In die Jugend investieren
01.05.2026 Jugend, Region Unterfreiamt, Sarmenstorf, Fussball, SportGemeinderat und Fussballclub machen sich für Kunstrasen stark
Der FC Sarmenstorf soll einen Kunstrasenplatz erhalten. Es geht um viel Geld. «Aber es ist eine Investition, von der die Bevölkerung profitiert. Und vor allem die Jungen», sagt Vizeammann ...
Gemeinderat und Fussballclub machen sich für Kunstrasen stark
Der FC Sarmenstorf soll einen Kunstrasenplatz erhalten. Es geht um viel Geld. «Aber es ist eine Investition, von der die Bevölkerung profitiert. Und vor allem die Jungen», sagt Vizeammann Magnus Döbeli.
Chregi Hansen
«Wir tun alles, was wir können, damit die Bevölkerung am 11. Juni Ja sagt zu diesem Projekt», erklärt Tobias Furrer, der Präsident des FC Sarmenstorf. An diesem Tag entscheiden die Stimmbürger an der «Gmeind» über einen Kredit in der Höhe von 2,9 Millionen Franken für den Bau eines Kunstrasenplatzes und die Sanierung der Beleuchtung plus weitere Arbeiten auf dem Bühlmoos, der Heimat des FC.
Mit Flyern, vielen Fakten auf einer Homepage und an Infoanlässen machen die Fussballer Werbung für das Projekt. Dass der offizielle Infoabend der Gemeinde nur wenig Interessierte anzieht, sei schon etwas enttäuschend. «Aber wir hatten vorher schon den Austausch mit den Anwohnern und den anderen Vereinen. Viele kennen das Projekt schon», relativiert Furrer. Auch wenn der Aufmarsch bescheiden ist, nehmen sich die Verantwortlichen viel Zeit, die Pläne vorzustellen. Und deutlich zu machen, warum ein Kunstrasenplatz für den FCS so wichtig ist.
Unterstützung erhält der Verein durch den Gemeinderat. «Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Projekt», macht Vizeammann Magnus Döbeli gleich zu Beginn klar. Die Gemeinde gebe viel Geld aus für Sachen, die man gar nicht sehe. «Hier erhalten wir einen tollen Gegenwert. Hier machen wir etwas Tolles für unser Dorf», so Döbeli weiter. Es sei eine Investition für den Sport und für die Jugend – beides Bereiche, die dem Vizeammann am Herzen liegen. Und für die er sich weiterhin einsetzen will. Auch wenn die Gemeinde aktuell viel Geld investiert, insbesondere in die Schulanlage, wird der Wunsch nach einer weiteren Turnhalle geprüft. «Es ist unser Ziel, dass wir dafür Platz finden im Finanzplan.»
Platz zu oft nicht nutzbar
Vorerst geht es um die Fussballer. Und die haben mit grossen Problemen zu kämpfen. Heute heisst es oft Matsch statt Match. «Während rund einem Viertel der Trainingszeiten und Spieltage sind unsere Plätze nur eingeschränkt nutzbar», macht Marco Meili deutlich. Dabei boomt Fussball in der Gemeinde. Aktuell zählt der FCS rund 350 Mitglieder, Tendenz steigend. «Gerade bei den Mädchen erwarten wir nach der Fussball-EM in der Schweiz einen Zuwachs», so der FC-Vertreter. Die Sarmenstorfer Fussballer verfügen über einen sehr guten Ruf, wurden 2021 zum vorbildlichsten Verein im Kanton gewählt. Der Einsatz des Vereins geht weit über den Fussball hinaus. «Wir organisieren viele Events und leisten einen Beitrag für den Zusammenhalt in der Gemeinde», ist Meili überzeugt.
