Frust auf allen Seiten
14.04.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: FC Wohlen – SC Buochs 1:1 (1:1)
Der FC Wohlen wollte gegen Buochs den zweiten Sieg in Folge einfahren. Doch statt Jubel gab es vor heimischem Publikum erneut nur ein Unentschieden – und das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Ein ...
1. Liga classic: FC Wohlen – SC Buochs 1:1 (1:1)
Der FC Wohlen wollte gegen Buochs den zweiten Sieg in Folge einfahren. Doch statt Jubel gab es vor heimischem Publikum erneut nur ein Unentschieden – und das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Ein schwacher Trost: Auch die Gäste verliessen enttäuscht den Platz.
Josip Lasic
Eigentlich lief vieles positiv für Nik Dubler und den SC Buochs. Nach drei Niederlagen in Serie holten die Nidwaldner wieder einen Punkt. Dieser war wichtig. Delémont, der direkte Konkurrent im Abstiegskampf, hat ebenfalls gepunktet. Buochs bleibt so über dem Abstiegsstrich. Und der Kallerer Dubler konnte sich einen Skorerpunkt gutschreiben. Nach seinem Eckball in der 8. Minute trifft Abwehrspieler Alcantara Vieira per Kopf zum 1:0 für die Gäste.
«Mir wäre lieber, wenn ich keinen Skorerpunkt gesammelt hätte und wir dafür gewonnen hätten», sagt Dubler. «In der ersten Halbzeit war Wohlen überlegen. Dann haben wir das System umgestellt und es lief besser. Aber beide Teams haben die Chancen nicht zu Ende gespielt.»
Golaj kann durchatmen
Vor jedem Spiel gibt Wohlen-Physiotherapeut Dominic Hauser ein paar Tropfen eines Mittels auf das Trikot von Edison Golaj. Der Vize-Captain der Freiämter riecht sofort daran. «Dieses Mittel hilft mir bei der Atmung. Jedes Mal, wenn ich Schwierigkeiten habe, Luft zu bekommen, rieche ich daran, und es hilft mir, die Atemwege freizumachen.»
Sein Ausgleichstreffer half ihm sicher, noch besser durchzuatmen. In der 27. Minute erhält er den Ball von Bijan Dalvand. Golaj nimmt an und schiesst sofort. 1:1. Danach verflachte das Spiel. Beide Teams zeigten zwar Ansätze, doch klare Torchancen blieben Mangelware. Wenn sich doch eine Möglichkeit ergab, scheiterte der Abschluss.
Nach rund einer Stunde landete ein Abpraller bei Javi Gabathuler. Der gegnerische Keeper war geschlagen. Gabathulers Schuss trifft aber nur den Fuss eines Verteidigers. Im Gegenzug treffen die Gäste die Latte des FCW-Tors. Dramane Sissoko kommt zu einer weiteren Gelegenheit per Fallrückzieher. Besonders bitter für Wohlen: In der Nachspielzeit taucht Milot Sinani noch einmal allein vor dem gegnerischen Keeper auf. Er schiesst den Ball über das Tor. Piu: «Da beide Teams ihre Chancen hatten, könnte man sagen, dass das Resultat so in Ordnung geht. Aber wenn wir im letzten Moment so eine Gelegenheit auf dem Fuss haben, fühlt es sich wie zwei verlorene Punkte an.»
Sissoko verweigert Shakehands
In der Rückrunde sorgt die Heimbilanz des FC Wohlen für Frust: Zwei Siege, drei Unentschieden und eine Niederlage. «Hätten wir die Spiele gewonnen, in denen es ein Remis gab, wären wir jetzt bei 39 Punkten.» Mit dieser Punktzahl wäre der Angriff auf die Aufstiegsspiele greifbar. Doch daran denkt beim FCW derzeit niemand – das erneute Remis wiegt zu schwer. Die Spieler verarbeiten den Frust unterschiedlich. Dramane Sissoko etwa zeigt seinen Ärger offen. Als Piu ihn in der 77. Minute auswechselte, diskutiert er erst mit dem Trainer und Co-Trainer Ivano Rizzo, verweigert dann beiden den Handschlag und verschwindet in die Kabine. Dort suchen Videoanalyst Claudio Goncalves und Torwarttrainer Stefan Kingué das Gespräch mit ihm. «Er ist offenbar sauer auf mich, weil ich ihn rausgenommen habe», sagt Piu. «Das werden wir später klären. In dem Moment, wo alle noch emotional sind, führt das zu nichts.»
