Hauptsache, das Feuer brennt
09.01.2026 Sport, FussballKleiner Club, grosse Liga
Elena Mühlemann spielt in der Bundesliga
Elena Mühlemann aus Sins kämpft mit Carl Zeiss Jena um den Ligaerhalt.
Seit vier Jahren spielt Elena Mühlemann in Deutschland. Seit Sommer ...
Kleiner Club, grosse Liga
Elena Mühlemann spielt in der Bundesliga
Elena Mühlemann aus Sins kämpft mit Carl Zeiss Jena um den Ligaerhalt.
Seit vier Jahren spielt Elena Mühlemann in Deutschland. Seit Sommer wieder in der 1. Bundesliga. Bei Carl Zeiss Jena ist sie in einem Verein, wo Frauenfussball einen hohen Stellenwert geniesst. --jl
Die Sinserin Elena Mühlemann kämpft mit Carl Zeiss Jena um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga
Die Murianerinnen Alayah Pilgrim und Julia Stierli sind nicht die einzigen Freiämterinnen in einer Topliga. Die Sinserin Elena Mühlemann spielt in der 1. Bundesliga beim FC Carl Zeiss Jena. Sie stammt aus einer fussballbegeisterten Familie und ist bei einem Verein gelandet, in dem die Frauenabteilung einen hohen Stellenwert hat.
Josip Lasic
Wenn die Frauen-Fussballbundesliga am Wochenende vom 23. bis zum 25. Januar in die Rückrunde startet, beginnt für Elena Mühlemann und den FC Carl Zeiss Jena die Mission Klassenerhalt. Das Team ist momentan Schlusslicht, hat aber lediglich drei Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.
Die 22-Jährige spielt seit Sommer in Thüringen und war schnell begeistert von Verein und Stadt. Zu Saisonbeginn konnte sie der Mannschaft allerdings nicht so helfen, wie sie sich das vorgestellt hat. «Ich war in der Sommerpause verletzt und habe die ersten Spiele verpasst. Dann kam ich zunächst nur zu Teileinsätzen. Mittlerweile konnte ich mir aber einen Platz in der Startelf erkämpfen.» Für die Mittelfeldspielerin ist es bereits die vierte Saison in Deutschland. «Mittlerweile habe ich mich eingelebt und an den deutschen Fussball angepasst. Taktisch und technisch ist das Niveau sehr hoch.» Die Bundesliga gehört bei den Frauen wie bei den Männern zu den stärksten Ligen der Welt. Ihr erstes Pflichtspiel im Trikot von Jena bestritt Mühlemann gegen Bayern München, ein Team mit zahlreichen internationalen Starspielerinnen. «Wir sind stolz, dass wir gegen sie 0:0 spielen konnten», sagt die Sinserin. In der Liga spielen auch zahlreiche Schweizerinnen. Einige von ihnen, wie Géraldine Reuteler, Nadine Riesen oder die Murianerin Julia Stierli, waren Teil des Nationalteams bei der Heim-Europameisterschaft im vergangenen Jahr.
Familie mit Challenge-Leagueund Feyenoord-Vergangenheit
Mühlemann hingegen war bisher «nur» Junioren-Nationalspielerin. Dabei wurde ihr der Fussball quasi in die Wiege gelegt. Aufgewachsen ist sie in Sins in einer fussballverrückten Familie. Ihr Vater Marcel Mühlemann spielte in den 80er-Jahren mit dem SC Zug in der Nationalliga B. Ihr Stiefvater war Teil der Feyenoord-Akademie in den Niederlanden, musste allerdings verletzungsbedingt seine Karriere beenden. Als ihr älterer Bruder mit dem Fussball begann, wollte auch sie spielen. Mit zehn Jahren begann sie beim FC Baar in einer Mädchenmannschaft und ging ein Jahr später zum FC Sins in ein gemischtes Juniorenteam. Es folgte ein rasanter Aufstieg. Mit 14 wechselte sie in den Nachwuchs des FC Luzern, gab mit 19 ihr Debüt in der Women’s Super League und ging nach nur sechs Spielen im Luzerner Fanionteam zum 1. FC Nürnberg. «Für mich hat alles gepasst. Es war mein Ziel, früh den Sprung ins Ausland zu schaffen. In Luzern kam es zu einem Trainerwechsel, weshalb ich unsicher war, wie es für mich weitergeht. Nürnberg hat mich von seinem Projekt überzeugt und ich habe zugesagt.»
