Ganz viel Frauenpower
01.05.2026 Wohlen, Schule, BildungÜbergabe der Rotary-Preise für die besten Maturarbeiten
Eine Untersuchung über die Antibiotika-Resistenz von Bakterien, eine Recherche über die Migrationsbewegung aus dem Kosovo und eine Analyse über Stress bei Jugendlichen: Die Spannbreite der ...
Übergabe der Rotary-Preise für die besten Maturarbeiten
Eine Untersuchung über die Antibiotika-Resistenz von Bakterien, eine Recherche über die Migrationsbewegung aus dem Kosovo und eine Analyse über Stress bei Jugendlichen: Die Spannbreite der ausgezeichneten Arbeiten ist gross. Eines ist aber gleich: Alle drei stammen aus der Feder von jungen Frauen.
Chregi Hansen
Gilles Bärtschi spielt nicht nur sehr gut Posaune, wie der Schüler zum Auftakt als Mitglied der Kanti-Band beweist. Er verhindert auch, dass in diesem Jahr alle Preise an junge Frauen gehen. Bärtschi erhält für seine Arbeit über die «Entwicklung einer funktionalen Programmiersprache basierend auf Arrows» ebenso einen Anerkennungspreis wie Angelina Franjic, die das Thema «Der Krieg in Vukovar» gewählt hat. Die drei Hauptpreise aber gingen an Schülerinnen.
Zum 20. Mal zeichnet Rotary Freiamt die besten Maturarbeiten aus. Elf mögliche Preisträger wurden von den betreuenden Lehrpersonen dafür vorgeschlagen. Eine sechsköpfige Jury, bestehend aus drei Rotariern und drei Vertretern der Kanti, haben diese Werke geprüft. «Wir hatten dieses Jahr die Qual der Wahl. Es gab unglaublich spannende Arbeiten zu lesen», schaut Rektor Matthias Angst auf die Jury-Zeit zurück. Etwas anders drückt sich Rotary-Präsident Max Knoblauch aus. «Für mich als Handwerker war es nicht immer ganz einfach, alles zu verstehen.
Aber Spass hat es trotzdem gemacht», sagt er in seiner Ansprache mit einem Schmunzeln.
Engagement, Ehrgeiz und ganz viel Ausdauer
Knoblauch zitiert auch die legendäre «Chäber»-Wirtin Irma Koch. «Ich habe die jungen Menschen gern», sagte sie früher immer, wenn sich diese in ihrer Beiz trafen. Auch die Rotarier haben die jungen Menschen gern, fügt der Präsident an. Neben dem Preis für die besten Maturarbeiten vergibt die Organisation auch den Berufsbildungspreis und ist Mitorganisator des Berufs-Speed-Datings. Knoblauch lobt das Engagement, den Ehrgeiz und die Ausdauer der Schüler und Schülerinnen sowie deren Leidenschaft für das gewählte Thema. «Ihr seid tief in die Materie eingetaucht und habt euch darauf eingelassen, ohne zu wissen, welche Erkenntnisse ihr am Schluss gewinnt», so Knoblauch.
Nicht immer lassen sich die Hypothesen beweisen
Das zeigt ganz besonders auch das Beispiel der Gewinnerin des ersten Preises, Celine Melloni. Sie hat versucht, «Stress im Herzschlag von Jugendlichen» durch die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) nachzuweisen. Dabei ging sie von drei Hypothesen aus – bei der Analyse ihrer Messergebnisse zeigte sich aber, dass zwei der Thesen vermutlich nicht zutreffen. Auch das gehört zur wissenschaftlichen Arbeit dazu. Trotzdem zeigt sich Melloni zufrieden. «Ich konnte beweisen, dass sich die HRV gut eignet zur Darstellung von Stress», sagt sie. Und sie hat eine wichtige Botschaft für das Publikum. «Stress ist nichts Negatives, sondern eine wichtige Reaktion, damit man Leistung erbringen und sich konzentrieren kann.» Fachlich begleitet wurde sie durch Lehrer Erich Bühlmann. Er lobt die Preisträgerin für ihre Vorgehensweise und die präzise Arbeit. Sie habe eine sehr komplexe Methode gewählt zur Darstellung des Stresses und musste sich erst in die Materie einarbeiten. Zudem habe sie die Messresultate immer wieder kritisch hinterfragt. «Sie zeigte Beharrlichkeit und liess sich von der Komplexität der Resultate nicht abschrecken», so das Lob des Lehrers.
Den zweiten Rang holt sich in diesem Jahr Elmina Brenoli. Selbst eine Migrantin, hat sie sich des Themas «Zwischen Heimat und Fremde. Eine empirische Analyse der kosovarischen Migration in die Schweiz» angenommen. Die Preisträgerin sei erst kurz vor ihrer Kantizeit in die Schweiz gekommen. «Es ist ein gutes Zeichen für die Schule, wenn auch Migranten solche Preise gewinnen. Und das erst noch mit einem Thema, das gesellschaftspolitisch so aktuell ist», betont Lehrer Matthias Schwank.
Migranten ein Gesicht geben
«Wie ist es, wenn man seine Heimat in einen einzigen Koffer packen muss? Was nimmt man mit?», fragt die Autorin das Publikum. Brenoli hat für ihre Arbeit mit vielen Migranten aus dem Kosovo gesprochen, die aus unterschiedlichen Gründen in die Schweiz gekommen sind. «Migranten erscheinen in der politischen Diskussion meist nur als Zahlen und Statistiken. Ich wollte diesen Menschen ein Gesicht geben», sagt sie. Sie hat untersucht, wie leicht oder schwer es den Kosovaren fiel, sich in der Schweiz zu integrieren. Und wie stark die Beziehung zur alten Heimat noch ist. Es zeigt sich, dass viele Kosovaren sich heute in zwei Ländern zu Hause fühlen.
Im Labor experimentiert
Der dritte Preis geht an Jasmine Cerqua. Der Titel ihrer Arbeit lautet: «Acquisition of Antibiotic resistance through UV-induced Mutagenesis in Bacillus subtilis and Escherichia coli». Und wer da nichts versteht, dem geht es so wie vielen im Saal. Die junge Frau hat, vereinfacht gesagt, im Labor untersucht, ob sich die Antibiotika-Resistenz von Bakterien unter UV-Bestrahlung verändert. Ihr Lehrer Markus Wohlmuth vergleicht ihre Arbeit mit der eines Koches, nur dass Cerqua im Labor und nicht in der Küche hantierte. Für Wohlmuth ist die Anordnung der Versuchsreihe die Vorspeise, die Durchführung der Experimente der Hauptgang und die Interpretation der Ergebnisse schliesslich das Dessert. Und er vergibt für das Menü zwei Michelin-Sterne. «Den dritten holt sie sich dann sicher bei der Doktorarbeit», ist der Lehrer überzeugt.
Apropos weitere Auszeichnungen: Mehrere der vorgestellten Arbeiten wurden auch bei «Schweizer Jugend forscht» eingereicht. Und die Jury ist überzeugt, dass die eine oder andere auch dort sicher erwähnt wird. Die Kanti Wohlen kann also stolz sein auf ihre Schüler und Schülerinnen. Und die Rotarier sind es auch.


