«Hey, bitte locker bleiben»
14.05.2024 Sport, SchwingenStrebel sensationell stark
Dieser Kerl ist kaum zu bremsen. Innert vier Tagen gewinnt Joel Strebel zwei Kantonelschwingfeste. Am Auffahrtsdonnerstag schafft er es gar mit einer makellosen Bilanz. Sechs Siege, sechs Mal mit der Maximalnote 10. «Es ist mir rund ...
Strebel sensationell stark
Dieser Kerl ist kaum zu bremsen. Innert vier Tagen gewinnt Joel Strebel zwei Kantonelschwingfeste. Am Auffahrtsdonnerstag schafft er es gar mit einer makellosen Bilanz. Sechs Siege, sechs Mal mit der Maximalnote 10. «Es ist mir rund gelaufen», sagt der Aristauer trocken. Nebst Strebel überzeugen auch Andreas Döbeli (Sarmenstorf) und Jonas Wüthrich (Waltenschwil), der Neukranzer wird. Die Bilanz des Schwingklub Freiamt ist also trotz einigen abwesenden und verletzten Schwinger gut. Strebel überragt mit seiner sensationell starken Leistung aber alle. Im Interview erklärt er, wieso er in Topform ist. --spr
Joel Strebel holt sich am Baselstädtischen einen aussergewöhnlichen Sieg
Innerhalb von vier Tagen verdoppelt er die Anzahl seiner Kranzfestsiege. Nach dem Solothurner gewinnt Joel Strebel auch am Baselstädtischen. Und das mit einer makellosen Bilanz. Der sanfte Riese aus Aristau ist in Topform und wird immer abgezockter. Was ist los? «Nichts», meint der 27-Jährige.
Stefan Sprenger
Die Schwingerschweiz reibt sich die Augen. Am Baselstädtischen Kantonalschwingfest fegt «Hurrikan» Joel Strebel über das Sägemehl. Sechs Siege, sechs mal die Maximalnote, 60 Punkte stehen am Ende auf seinem Notenblatt. Besser geht nicht. Sein gröbster Konkurrent Lario Kramer – genau wie Strebel doppelter Eidgenosse – wird vom Freiämter im ersten Gang bezwungen und auch im Schlussgang macht der Aristauer kurzen Prozess mit Kramer und braucht für den Sieg nicht mal eine Minute.
Am Sonntag, 5. Mai, holte sich Strebel den Sieg am Solothurner. Am Auffahrtsdonnerstag, 9. Mai, den Sieg am Baselstädtischen. Innerhalb von vier Tagen verdoppelt er also die Anzahl seiner Kranzfestsiege. Dieser Typ ist unbestritten in Topform. In dieser Saison nahm er insgesamt an fünf Schwingfesten teil und konnte vier davon gewinnen. Wo führt das noch hin? «Es passt halt gerade», meint der 1,92 m grosse Strebel. Als Nächstes ist Strebel am Brugger Schachenschwinget (Pfingstmontag). Danach folgt mit dem Aargauer Kantonalschwingfest in Zurzach am 2. Juni ein nächstes Highlight. Das Aargauer Kantonale hat Strebel noch nie gewonnen. «Es wird langsam Zeit», sagt er lachend.
Zwei Kranzfestsiege innert weniger Tage. Da werden Sie doch emotional?
Joel Strebel: (Lacht) Es geht. Es freut mich natürlich, dass ich einen Lauf habe. Aber hey, ganz locker bleiben. Ich bleibe auf dem Boden. Es ist aber schon etwas Besonderes, wenn man innert so kurzer Zeit zwei solch grössere Schwingfeste gewinnen darf. Der Sieg am Sonntag hat Auftrieb gegeben für den neuerlichen Erfolg an Auffahrt.
Und dort hat der Startsieg gegen Lario Kramer im ersten Gang irgendwie dafür gesorgt, dass ich wie in einen Rausch gekommen bin. Ich habe nicht gross nachgedacht, sondern einfach gemacht. Ich kam in einen Lauf, der nicht enden wollte. Und es lief alles für mich.
Am Baselstädtischen siegten Sie sechs Mal mit der Maximalnote 10. Eindrücklich. Trotzdem gibt es etwas zu kritisieren.
Wirklich? Was denn?
Alle sechs Siege erreichen Sie mit ihrem Lieblingsschwung, dem Kurz. Dabei sagten Sie doch vor der Saison, Sie wollten vielseitiger schwingen.
Leider ist das so und ich habe alle sechs Gänge mit Kurz gewonnen (lacht). Das mit dem vielseitigen Schwingen hat zumindest an diesem Schwingfest nicht geklappt. Ich fühlte mich mit diesem Griff gerade wohl und es hat sich bei den Duellen eben so ergeben. Und wenn ich am Ende gewinne, ist mir das egal, dass ich keinen anderen Siegesschwung gezeigt habe (lacht).
In der letzten Saison starteten Sie sackstark, holten drei Siege an den ersten vier Schwingfesten. Nun sind es vier Siege bei fünf Teilnahmen. Fühlen Sie sich 2024 noch stärker als 2023?
Ja, irgendwie schon. Ich bin noch einen Zacken besser unterwegs in dieser Saison. Ich bin gesund und gut drauf, momentan stimmt alles.
Was sind die Gründe für diesen starken Lauf?
Ich habe im Winter viel investiert und viel verzichtet, damit ich in Topform bin. Aber es sind wohl weitere viele kleine Dinge, die für den aktuellen Höhenflug verantwortlich sind.
Welche?
