Grosses Zeichen des Vertrauens
16.01.2026 Wohlen, Einwohnerrat, Politik, ParteienAlle Ämter sind neu besetzt – und alle 40 Mitglieder vereidigt
Die Premiere des neuen Einwohnerrates ist gelungen. Die verschiedenen Posten wurden vergeben. Die SVP machte dabei als Wahlsieger dreifach ihren Anspruch geltend, erfolgreich war sie nur bei der ...
Alle Ämter sind neu besetzt – und alle 40 Mitglieder vereidigt
Die Premiere des neuen Einwohnerrates ist gelungen. Die verschiedenen Posten wurden vergeben. Die SVP machte dabei als Wahlsieger dreifach ihren Anspruch geltend, erfolgreich war sie nur bei der Vergabe der Sitze in der FGPK. Überraschend wurde Laura Pascolin als Vizepräsidentin gewählt.
Daniel Marti
Die neue Einwohnerratspräsidentin heisst Julia Frischknecht von den Grünliberalen. «Sie wird uns und Wohlen guttun», sagte GLP-Präsident Matthias Angst bei der Nomination (siehe Ausgabe vom vergangenen Dienstag). Das Duell um das Vizepräsidium verlief dann spannend, weil die Namen bis zum Sitzungsbeginn geheim geblieben sind. Laura Pascolin setzte sich dann deutlich gegen Roland Büchi durch.
Das Duell SP-Präsidentin gegen SVP-Präsident konnte so nicht erwartet werden, vor allem darum, weil die Volkspartei bis Ende 2025 mit Marc Läuffer den Einwohnerratspräsidenten stellte. Bisher war es Tradition, dass eine gewisse Reihenfolge und die Berücksichtigung von eher kleineren Parteien eingehalten wurde.
Laura Pascolin wurden letzten Herbst auch Chancen für den Gemeinderat eingeräumt. Dort verzichtete sie allerdings auf eine Teilnahme an der Ersatzwahl. Mit dem Vizepräsidium des Einwohnerrates hat sie jetzt doch noch einen wesentlichen Schritt vorwärts gemacht.
Ratskollegen ermunterten Laura Pascolin
Die Kandidatur sei eher zufällig entstanden, sagt sie auf Anfrage. «Nach den Gemeinderatswahlen lag mein Fokus eigentlich bereits auf der nächsten Legislatur und den kommenden vier Jahren. Das Amt der Vizepräsidentin wurde mir dann jedoch von verschiedenen Ratskolleginnen und Ratskollegen nahegelegt.» Nach einigen Gesprächen habe sie sich gedacht: «Warum nicht? Es ist eine spannende Aufgabe, und ich bringe die nötige Erfahrung und Motivation mit, um diese Verantwortung zu übernehmen.»
Das Resultat habe sie «sehr gefreut und auch berührt. Ich werte es als grosses Vertrauenszeichen über die Parteigrenzen hinweg. Offenbar wird meine Arbeit als sachlich, verlässlich und konstruktiv wahrgenommen – das bestätigt mich sehr und motiviert mich für die kommenden Aufgaben.»
Frauen sollen sichtbar Verantwortung übernehmen
Pascolin wird nun zwei Jahre lang an der Seite von Einwohnerratspräsidentin Julia Frischknecht wirken. Zwei Frauen an der Ratsspitze. Was bedeutet ihnen das? Laura Pascolin: Für mich ist das ein starkes und ermutigendes Zeichen. Nicht weil zwei Frauen an der Ratsspitze etwas Aussergewöhnliches sein sollten, sondern weil es zeigt, dass Kompetenz, Erfahrung und Engagement ausschlaggebend sind.» Gleichzeitig sei es wichtig, «dass Frauen sichtbar Verantwortung übernehmen und Führungsaufgaben selbstverständlich ausüben. Solche Vorbilder wirken – auch über den Rat hinaus.» Als Vizepräsidentin möchte sie nun Julia Frischknecht eng unterstützen. «Gute Zusammenarbeit bedeutet für mich, sich gegenseitig zu stärken, offen zu kommunizieren und gemeinsam für einen respektvollen und gut funktionierenden Ratsbetrieb einzustehen», so Pascolin.
Und so ganz nebenbei: Die SP-Politikerin ist die designierte Einwohnerratspräsidentin der Jahre 2028 und 2029. Gewiss, ja, die Vorfreude sei vorhanden, «verbunden mit grossem Respekt vor der Verantwortung». Für Pascolin sind die kommenden Jahre eine gute Gelegenheit, «Erfahrungen zu vertiefen und mich sorgfältig auf das Präsidium vorzubereiten. Wenn es dann so weit ist, möchte ich das Amt mit Ruhe, Fairness und einem Blick für das Gesamtinteresse des Rates ausüben.» Schöne Worte.