Mit Nürnberg spielt sie in der 2. Bundesliga. Am Saisonende gelingt der Aufstieg. Nach einem halben Jahr in der 1. Bundesliga zieht sie weiter. «Mir war es wichtig, dass ich viel Einsatzzeit bekomme, um zu lernen und mich weiterzuentwickeln.» Sie ging zu Eintracht Frankfurt. Der Verein stellt in den drei höchsten Ligen Deutschlands jeweils ein Team. Mühlemann spielte in der zweiten Mannschaft in der 2. Bundesliga und unterstützte zwischendurch die 3. Mannschaft in der Regionalliga. «Ich war eineinhalb Jahre in Frankfurt und habe viel gelernt. Also wollte ich den nächsten Schritt machen. Mit Jena kann ich wieder in der 1. Bundesliga spielen und habe mit dem Team ein klares Ziel vor Augen.»
Frauen in der Bundesliga, Männer nur viertklassig
Jena ist für sie ein Kontrast zu früheren Stationen. Mit rund 100 000 Einwohnern ist die Stadt deutlich kleiner als Nürnberg oder Frankfurt. «Aber es ist ein sehr sympathischer, herzlicher Ort. Jena ist eine Universitätsstadt. Von den 100 000 Einwohnern sind rund ein Viertel Studenten. Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend.» Auch der Verein unterscheidet sich von ihren bisherigen Clubs. «Carl Zeiss Jena ist ein Traditionsclub, aber deutlich familiärer als Nürnberg und Frankfurt.» Die grösste Zeit des Vereins war vor der deutschen Wiedervereinigung. Die Männer führen die Ewige Tabelle der DDR-Oberliga an und standen 1981 im Final des Europapokals der Pokalsieger. Nach der Wende war die 2. Bundesliga aber das höchste der Gefühle. Mittlerweile spielen die Männer in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Anders sieht es bei den Frauen aus. Die Abteilung existiert seit 2017 und übernahm 2020 die Spiellizenz vom USV Jena, der insgesamt zwölf Jahre in der 1. Bundesliga vertreten war. Vor einem Jahr folgte die Rückkehr ins Oberhaus als Carl Zeiss Jena. «Dementsprechend haben wir einen sehr grossen Stellenwert im Verein», sagt Mühlemann. «Bei uns trägt die Frauenabteilung einen relevanten Teil des Vereinsumsatzes bei.»
Die Nati bleibt ein Traum
Damit das so bleibt, will Elena Mühlemann helfen, den Klassenerhalt zu sichern. Auch sonst ist sie ambitioniert. Mühlemann hat die letztjährige EM in der Schweiz nur als Zuschauerin im Stadion oder beim Public Viewing miterlebt. Komplett abgehakt hat sie das Thema Nationalteam aber nicht. Mit zahlreichen aktuellen Nationalspielerinnen hat sie beim FC Luzern oder in der Schweizer U19-Nati zusammen gekickt. Unter anderem mit der Murianerin Alayah Pilgrim. «Jetzt, wo ich wieder in der Bundesliga spiele, bin ich sicher stärker auf dem Radar des Verbandes. Allerdings bin ich realistisch. Mittlerweile hat die Schweiz viele starke Spielerinnen. Auf meiner Position gibt es absolute Top-Namen wie Lia Wälti. Die Nati bleibt ein Traum, aber die Konkurrenz sehr stark.»
Für Mühlemann ist die absolute Weltspitze auch nicht mehr so wichtig. «Früher war mein Traum, für den FC Barcelona zu spielen. Mittlerweile kenne ich Fussballerinnen, bei denen die Leidenschaft völlig weg ist. Für sie ist es nur noch ein Job. Bei mir brennt das Feuer für den Sport noch», erzählt sie. «Ich kämpfe lieber mit Jena um den Klassenerhalt in einer so starken Liga, als bei einem Verein mit grösserem Namen die Liebe zum Fussball zu verlieren.» Dennoch glaubt sie, dass sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. «Ich kann noch viel besser werden.» Man darf gespannt sein, wohin ihre fussballerische Reise noch geht.



