Griff nach der goldenen Ananas
13.02.2026 Sport, Eishockey3. Liga: Fi-Gö startet auswärts in Freimettigen in die Play-offs (Sa, 20.30 Uhr)
Schon wieder: Der HC Fischbach-Göslikon will zwar den Meistertitel in der 3. Liga verteidigen, aber aufsteigen will man nicht. Da sie kein Einzelfall sind, sinkt der sportliche ...
3. Liga: Fi-Gö startet auswärts in Freimettigen in die Play-offs (Sa, 20.30 Uhr)
Schon wieder: Der HC Fischbach-Göslikon will zwar den Meistertitel in der 3. Liga verteidigen, aber aufsteigen will man nicht. Da sie kein Einzelfall sind, sinkt der sportliche Wert der Play-offs, bevor diese überhaupt angefangen haben.
Josip Lasic
Für aussenstehende Sportfans ist es schwer nachvollziehbar: Der HC Fischbach-Göslikon will erneut nicht in die 2. Liga aufsteigen. Das ergab eine teaminterne Abstimmung. Die sportliche Relevanz der 3. Liga schwindet damit noch mehr. Die Freiämter starten dennoch mit Ehrgeiz in die Play-offs. Morgen Samstag, 20.30 Uhr, beginnt für den HC Fischbach-Göslikon die K.- o.-Runde mit dem Auswärtsspiel bei Freimettigen. Als Titelverteidiger beendete Fi-Gö die Vorrunde auf Platz 3 und ist unter den zwölf Play-off-Teilnehmern auf Rang fünf. Mehrere Teams könnten den «Indianern» den Meisterpokal streitig machen.
Qualität wäre vorhanden
Die Vorzeichen für eine spannende Play-off-Phase wären da. In der Praxis sieht es anders aus. Fi-Gö kündigte an, selbst bei einer Titelverteidigung nicht in die 2. Liga aufsteigen zu wollen. In den letzten drei Jahren wurden die Freiämter zweimal Meister der 3. Liga Zentralschweiz. Beim ersten Mal war der Verzicht auf den Aufstieg noch verständlich und erklärbar: Spielertrainer Michel Simmen kam von den Argovia Stars aus der 1. Liga und brachte mehrere Teamkollegen mit. Ein Aufstieg hätte teure Ausbildungsentschädigungen für diese Spieler erfordert. Vergangene Saison war diese Hürde weg. Fi-Gö liebäugelte mit der 2. Liga. Die Entscheidung musste vor dem Playoff-Start fallen. Der Verband verlangte eine vorbehaltlose Zusage. Fi-Gö hätte so auch im Fall eines frühen Play-off-Ausscheidens aufsteigen müssen, sofern die besser klassierten Teams nicht wollen. Auf das Angebot, nur im Fall eines Meistertitels aufzusteigen, ging der Verband nicht ein. Fi-Gö verzichtete und fragte nach dem Titelgewinn erneut an. Diesmal mit der Gewissheit, dass man sportlich gut genug wäre. Von Verbandsseiten gab es eine Absage.
Dass Fi-Gö nun wieder auf den Aufstieg verzichtet, überrascht nach dieser Vorgeschichte doch stark. Die sportliche Qualität ist offensichtlich vorhanden. Wieso also wieder ein Verzicht? TK-Chef Stephan Zimmermann erklärt: «Wir haben innerhalb der ersten Mannschaft abgestimmt. Das Ergebnis war eindeutig. Mit Ausnahme eines Spielers waren alle gegen den Aufstieg. Nach dem Meistertitel letztes Jahr waren einige euphorisch und sahen es anders. Aber ein grosser Teil des Teams hat schon in höheren Ligen gespielt. Viele sind Familienväter und haben jetzt andere Prioritäten im Leben. Den Mehraufwand, den die 2. Liga mit sich bringen würde, wollen sie nicht mehr.» Die sportlichen Ambitionen des Teams beschränken sich auf die 3. Liga.
