Für alle fünf Sinne
02.04.2026 BremgartenDie St. Josef-Stiftung erneuert ihren Sinnesgarten
Er ist ein wichtiges Puzzle-Stück für die Therapie und die Lebensqualität der Bewohner der St. Josef-Stiftung. Der heilpädagogische Garten zu Füssen der beiden Gebäude Fortuna und Allegra. ...
Die St. Josef-Stiftung erneuert ihren Sinnesgarten
Er ist ein wichtiges Puzzle-Stück für die Therapie und die Lebensqualität der Bewohner der St. Josef-Stiftung. Der heilpädagogische Garten zu Füssen der beiden Gebäude Fortuna und Allegra. Doch der Sinnesgarten ist in die Jahre gekommen – und wurde während der Bauzeit in den vergangenen Jahren in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb wird er nun modernisiert und überarbeitet.
Marco Huwyler
Wer einmal kleine Kinder hatte, der kennt das Problem. Ein florierender Garten ist wunderschön, weckt Lebensgeister und Unternehmungslust. Doch für unbekümmerte Gemüter kann er auch gefährlich sein. «Unser Gärtner muss daher tunlichst darauf aufpassen, keine giftigen Pflanzen zu setzen», schmunzelt Marcel Heeg beim Rundgang durch die Parkanlage. Schliesslich sind auch einige Klienten der St. Josef-Stiftung kindgleich mit dem Geschmackssinn zuweilen etwas experimentierfreudiger, als es ihnen guttut.
Lernfortschritt und Lebensqualität
Das Beispiel zeigt exemplarisch, mit welch mannigfachen Herausforderungen sich Heeg und sein Team bei der Umsetzung des Projekts «Sinnesgarten» konfrontiert sehen. Der Park soll für alle Heimbewohner gleichermassen attraktiv sein. Vom Kleinkind bis zum Betagten. Vom Fussgänger bis zum Rollstuhlfahrer. Und von denjenigen, die Ruhe suchen, über diejenigen, die Therapie brauchen, bis hin zu jenen, die hier aktiv, laut und fröhlich sein wollen. «Es braucht deshalb ein ganzheitliches Konzept für alle», sagt Heeg.
Zumal der Sinnesgarten – Nomen est Omen – den Anspruch hat, sämtliche fünf Sinne zu bedienen. Also Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. «Und zwar mit allen vier Elementen», wie Marcel Heeg ausführt. Luft, Wasser, Erde und Feuer. All das soll im Freiraum vor der St. Josef-Stiftung für alle Sinne auf verschiedene Art und Weise erleb- und fühlbar sein «Für unsere Klienten ist Erfahrungslernen sehr wichtig», begründet Heeg. «Noch wichtiger als bei uns «normalen» Menschen, wie er nachschiebt. Denn wohl jeder weiss aus eigener Erfahrung, dass im Gedächtnis besser haften bleibt, was man selbst erlebt. Doch für die beeinträchtigten Menschen der Stiftung gilt dies ganz besonders. Lernfortschritte werden nicht durch theoretische Erklärungen erzielt – sondern durch konkrete Erlebnisse. Doch obwohl solcher Lernfortschritt ein wichtiger Teil des Alltags in der Stiftung ist, ist bei der Konzeption des Sinnesgartens ein zweiter Aspekt noch wichtiger. «Es geht vor allem auch um die Lebensqualität der Menschen, die hier leben. Darum, dass wir ihnen trotz ihrer Einschränkungen möglichst viel Freude im Alltag vermitteln können», sagt Heeg.
