Immer schneller und schneller
17.03.2026 MuriHerr der Zauberwürfel
Junger Murianer ist erfolgreich im Speedcubing – und organisiert nun in Muri einen Event
Zauberwürfel, Speedcubes, sind Daniel Brems grosse Leidenschaft. Er feiert grosse Erfolge.
...Herr der Zauberwürfel
Junger Murianer ist erfolgreich im Speedcubing – und organisiert nun in Muri einen Event
Zauberwürfel, Speedcubes, sind Daniel Brems grosse Leidenschaft. Er feiert grosse Erfolge.
Annemarie Keusch
«Das kann doch nicht so schwer sein.» Das denken sich viele, die einen Zauberwürfel sehen. Und es erging auch Daniel Brem nicht anders. 9-jährig war er, als er zum ersten Mal damit in Kontakt kam. «In einem Einkaufszentrum», erinnert er sich. Schnell musste er feststellen, dass es doch schwieriger ist als gedacht.
Wobei, wer ihm heute beim Lösen eines Zauberwürfels zuschaut, sieht diese Schwierigkeit nicht. Weil man bei dem Tempo, in dem er die Teile bewegt, kaum etwas erkennen kann. «An guten Tagen und mit aufgewärmten Fingern sind es rund sieben Sekunden», sagt der Murianer und lacht. Sieben Sekunden, um einen Zauberwürfel mit neun Feldern pro Seite zu lösen. Sieben Sekunden für etwas, wofür andere Stunden, Tage brauchen. «Es ist eine Frage des Auswendiglernens», erklärt der Kantischüler. Über 200 Algorithmen sind in seinem Gedächtnis gespeichert. Denn es gibt weit mehr als nur den klassischen Zauberwürfel. Brem ist mehrfacher Schweizer Meister. 64 Gold-, 43 Silber- und 32 Bronzemedaillen sind in seinem Zimmer. Hinzu kommen viele Pokale. Die Ziele gehen ihm aber nicht aus.
Speedcubing ist das grosse Hobby von Daniel Brem – am 11. und 12. April organisiert er seinen Heim-Event
Möglichst schnell einen Zauberwürfel lösen. Speedcubing nennt sich das, was Daniel Brem teilweise stundenlang übt. Wobei sein Fokus nicht darauf liegt, die Farben richtig zu sortieren. Sondern, dies möglichst schnell zu tun. Der mehrfache Schweizer Meister ist Mitte April nun auch Organisator eines Speedcubing-Anlasses im Ars Anima.
Annemarie Keusch
«Nein, länger», sagt Jana Bichsel. Ihr Sohn Daniel Brem lacht. «Ja, in den Ferien können es auch mal sechs Stunden sein, die ich pro Tag mit den Würfeln verbringe.» Trainiert wird jeden Tag. «Es ist schwierig, damit aufzuhören, wenn man angefangen hat», sagt der 17-Jährige. Es ist der Drang, immer schneller und schneller zu werden. Selten zufrieden zu sein. Dann sitzt er an seinem Pult, die Hände auf der Matte. Der Countdown zählt runter. Er löst den Würfel, legt die Hände wieder auf die Matte. 7,94 Sekunden. «Nicht schlecht», meint er. Und das macht er stundenlang, trägt alle Zeiten fein säuberlich in die Statistiken ein. Geht zur nächsten Ausgangslage, die der PC generiert, stellt den Würfel entsprechend ein. Einprägen, anschauen, Lösungsabläufe visualisieren – dann geht es wieder los. 8,83 Sekunden. «Das war weniger gut.» Es sei ihm ein Fehler unterlaufen. «Dann muss man improvisieren.»
Heisst, dass sonst eigentlich alles einstudiert ist. Wenn es nach Plan läuft. Wenn die Algorithmen greifen, die Daniel Brem auswendig gelernt hat. Gegen 200 sind es, die er mittlerweile im Gedächtnis gespeichert hat. «Es gäbe noch viele mehr», meint er und lacht. Überhaupt, auch wenn er täglich Zauberwürfel löst, und das seit Jahren – die gleiche Ausgangslage vorzufinden, wäre reiner Zufall. «Es gibt 44 Quadrillionen Varianten.» Beim Würfel, der pro Seite neun Felder zählt.