Kein Einzelfall – Verband wirkt ratlos
Erschreckend ist, dass es viele andere Vereine in dieser Spielklasse ähnlich sehen. In den letzten zehn Jahren gab es in der 3. Liga Zentralschweiz lediglich zwei sportliche Aufsteiger. In den anderen beiden Regionen im Amateurhockey – der Suisse Romande und Ostschweiz – nehmen hingegen die meisten Meister den Aufstieg wahr. Ansonsten rückt oft der Vize-Meister nach. In der Zentralschweiz geschieht selbst das nicht. Letztes Jahr wollte kein anderer Verein den Aufstiegsplatz von Fi-Gö übernehmen. Die Fischbach-Gösliker sahen ihr Vorgehen als Entgegenkommen, da sich der Verband einen sportlichen Aufsteiger wünsche. Die fehlende Kulanz des Verbands gegenüber Fi-Gö überrascht genauso wie das verschwundene Interesse der «Indianer» am Aufstieg. Warum will in der Zentralschweiz niemand in die 2. Liga? Der Verband müsste auch die Gründe der anderen Vereine kennen. Auf Nachfrage dieser Zeitung, warum die Zentralschweizer Vereine kein Interesse an der 2. Liga haben und ob Ideen vorhanden sind, diesen Zustand zu ändern, gab es von der Ligaleitung nur eine ungehaltene Reaktion. Stellung wollte man dazu keine beziehen.
Zu den «Aufstiegsverweigerern» der letzten zehn Jahre gehört auch der HC Wohlen Freiamt. In der Saison 2016/17 gewannen sie ihre Gruppe. Obwohl die «Huskies» in der Vergangenheit lange in der 2. Liga mitgespielt haben, wollten auch sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr dorthin zurück. Sie befürchteten, das Kader sei zu schmal und darum nicht konkurrenzfähig. Mittlerweile bewerten die Wohler die Situation anders. Vereinspräsident Bernard Devaud sagt heute: «Wenn wir sportlich die Möglichkeit hätten aufzusteigen, würden wir alles daran setzen, das zu ermöglichen. Aktuell, als Tabellensechster in einer von drei Zwölfergruppen, ist es aber unsinnig, darüber nachzudenken.» Devaud verweist darauf, dass es in der 2. Liga Zentralschweiz abgesehen vom EHC Rheinfelden keinen Verein aus dem Kanton Aargau gibt. Dadurch würde man auf einen Schlag für zahlreiche Spieler der Region interessant. «Wir wären eine potenzielle Adresse für Leute, die den Sprung in eine höhere Liga machen wollen, aber noch nicht so weit sind, oder die bereits auf höherem Niveau gespielt haben und kürzertreten wollen.» Ähnliches hörte man letztes Jahr von Fi-Gö. Ein weiterer Punkt, der ihren Entschluss unverständlich macht.
Eine geschlossene Gesellschaft
Die Freiämter Gruppe der 3. Liga wirkt wie eine geschlossene Gesellschaft. Neben den beiden Clubs aus der Region spielen auch Reinach, Herrischried oder die Argovia Stars jedes Jahr mit. Änderungen in der Gruppenkonstellation gab es nur, wenn sich Mannschaften zurückzogen oder der Verband die Gruppen neu einteilte. Sportliche Aufund Absteiger sind selten. Eine Meisterschaft, bei der es egal ist, ob man Erster oder Letzter wird, hat keinen sportlichen Wert. Man spielt um die goldene Ananas. Wohlen-Präsident Bernard Devaud findet deutliche Worte: «Es ist eine Farce, was wir hier betreiben. Genauso gut kann man in einer Plauschliga spielen. Das kann nicht motivierend sein für die Sportler.»
So beginnen Play-offs, die attraktiven Sport bieten könnten. Doch die Entscheidungen der Vereine entwerten sie. Schade, dass Fi-Gö die Chance nicht nutzt, eine positive Ausnahme zu sein. Die Nicht-Reaktion des Verbands deutet darauf hin, dass sich an dieser Lage so schnell nichts ändern wird. Immerhin: Gerüchten zufolge hat Thun-Lerchenfeld Interesse am Aufstieg und als bestes Team der Qualifikation auch gute Chancen. Das muss dann wohl für die nächsten zehn Jahre reichen.