Montags habe ich frei, kann den Kopf etwas lüften, entspannt in die Massage oder ins Athletiktraining gehen. Am Freitag gehe ich jeweils in die Landwirtschaftsschule und habe den ganzen Tag andere Dinge als das Schwingen im Kopf. Früher ratterte es den ganzen Freitag und ich überlegte mir sehr viele Dinge für die Schwingfeste, die dann am Wochenende waren. Jetzt ist das anders. Und es ist gut so. Zudem bin ich wohl auch ein bisschen erfahrener geworden.
Und auch lockerer?
(Lacht) Ja. Am Guggibad war ich vor dem Heimfest so nervös wie schon lange nicht mehr. Die Folge war, dass ich zu Beginn ein bisschen verkrampft war. Da habe ich mir geschworen, dass ich es lockerer angehen muss. Und es hat geklappt.
Was ist Ihr Ziel in dieser noch jungen Saison?
Gesund bleiben und Spass haben. Und mit der nötigen Lockerheit rangehen. Ich hoffe natürlich, dass es sportlich so weitergeht wie bisher. Als nächstes Highlight steht das Aargauer Kantonale in Zurzach an. Dort mal zu gewinnen, ist natürlich ein Ziel. Meist ist es mir beim Aargauer Kantonalen nicht sonderlich rund gelaufen.
Danach folgen Teilverbandsfeste und die grossen Bergfeste. Stoos, Rigi, Weissenstein. Ein Sieg an solch einem Fest wäre doch eine riesige Sache, oder?
(Lacht) Ja. Schön wärs.
Glauben Sie nicht daran?
Glauben Sie daran?
Ja. Sicher. Warum nicht?
Wie gesagt, bitte locker bleiben. Aber ja, ich glaube auch daran, dass ich an solch einem grossen Fest an einem sehr guten Tag vorne dabei sein kann.
Noch ein Wort zu den anderen Freiämter am Baselstädtischen. Auch Andreas Döbeli und Jonas Wüthrich holen sich den Kranz.
Andreas Döbeli ist nach seiner Knieverletzung auf sehr gutem Weg und schwingt bereits wieder auf hohem Niveau. Der junge Jonas Wüthrich investiert viel ins Schwingen und hat sich diesen Kranz redlich verdient. Die Freiämter Bilanz ist gut, könnte jedoch besser sein.
Sie gewinnen, Döbeli auf Rang 3b und Wüthrich ist Neukranzer. Wie hätte das Baselstädtische denn noch besser laufen können für den Schwingklub Freiamt?
Lukas Döbeli fehlte verletzt. Auch die beiden Joho-Brüder waren nicht dabei. Wenn diese drei am Start sind, dann ist das Freiamt vielleicht noch besser. Die Breite im Kader freut mich jedenfalls sehr. Wie gesagt, es war nicht schlecht, aber es geht noch besser.
Am Pfingstmontag sind Sie das nächste Mal im Einsatz. Am eher kleineren Rangfest in Brugg nehmen Sie teil. Ich nehme an, alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung für Sie.
(Lacht) Jedes Schwingfest beginnt wieder bei null. Also bitte, bitte, locker bleiben.
Döbeli top, Wüthrich top
5300 Zuschauer, 115 Schwinger – und am Ende gewinnt der Freiämter Joel Strebel den Baselstädtischen Schwingertag. Doch auch zwei weitere Freiämter lassen mit ihren starken Leistungen aufhorchen.
Nach langer Verletzungspause ist der Sarmenstorfer Andreas Döbeli offensichtlich wieder fit. Nachdem Döbeli im ersten Gang gegen Michael Moser gestellt hat, gewann er vier seiner restlichen fünf Gänge. Drei davon mit der Maximalnote. Einzig Curdin Orlik fügte ihm eine Niederlage zu. «Gegen Orlik habe ich mich nicht wohlgefühlt und war blockiert. Am Ende habe ich diesen Gang blöd verloren», sagt Döbeli. Rang 3b ist trotzdem sackstark, besonders mit seiner Vorgeschichte. «Ich bin damit sehr zufrieden», sagt Döbeli, der aktuell geschäftlich viel um die Ohren hat und in diesen Tagen wieder nach Hause nach Sarmenstorf gezügelt ist. Zu seiner sportlichen Zukunft sagt er: «Ich fühle mich gut, das Vertrauen in das Knie ist da», sagt Döbeli weiter. Sein Bruder Lukas Döbeli war nicht dabei, er befindet sich nach einer Verletzung aktuell im Aufbau. Er wird voraussichtlich im Juni wieder schwingen können. Ebenfalls am Baselstädtischen fehlten die Sarmenstorfer Brüder Philip Joho (verletzt) und Pascal Joho, der zuletzt am Solothurner Kantonalen mit Rang 3b und dem Kranzgewinn eine kleine Sensation schaffte. Philip Joho befindet sich im Militär, das er in diesen Tagen beenden wird, um dann wieder vermehrt auf den Schwingsport zu setzen. In Basel gingen zehn der 19 Kränze an Schwinger aus dem Aargau. Drei davon ins Freiamt. Neben den Eidgenossen Strebel und Döbeli konnte sich auch der Waltenschwiler Jonas Wüthrich Eichenlaub sichern. Der 21-Jährige gewann vier seiner sechs Gänge und ist damit der einzige Neukranzer in Basel. Andreas Döbeli, ebenfalls technischer Leiter des Schwingklubs Freiamt, sagt: «Wüthrich hat das absolut verdient. Wir sind froh, dass der Schwingklub Freiamt wieder einmal einen Neukranzer hat. Das zeigt auch den jüngeren Schwingern, dass etwas drinliegt.» --spr