Steigende Unterhaltskosten
Der schlechte Zustand der beiden Rasenplätze macht sich für den Club auch finanziell bemerkbar. Die Plätze werden jährlich rund 1250 Stunden genutzt. Gemäss den Richtwerten des Bundesamtes für Sport wären dafür drei Naturrasenfelder nötig – vorhanden sind jedoch nur zwei. Die Folge sind Abnützung, schlechte Platzqualität und Ausfälle. Die Unterhaltskosten steigen Jahr für Jahr an. Und diese zahlt der Verein aus dem eigenen Sack – eine Besonderheit im Kanton. Die Gemeinde übernimmt lediglich die Kosten für Strom und Wasser. Der Verein hat jährliche Auslagen von 400 000 Franken, davon entfallen zirka 99 000 Franken auf die Infrastruktur. «Das können wir mit Mitgliederbeiträgen nicht decken.
Auch darum müssen wir kreativ sein und immer wieder Events organisieren», erklärt Vizepräsidentin Madlen Fischer. Dazu kommen Investitionen in den Ausbau der Anlage in der Höhe von 850 000 Franken in den vergangenen 45 Jahren. Vom Clubhaus über neue Plätze bis zum Umbau des FC-Beizli.
Viel mehr als nur ein neuer Platz
Mit dem Bau eines Kunstrasenplatzes kann nicht nur der Spielbetrieb gesichert werden, sondern sinken auch die Unterhaltskosten. Zudem muss der Verein durch den Winter weniger auf Hallenplätze ausweichen, was für andere Vereine einen Vorteil bringt. Doch das Projekt umfasst viel mehr als nur einen neuen Platz. Ebenso wichtig ist der Ersatz der Flutlichtanlage auf der ganzen Sportanlage. Die jetzige ist veraltet, «bald gibt es dafür keine Leuchtmittel mehr», so Planer Volker Allemann. Darum sollen neu LED-Scheinwerfer zum Einsatz kommen. Zur Optimierung der sportlichen Eigenschaften und zur Kühlung wird eine automatische Bewässerungsanlage eingebaut. Der Hauptplatz soll leicht verschoben werden zur jetzigen Lage, das gibt mehr Platz zwischen dem Clubhaus und dem Spielfeld, was sich bei Anlässen positiv bemerkbar macht. «Zudem wäre es so möglich, später auch den Nebenplatz auf Normgrösse auszubauen», erklärt Allemann.
Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 2,9 Millionen Franken, wobei der Kunstrasen selber auf etwa 1,5 Millionen kommt. Der Zeitpunkt ist gut – der Kanton würde den doppelten Subventionsbeitrag zahlen, statt 200000 gebe es 400000 Franken aus dem Swisslos-Sportfonds. Der FC selber ist bereit, 300000 Franken zu übernehmen. «Hut ab, das ist eher aussergewöhnlich», betont Sportplatzplaner Allemann. «Bei den meisten Projekten, bei denen ich involviert bin, übernehmen die Clubs nur einen minimalen Anteil oder leisten im Gegenzug Fronarbeit.» Für die Gemeinde bleiben am Schluss also 2,2 Millionen Franken. Allerdings muss an der «Gmeind» die gesamte Summe von 2,9 Millionen bewilligt werden.
Investition für viele Jahre
«Sarmenstorf hat ein aktives und vielfältiges Vereinsleben, dem sollten wir Sorge tragen», sagt Fabian Baumli, Mitglied der Baukommission. Mit diesem Projekt erhalte der FCS eine zeitgemässe Infrastruktur für die kommenden Jahrzehnte. Zwar hält der Kunstrasenteppich selber nur etwa 15 Jahre, aber der Untergrund ist weiter nutzbar, sodass der Teppich einfach ersetzt werden kann. Und auch wenn der Kunstrasen dem Verein mehr Möglichkeiten bietet, sollen die derzeit geltenden Nutzungszeiten nicht ausgeweitet werden, beruhigt Baumli die Anwohner. «Uns ist ein gutes Verhältnis zu euch wichtig», betont er.
In Zukunft soll es auf dem Bühlmoos weniger Absagen geben. «Match statt Matsch» heisst für den FC und den Gemeinderat die Devise. Noch steht für sie das entscheidende «Spiel», die Gemeindeversammlung, bevor. Doch man ist überzeugt, dass der Sieg gelingen wird. «Wir tun, was wir können. Mehr geht nicht», so Präsident Tobias Furrer zum Schluss.


