Gemeinsame Sache

Fr, 20. Nov. 2020

Ringen, NLA, 2. Halbfinal: Die Leutert-Zwillinge vor dem Geisterkampf gegen Einsiedeln (Sa, 19 Uhr)

Sie sind auch in dieser ungewöhnlichen Coronasaison zwei Erfolgsgaranten für die RS Freiamt. Die Leutert-Zwillinge Nils und Nino haben beide ein Ziel: «Den Meistertitel 2020 gewinnen.» Auch in der Zukunft setzen sie ihre Ziele hoch an. Und die «Leutert Twins» wollen das gemeinsam tun.

Stefan Sprenger

Die Sportwelt ist gelähmt. Viele Sportler dürfen oder können nicht in ihrer Sportart trainieren, ausser man ist Profi. Kontaktsport ist untersagt. Die beiden Zwillinge Nils und Nino Leutert von der Ringerstaffel Freiamt können aber «normal» weitermachen. Ihr grosses Glück: Die beiden 21-Jährigen sind Teil des Ringer-Nationalkaders der Schweiz, gelten als teilprofessionell und dürfen mit der sogenannten «Swiss Olympic»-Karte weitertrainieren.

In Polen in einer «Bubble» gelebt

Nils trainierte in der Schweiz. Bruder Nino reiste in die Stadt Milicz in Polen. Zusammen mit den National-Ringern Marc Dietsche und Samuel Scherrer wollte er sich auf die Weltmeisterschaft vorbereiten, die Mitte Dezember in Belgrad stattgefunden hätte. Doch weil coronabedingt viele Nationen absagen mussten, wurde die WM nun in einen World Cup abgeändert.

In Polen konnte er besonders von den internationalen Sparringspartnern profitieren. Ringer aus Polen, Ungarn, Rumänien oder Moldawien waren im Trainingslager dabei. «Alle mussten sich auf Corona testen lassen. Und danach lebten wir in einer sogenannten ‹Bubble›», erklärt Nino Leutert. Eine «Bubble» (zu Deutsch Blase) bedeutet, dass die Ringer sich nur im Hotel und in der Trainingshalle aufhalten – und sonst nirgends. «Es gab sehr intensive Mattentrainings und viele Trainingskämpfe auf sehr hohem Niveau», erzählt Nino Leutert, der heute Freitag per Flugzeug wieder in die Schweiz zurückkehrt. «An den leeren Flughäfen merkt man die Coronaausmasse besonders stark», erzählt er.

«Unser Ziel ist der Titelgewinn»

Heute noch in Polen, morgen Samstag schon in der Murianer Bachmattenhalle beim Kampf um den Finaleinzug. Die Ringerstaffel Freiamt empfängt Einsiedeln zum Halbfinal-Rückkampf. Seit dieser Woche durfte das ganze Team wieder auf der Matte miteinander trainieren. Dies, weil die NLA als teilprofessionell eingestuft wurde und man nach langem Hin und Her sich entschied, die Saison zu Ende zu führen. Im ersten Halbfinalkampf siegte Freiamt mit 27:8 gegen Einsiedeln. Nino Leutert gibt sich siegessicher: «Der Vorsprung ist gross. Mit einer konzentrierten Leistung werden wir in den Final gegen Willisau einziehen.»

Die Zwillinge aus Ottenbach sagen beide: «Unser Ziel ist der Titelgewinn.» Dieser Weg führt an Favorit Willisau vorbei. Die ersten beiden Kämpfe dieser Saison endeten jeweils mit einem 19:14-Sieg für die Luzerner. «Damals sind aber beide Teams nicht mit ihrer besten Aufstellung angetreten», sagt Nino Leutert. Die Zwillinge hoffen und glauben, dass es ein ähnlich enger Kampf wird wie im Vorjahresfinal, als sich Willisau nur hauchdünn durchsetzte. «Es wird wohl wieder auf ganz wenige Punkte ankommen. Dieses Mal hoffe ich, dass es auf unsere Seite kippt», sagt Nino weiter.

Nils hat seit 2018 keinen Kampf mehr verloren

Doch das ist Zukunftsmusik. Morgen Samstag geht es erst einmal darum, Einsiedeln zu überwinden. Die Mannschaft von Trainer Marcel Leutert, der ebenso Vater der Zwillinge ist, soll mit einem guten Gefühl in den Final einziehen. Die Zwillinge stecken jedenfalls voller Selbstvertrauen. Nils Leutert hat seit 2018 keinen Kampf mehr verloren. Bruder Nino Leutert hat in dieser Saison erst einmal verloren (gegen den Kriesserer Dominik Laritz).

Der Traum von Olympia 2024

Die Zwillinge haben vor Kurzem ihr neues und gemeinsames Sponsoringkonzept vorgestellt. Darin heisst es: «Wir streben die gleichen Ziele an und sind mit dem Freistil-Nationalkader immer zusammen im In- und Ausland unterwegs.» Durchschnittlich trainieren sie acht- bis neunmal pro Woche. Pro Jahr sind sie zwischen 150 und 200 Tagen an Turnieren oder Trainingslagern unterwegs, die mehrheitlich im Ausland stattfinden. Nino hat die Spitzensport-RS in Magglingen schon besucht, Nils möchte das 2021 schaffen. Sponsoren suchen sie deshalb, weil sie während ihren Auslandaufenthalten ihren Jobs nicht nachgehen können. Nino ist gelernter Sanitärinstallateur, Nils ist gelernter Landwirt. Das alles ist viel Aufwand. Die Ziele der beiden sind dementsprechend hoch angesetzt. Die Leuterts wollen eine Medaille an einer WM oder EM gewinnen und an den Olympischen Spielen 2024 teilnehmen. Wie Zwillinge so sind, kämpft nicht jeder für sich, sondern sie machen gemeinsame Sache. Auf Facebook haben sie ihre beiden einzelnen Seiten zu einer gemacht und nennen diese «Leutert Twins».

Jetzt haben beide ein Ringerohr

Früher konnte man die eineiigen Zwillinge jeweils ganz einfach unterscheiden: Nino war derjenige mit einem Ringerohr. Doch seit vergangener Woche hat Nils auch eins. «Jetzt wird es schwieriger», lacht Nino. Nils fügt an: «Ich bin fünf Zentimeter kleiner und vier Kilogramm leichter als mein Bruder.» Optisch sind sie also nur schwierig auseinanderzuhalten. Das schaffen wohl nur die Eltern und Freundinnen. Auch auf der Matte wird es schwierig, denn beide sind in ihren Freistil-Kämpfen jeweils in der Favoritenrolle und beide gewinnen – meistens. Auch gegen Einsiedeln morgen Samstag und im Final gegen Willisau braucht es die Siege der «Leutert Twins», um in dieser besonderen Coronasaison am Ende vielleicht das beste Team der Schweiz zu sein.

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Des Sammlers grösster Schatz

Mit einer Vernissage wurde die neue Weihnachtsausstellung im Museum Kloster Muri eröffnet

Die Königsberger Krippe ist sehr selten. Bei der Ausschaffung der Sudetendeutschen in den 1940er-Jahren überlebten nur wenige. Eine hat Alfred Dünnenberger und er leiht sie dem Museum Kloster Muri aus.

Annemarie Keusch

Die Miniaturfiguren sind teilweise nur wenige Millimeter gross. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Tradition gepflegt im Raum Königsberg. Vor allem war...