Geniessen, riechen, musizieren
So ist es etwa für Menschen, die ansonsten an den Rollstuhl gebunden sind, schlicht eine Wohltat, wenn sie im rollstuhlgängigen Bad das Wasser am Körper spüren. Das Plätschern des Wasserlaufs hat für die Besucher des Sinnesgartens einen ähnlichen beseelenden Effekt wie derjenige eines Wildbachs. Auf dem Parcours beleben Sand, Kieselsteine, Rinde und weitere Naturelemente die Lebensgeister der baren Füsse. Und im Musikhäuschen kann ein jeder selbst ausprobieren, wie sanfte und handfeste Interaktionen mit Instrumenten und Klangelementen unterschiedlich tönen. Rollstuhlgängige Schaukeln und Fahrzeuge sorgen zuweilen für etwas Adrenalin, während nebenan von einer grosszügige Feuerstelle der Rauch eines Naturfeuers in die Nase steigt und zum Grillieren und «Bräteln» einlädt.
Idealer Zeitpunkt
Die erlebbare Wohlfühloase vor den Füssen der beiden Gebäude «Allegra» und «Fortuna» ist indes keine neue Idee. Den St. Josef-Sinnesgarten gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. «Bereits die Ordensschwestern waren in jenem Bereich fortschrittlich und kreativ», erzählt Heeg lächelnd. Doch das Garten-Areal für die Klienten ist in die Jahre gekommen. «Einige der Geräte sind teilweise defekt oder genügen den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr», sagt der Pädagogische Leiter. Zudem wurde ein Teil des Sinnesgartens im Zuge der jahrelangen, umfangreichen Umbauarbeiten des Hauses «Allegra» als Umschlagplatz der Baustelle genutzt und hat entsprechend gelitten. «Es ist daher ein guter Zeitpunkt für eine Modernisierung und Neugestaltung», sagt Heeg.
Was alles neu wird
Abgesehen vom Bad, das erst einige Jahre alt ist, wird der ganze Garten renoviert und erneuert. Dazu gehören etwa neue Schaukeln und Spielelemente wie ein Rollstuhltrampolin oder eine behindertengerechte Rutschbahn. Auch ein neuer Versammlungsplatz für interne Treffen, Feierlichkeiten und Feste entsteht an neuer Stelle. Der Fahrzeugpark mit Gokarts, Velos, Trottis und Rollstuhlvelos, der bisher im Freien am Rand parkiert war, erhält einen Pavillon zur Unterbringung.
Überdies soll die Beschattung des Sinnesgartens durch gezielte Bepflanzung verbessert werden «wobei es uns sehr wichtig war, den aktuellen Baumbestand zu erhalten. Denn dieser ist bereits heute sehr schön und wertvoll für Mensch und Fauna und beheimatet zum Beispiel viele Vogelarten», sagt Heeg. Ergänzt werden soll die bestehende Flora durch zusätzliche einheimische – und eben ungiftige – Pflanzen. Sowie durch einen neuen Kräuter- und Beerengarten, eine duftende Oase für Riech- und Geschmacksnerven.
Eine Million Franken teuer
Vor ein paar Tagen haben die Arbeiten begonnen. Bis Ende Jahr soll der «neue» Sinnesgarten der St. Josef-Stiftung fertiggestellt sein. «Wir hoffen, dass wir bis Ende Mai den Nordteil fertig haben, damit wir den Garten im Sommer bereits geniessen können», sagt Heer. Bis voraussichtlich Ende August soll dann der Südteil folgen und zuletzt bis Ende Jahr noch die Gartenelemente.
Rund eine Million Franken wird die Erneuerung des Sinnesgarten insgesamt kosten. Wobei zwei Drittel davon der Kanton übernimmt. Für den Rest kommt die Stiftung selbst auf. «Ein grosses und sehr wichtiges Projekt für uns», wie Marcel Heeg betont. «Der Sinnesgarten ist für die Stiftung ein Mikrokosmos der Vielfalt mit dem Ziel, Muster zu durchbrechen, Ängste abzubauen sowie Erholung und Erlebnis zu schaffen.» Also ein Projekt, welches Wohnen und Arbeiten in der Stiftung auf Jahrzehnte hinaus positiv prägen soll.



