstört.
Schon beim Eintreffen war spürbar: Hier kommen nicht einfach Menschen zu einem netten Feierabendanlass zusammen, sondern Leute, die bereit sind, hinzuschauen. Der Film zeigte zwei Schauplätze, die geografisch weit voneinander entfernt liegen, aber durch dasselbe Unrecht verbunden sind: indigene Gemeinschaften, deren Lebensraum zerstört, vergiftet und wirtschaftlich unter Druck gesetzt wird.
Schönheit und Verwüstung in einem
Was auf der Leinwand zu sehen war, war schwer auszuhalten. Wunderschöne Landschaften wechselten sich ab mit Bildern von Verseuchung, Zerstörung und existenzieller Bedrohung. Menschen erzählten davon, wie Flüsse verfärbt, Tiere und Lebensgrundlagen vernichtet und ganze Gemeinschaften an den Rand gedrängt werden. Gerade diese Mischung aus Schönheit und Verwüstung machte den Film so beklemmend. Er zeigte nicht abstrakte globale Zusammenhänge, sondern konkrete Schicksale – und die brutale Realität, dass Profite in der Schweiz mit Leid anderswo erkauft werden.
Umso wichtiger war die Einordnung im Anschluss. Nach dem Film folgte eine Präsentation und Diskussion. Anousha Peter, Campaignerin der Koalition für Konzernverantwortung, erläuterte die politischen Hintergründe. Sie erinnerte daran, dass die Konzernverantwortungsinitiative 2020 zwar am Ständemehr scheiterte, aber eine Mehrheit der Stimmbevölkerung hinter sich hatte. Die neue Konzernverantwortungsinitiative wurde im Mai 2025 mit 287 164 Unterschriften eingereicht; ein Abstimmungsdatum steht noch nicht fest.
Waches Publikum stellt kritische Fragen
Besonders eindrücklich war ihre Klarstellung, dass die Schweiz mit ihrer zögerlichen Haltung international immer stärker ins Abseits gerät. Die Diskussion zeigte dann, wie wach und differenziert das Publikum war. Es wurden kritische und kluge Fragen gestellt. Ein oft gehörtes Argument – «Wenn wir es nicht tun, tun es andere» – wurde nicht einfach stehen gelassen. Denn nach dieser Logik liesse sich nahezu jede Form von Verantwortung verweigern. Die Koalition argumentiert denn auch ausdrücklich, dass die Schweiz nicht zum europäischen Schlusslicht werden dürfe.
Dass der Abend weit über eine blosse Filmvorführung hinausging, zeigte sich auch danach. Beim Apéro mit kurdischen Spezialitäten, den Roya Amidi zubereitet hatte, wurde weiterdiskutiert, vernetzt und nachgedacht. Gefüllte Weinblätter, Hummus und viele Gespräche machten den Abend auch menschlich warm und verbindend. Der Filmabend in Muri hat gezeigt, dass solche Themen auch in einer Gemeinde wie Muri auf Resonanz stossen. 35 Menschen, die an einem Donnerstagabend kommen, aufmerksam zuschauen, nachfragen, diskutieren und das Thema mit hinausnehmen, sind keine Enttäuschung. Sie sind ein starkes Zeichen. Der Abend war dicht, berührend, politisch und lebendig. Genau solche Veranstaltungen braucht es, wenn globale Ungerechtigkeit nicht abstrakt bleiben soll. --red


