Helden leben lang
16.04.2024 Region OberfreiamtDie «Musig» Bettwil begeisterte mit Musik und Theater – kurzum mit bester Unterhaltung
Musikalisch nahm die «Musig» das Publikum mit auf eine Reise quer durch die Schweiz. Und sie tat dies mit einigen Überraschungen – etwa der ...
Die «Musig» Bettwil begeisterte mit Musik und Theater – kurzum mit bester Unterhaltung
Musikalisch nahm die «Musig» das Publikum mit auf eine Reise quer durch die Schweiz. Und sie tat dies mit einigen Überraschungen – etwa der 16-jährigen Nora Müller am Alphorn oder zwei rappenden Musikantinnen. Beim Theater «De Chuehstall-Adonis» waren die Lachmuskeln so richtig gefragt.
Annemarie Keusch
Dieser Abend hat viele Stars, viele Heldinnen und Helden. Urs Lüscher als Bauer Franz Bürli und Herbert Fischer als Knecht Lunzi drücken dem Theater den Stempel auf. Wenn der Knecht dem Bauern den Rücken mit einer Viehschere rasiert, ihn mit Melkfett einschmiert, dann ist das Gelächter im Publikum besonders laut. Überhaupt: «De Chuehstall-Adonis» macht kaum Pause. Ein Lacher folgt dem nächsten. Dann etwa, wenn sich die Magd Vreni (Doris Hunziker) und Knecht Lunzi wieder einmal Saures geben. «Alles Giftige muss weg, für die Biozertifizierung», sagt Vreni. «Ich werde dich vermissen», antwortet Lunzi. Oder dann, wenn die aufgetakelten, dafür sprachlich wenig gewandten (Gladiatoren statt Gladiolen, definieren statt desinfizieren) Nachbarinnen Hildi (Luzia Kunz) und Emmi (Antoinette Peter) wieder zu Besuch kommen, um sich über irgendetwas zu beklagen. Und dabei natürlich ihren Korb voller Gift gegen alle möglichen Insekten auf dem Tisch stehen lassen. Just an dem Tag, als die Expertin der Fachstelle Biozertifizierung (Sarah Schönenberg) unangemeldet erscheint.
Wobei der Fokus von Bauer Bürli und seiner Frau Annemiggi (Caroline Scheidegger) anderem gilt. Der grösste Traum der Bäuerin geht in Erfüllung. Ein Fotograf (Marc Evangelista) hat sich gemeldet, um Stier Ambros für ein Fachmagazin zu fotografieren – samt Anleitung, wie Ambros auf dieses Fotoshooting vorbereitet werden muss. Dumm nur, dass Bauer Bürli nur diese Anleitung liest und meint, seine Frau wolle erotische Bilder von ihm schiessen lassen. Da kommen dann eben die Viehschere und das Melkfett zum Einsatz. Und da ist dann von Urs Lüscher durchaus auch Mut gefragt, sich vor einer vollen Turnhalle zu entblössen.
Publikum singt auch
Heldinnen sind aber auch Antoinette Peter und Luzia Kunz – sie spielen nicht nur im Theater mit, sondern spielen Cornett und Posaune in der «Musig» und sind an diesen beiden Abenden gleich doppelt gefordert. Aus jeder Ecke des Landes präsentierte die Formation ein Lied. Ob «Swiss Mountain Village», das das Leben und die Landschaften im Walliser Bergdorf Törbel beschreibt, oder der «Emmental-Tango», der dank Arrangeur Klaus Butterstein einen Hauch von Lateinamerika erhält. Natürlich gehörte auch Traditionelles zum Programm. «Dr Alpeflug» von Mani Matter etwa, «Alls was bruchsch uf dr Welt» oder als Zugaben der «Berner Marsch» und das allseits bekannte «Vogellisi» – in rassiger Variation. Unter der Leitung von Peter Widmer hatten die Musikantinnen und Musikanten ein vielfältiges Programm einstudiert. «Er bewies viel Motivation und Geduld», lobte Präsidentin Marie-Theres Bircher. Zu diesem Programm gehörte aber auch, dass das Publikum nicht nur zuhörte und applaudierte, sondern auch mitsang zu «Alls was bruchsch uf dr Welt». Schon beim Üben liess das Publikum Peter Widmer nicht im Stich und während des Liedes durfte auch das Schunkeln nicht fehlen.
Einheimische am Alphorn
Zu Heldinnen wurden während des Konzerts auch drei junge Frauen. Die 16-jährige Nora Müller aus Bettwil, die der «Alphorn Ballad» den Stempel derart aufdrückte, dass das Publikum eine Zugabe forderte. Seit sechs Jahren sei das Alphorn ihr Instrument, wusste Ansagerin Laura Schönenberg zu berichten, die nicht nur wegen ihrer Kleider ein Farbtupfer des Abends war.
Rappen wie Bligg
Und heldenhaften Mut bewiesen die beiden Töchter der Präsidentin: Nadja und Rahel Bircher. Nicht weil sie als Mitglieder der «Musig» Bünzen in Bettwil aushalfen, sondern weil sie zu «Legändä und Heldä» von Bligg ihr Instrument zur Seite legten und sich als Rapperinnen versuchten. Und wie heisst es in diesem Lied so schön: Helden leben lang, Legenden sterben nie.»