Kennt keine Langeweile mehr
Zauberwürfel faszinieren. Sofort in den Bann gezogen war auch Daniel Brem, als er neunjährig erstmals damit in Berührung kam. Ohne Anleitung drehte er an diesem herum. «Geduldsspiele und Logik fand ich schon immer interessant.» Was ihn am Zauberwürfel zudem überzeugt: Er lässt sich überallhin mitnehmen. Und mit ihm kann man die Langeweile immer überbrücken, ob am Flughafen, im Auto oder beim Warten auf den Zug. «Mit dem Würfel ist es mir nie mehr langweilig.» Wobei die Einzahl schon lange falsch ist. Überall in seinem Zimmer hat es mittlerweile Würfel. Klassische quadratische, mit 4 bis 144 Feldern pro Seite. Pyramiden gibt es ebenfalls, und Skewb oder Megaminx. Entsprechend gross ist die Zahl der Kategorien. Bei einigen Würfeln kommt eine zweite Kategorie hinzu – diesen blind zu lösen.
Das Speedcubing fesselte Daniel Brem von Anfang an und es liess ihn bisher nicht mehr los. Weil der Fortschritt stets möglich ist und mit viel Fleiss auch erreicht wird. Die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, Pokale und Diplome kann er längst nicht mehr alle in seinem Zimmer aufhängen. Dafür reicht der Platz nicht. «Die Schweizer Rekorde bedeuten mir am meisten», sagt er. Die Mehrzahl verräts – es sind mehrere. Elf warens bisher, einige sind mittlerweile von anderen unterboten worden. «Die würde ich mir schon gerne zurückholen», meint der 17-Jährige lachend.
Tritt in vielen Kategorien an
Daniel Brem besucht die Kanti in Wohlen, zweite Klasse, Akzentfach Latein. Mathematik oder Physik sind die Themengebiete, die er sich aktuell auch für seine berufliche Zukunft vorstellen kann. «Vom Speedcubing dereinst leben zu können, ist kein Thema», sagt er. Weil das nur die weltweit Besten dank Sponsoren überhaupt können.
Und weil er sein Hobby weiterhin aus Spass ausüben will. Heisst aber nicht, dass seine Ambitionen tief sind. Ganze Wochenenden verbringt er jeweils an Wettkämpfen. In der ganzen Schweiz, auch schon in der Slowakei oder in Tschechien. Und dabei tritt Daniel Brem jeweils in ganz vielen Kategorien an. «Es ist die Abwechslung, die mir gefällt», sagt er dementsprechend.
Das wird am 11. und 12. April nicht anders sein, wenn ein Speedcubing-Anlass im Ars Anima in Muri stattfindet. Dabei ist Brem dann nicht nur Teilnehmer, sondern auch Organisator. «Zum ersten Mal», gesteht er. «Mit dem grossen Vorteil, dass die Anreise dann sehr kurz und zu Fuss möglich ist.» Mit dem Nachteil aber der Doppelbelastung. «Wobei, viel braucht es nicht. Eine Halle, Tische, Stühle, Matten und Displays.» Auch hier untertreibt Daniel Brem, wie er es im Gespräch mehrmals tut. Seine Mutter helfe ihm, sagt er. Über 50 Teilnehmer sind bereits angemeldet. «Da sind auch Anfänger dabei. Das ist genau das Ziel – unser Hobby in den verschiedensten Regionen bekannter zu machen. Nun will ich das auch in Muri tun.»
Durch Würfel selbstsicherer geworden
Daniel Brem spricht von einer Speedcubing-Familie. Von Freundschaften, die untereinander entstanden ist, obwohl jeder immer schneller sein will als der andere. Zu den Besten im Land zu gehören, das sei eine Genugtuung. Und das nicht in der Junioren-Kategorie. Im Speedcubing wird nicht nach Alter unterschieden und auch nicht nach Geschlecht. «Er hat sich stark entwickelt dank dem Zauberwürfel», sagt Jana Bichsel. Selbstsicherer sei er geworden, habe Anschluss gefunden.
Was es braucht, um gut im Speedcubing zu werden? Daniel Brem lacht. «Durchhaltewillen. Und flinke Finger.» Zudem müsse man gerne auswendig lernen. «Geduld ist ebenfalls von Vorteil, denn beim ersten Anlauf klappt es selten.» Schnell aufgeben, das führt auch hier nicht zum Erfolg. Und am Ziel ist man nie. «Schneller geht immer, Perfektion geht nie.» Genau das gefalle ihm.
Weitere Infos, auch zum Anlass in Muri und zu Anmeldemöglichkeiten: www.speedcubing.ch.