FGPK: Heinrich als Präsident bestätigt
Zurück zum Wahlgeschehen im Einwohnerrat. Nach der Niederlage in der Ausmarchung ums Vizepräsidium macht die SVP ihren «Machtanspruch» auch bei der Neubesetzung der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission geltend. Sie wollte drei Sitze und mit Neu-Einwohnerrat Fabio Pierascenzi auch das FGPK-Präsidium besetzen. Die drei Sitze wurden der Volkspartei zugestanden, zum Präsidenten wurde allerdings der Bisherige Daniel Heinrich (Mitte) gewählt. Dies ist auch ein Zeichen der Wertschätzung an die Adresse von Heinrich (siehe Interview unten). Das Dorfparlament zeigte sich zufrieden mit seiner Arbeit und seiner kritischen Haltung während den letzten beiden Jahren.
«Wir alle sind doch gefordert»
Interview: Daniel Heinrich, der alte und neue FGPK-Präsident
Sie waren bereits zwei Jahre lang Präsident der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission.
Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Daniel Heinrich: Ich bin jetzt schon acht Jahre in dieser Kommission. Für mich ist es immer noch die beste Idee gewesen, dass beide Kommissionen zur Finanz- und Geschäftsprüfungskommission zusammengelegt wurden. Denn so haben die Mitglieder immer alle relevanten Unterlagen zum Prüfen und zum Beurteilen. Die Kommission hat ihre Aufgaben wahrgenommen und den Verantwortlichen, Gemeinderat und Verwaltung, stets hartnäckig Fragen gestellt oder bei Unklarheiten Informationen verlangt. Diese wurden innert der geforderten Frist an die FGPK nachgeliefert. Somit konnte ein Entscheid gefällt werden. Die Zusammenarbeit in der FGPK war angenehm und der Respekt untereinander immer spürbar. Ein Dankeschön möchte ich auch an die Verwaltung machen, diese war immer sehr hilfreich und für mich als Präsident der letzten zwei Jahre immer erreichbar.
Warum haben Sie sich für eine zweite Amtszeit entschieden?
Ich habe mir Gedanken zum Einwohnerrats-Vizepräsidium gemacht, um zwei Jahre später eventuell Präsident zu werden. Beides hat mich extrem gereizt, aber ich kam zum Schluss, dass mir als Präsident, sofern ich gewählt worden wäre, die Zeit fehlen würde. Die repräsentativen Pflichten sind nicht zu unterschätzen und ich möchte meinen Job mit all seinen Aufgaben zu 100 Prozent richtig machen. Auch zu den Gemeinderats- und Gemeindeammannwahlen machte ich mir Gedanken, nachdem bekannt wurde, dass drei nicht mehr antreten würden. Aber dabei blieb es. Also entschied ich mich wieder für das FGPK-Präsidium. Mit dieser neuen Zusammensetzung wird es sicher spannend. Zudem stehen interessante Geschäfte und Aufgaben an.
Ein Wort zur Wiederwahl.
Gerne hätte ich mir ein besseres Resultat gewünscht, denn ich versuche, im Rat immer korrekt mit allen Ratsmitgliedern umzugehen und meine Voten sachlich zu halten. Für mich ist eines klar und dies habe ich im Rat schon öfters gesagt: Wir schaffen es nur miteinander, alle Parteien zusammen.
Welche Ziele haben Sie weiter als Präsident der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission?
Es ist mein Ziel als Präsident, die Kommission korrekt zu führen und bei allen Geschäften sachlich und mit Vernunft zu entscheiden. Jeder im Rat und jeder Wohler weiss, dass gewisse Investitionen für Neubauten, Renovationen für die in die Jahre gekommenen Schulgebäude oder gemeindeeigene Immobilien sowie Strassen ausgeführt werden müssen. Dies ist eine reine finanztechnische Frage.
Nennen Sie bitte ein Beispiel, das allenfalls nicht so gut verlaufen ist.
Wenn Neubauten realisiert werden müssen wie der bewilligte Kindergarten im Farn, darf beispielsweise der Fehler, die Fundamente nicht zu verstärken, einfach nicht passieren. Dies sind Investitionen, die beim Neubau nicht so stark ins Gewicht fallen, aber in der Zukunft extreme Zusatzkosten auslösen können oder gar einen Abriss der Gebäude verursachen, weil nicht aufgestockt werden kann. Dies ist dann Geldverschwendung und die Umwelt wird unnötig zusätzlich belastet. Hier sind wir einfach gefordert. Was wir entscheiden, baden nachkommende Generationen aus.
Der neue Gemeindeammann Roland Vogt betont immer wieder, dass sich Wohlen nicht alles leisten kann, dass Wohlen den Gürtel enger schnallen muss. Die Probleme sollten unbedingt mit weniger Ausgaben gelöst werden. Wie weit können Sie ihn dabei unterstützen?
Hier sind alle gefordert, der gesamte Einwohnerrat, der Gemeinderat und die Verwaltung sowie der Souverän, der ja mit Wünschen die Geschäfte anstossen und beeinflussen kann. --dm