Noch sieben Spiele
Stattdessen sucht Piu eine Lösung, damit solche Spiele gewonnen werden. Diesmal hat er die Antwort schnell: «Routine.» Sandi Sulejmanagic musste auf der linken Abwehrseite durchspielen. In dieser Saison sammelte er bisher erst 14 Minuten in der 1. Liga classic. «Die andere Option wäre Sian Dzelili gewesen. Der hat einen Tag zuvor mit der U23 gespielt. Er fühlte sich nicht fit genug.» Sulajmanagic zeigte eine gute erste Halbzeit. Danach unterliefen ihm einige Fehler. Auch Stefano Cirelli kam nach langer Verletzungspause wieder zum Zug. Die Hoffnung ist da, dass die Spieler, die zuletzt weniger oft auf dem Platz standen, jetzt Verantwortung übernehmen können.
Dem FC Wohlen bleiben sieben Spiele. Aktuell steht das Team bei 33 Punkten. In den ersten beiden Jahren unter Piu landete man mit 35 beziehungsweise 38 Punkten jeweils auf Rang 11. Noch ist es möglich, die 40-Punkte-Marke zu knacken und einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. «Wichtig ist vor allem, dass wir nicht mehr verlieren. Dann bin ich zuversichtlich wegen der 40 Punkte. Und mir wäre ein einstelliger Tabellenplatz im vorderen Tabellendrittel am liebsten. Darauf werden wir noch hinarbeiten.» Am nächsten Sonntag, 15 Uhr, geht es auswärts zum FC Langenthal. Der Tabellenzweite spielte zuletzt 0:0 gegen Zug 94. «Auch wir können ihnen Punkte abnehmen», gibt sich Piu optimistisch.
«Kann mir vorstellen zu bleiben»
Die Planungen für die nächste Saison laufen beim FC Wohlen
Sieben Spiele bleiben dem FC Wohlen noch. Trotzdem laufen die Vorbereitungen für die nächste Saison. Es ist bekannt, dass Cheftrainer Piu seinen Vertrag nicht verlängern wird. Umso wichtiger ist es, seinen Nachfolger zu finden und ebenso mit der Kaderzusammenstellung zu beginnen.
In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach Co-Trainer Ivano Rizzo. Er war die letzten beiden Jahre der Assistent an Pius Seite. Wie sieht er seine Zukunft? «Das hängt stark davon ab, wer neuer Trainer wird», erklärt er. «Es gibt Leute, die gleich ihren gesamten Staff mitnehmen. Falls so jemand kommen würde, bliebe die Frage, ob noch Platz für mich ist.» Dennoch kann er sich vorstellen, unter bestimmten Bedingungen Co-Trainer der ersten Mannschaft zu bleiben. «Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Dem Verein bleibe ich auf jeden Fall treu. Falls es nicht als Assistent in der 1.
Liga klappt, finde ich sicher eine andere Aufgabe. Ich bin zu eng mit dem FCW verbunden, um einfach zu gehen.» Bezüglich der Spieler laufen laut Sportchef Sergio Colacino aktuell viele Gespräche. In den nächsten Tagen sollten Ergebnisse präsentiert werden können. «Mit rund sechs bis acht Spielern sind wir uns einig. Da aber noch nichts unterschrieben ist, warten wir mit der Kommunikation. Sobald alles fix ist, informieren wir.» --jl

