Je 36 Jahre mit Herzblut im Wald
08.04.2026 Region OberfreiamtZwei Koryphäen des Waldes
Verabschiedung von Staubli und Meyer
Das Kreisforstamt Lenzburg-Freiamt verliert gleich zwei langjährige Stützen. Je 36 Jahre lang engagierten sich Urs Meyer und Stefan Staubli in ihren Wäldern. Meyer im ...
Zwei Koryphäen des Waldes
Verabschiedung von Staubli und Meyer
Das Kreisforstamt Lenzburg-Freiamt verliert gleich zwei langjährige Stützen. Je 36 Jahre lang engagierten sich Urs Meyer und Stefan Staubli in ihren Wäldern. Meyer im Forstbetrieb Lindenberg, zu dem die Gemeinden Bettwil, Büttikon, Fahrwangen, Meisterschwanden, Sarmenstorf und Uezwil gehören, und Staubli bei Wald kommunal+ mit den Wäldern der Gemeinden Auw, Sins, Abtwil und Oberrüti. «Eine riesige Leistung», fasst es Kreisförster Rolf Fankhauser zusammen. Im Kreise ihrer Berufskollegen wurden die beiden Freiämter nun verabschiedet. --ake
Am Försterrapport des Kreisforstamtes Lenzburg-Freiamt gab es zwei gewichtige Verabschiedungen
Urs Meyer in Bettwil, im Forstbetrieb Lindenberg. Stefan Staubli in Auw, bei Wald kommunal+. Nach 36 Jahren verlassen beide ihre Wälder. Als Revierförster und Betriebsleiter haben sie in dieser Zeit so einiges erlebt. Um zurückzublicken, nahm sich Kreisförster Rolf Fankhauser auch KI zu Hilfe.
Annemarie Keusch
Ein «bekannter Schweizer Förster» sei er. Und 2023 in den Ruhestand gegangen. Das ist es, was die künstliche Intelligenz über Urs Meyer weiss. «Verlassen kann man sich darauf eben nicht», ist Rolf Fankhausers Kommentar dazu. Der Kreisförster weiss, dass Meyer noch nicht im Ruhestand ist, auch wenn er sich schon vor zwei Jahren darüber freute, dass Sohn Silvan in seine Fussstapfen tritt. Und am Schluss seiner Ansprache, sagt Urs Meyer: «Ich gehe nicht ganz in den Ruhestand und bleibe noch dabei.» Trotzdem, die Pensionierung steht an. Nach 36 Jahren als Revierförster und Betriebsleiter. Dass diese geehrt werden soll, ist Kreisförster Rolf Fankhauser wichtig. «Weil 36 Jahre eine enorme Zeit sind.» Es gab 1990 noch keine I-Phones. Das Telefon im Büro hatte noch eine Wahlscheibe. Die Bundesräte hiessen Corti, Koller oder Ogi, die EWR-Debatte beschäftigte im Land. Und im Februar trieb Sturm Vivian sein Unwesen. Zwei Monate nachdem Urs Meyer in den Wäldern Fahrwangens und Bettwils seine Arbeit aufnahm. Längst ist daraus der Forstbetrieb Lindenberg geworden – mitunter auch Meyers Verdienst. Stürme hat er viele erlebt, nach Vivian folgten 1999 Lothar und 2018 Burglind. Noch heute sagt Meyer: «Es sind Katastrophen, aber auch Chancen. Die Natur fängt sich, immer.» Herausforderungen waren zudem der Buchdrucker oder die Eschenwelke. «Und die zunehmenden Anforderungen an den Wald», weiss Fankhauser.
Meistens mit einem Lachen
Meyer ist und war Revierförster, Betriebsleiter, Jäger, Jagdaufseher, Betriebsplaner, Gemeinderat. Während seiner Zeit ist aus dem Forstbetrieb eine öffentlich-rechtliche Anstalt entstanden. Dauerwald und Waldrandaufwertungen waren Themen, die ihm stets am Herz lagen. Und Meyer war innovativ, für sein Lotharlabyrinth gewann er 2006 den Waldpreis. «Typisch für ihn. Aus dem Sturm etwas kreiert», sagt Rolf Fankhauser. Positiv, das sei Meyer immer gewesen. «Meistens hat man ihn lachend gesehen, auch wenn die Situationen nicht immer einfach waren.» Exakt, korrekt, hartnäckig – so beschreibt ihn Fankhauser weiter. «Er war und ist Förster durch und durch.» Dass er privat in einem Blockhaus wohnt, ist ein weiteres Indiz dafür.
«Ich wüsste nicht, was ich geworden wäre, wenn nicht Förster.» Urs Meyer sagt diesen Satz auch heute noch mit Überzeugung. In seinem Beruf hat er seine Berufung gefunden, auch wenn der zunehmende administrative Aufwand nicht seine Lieblingsdisziplin war. Vor Entwicklungen hat er sich dabei aber nie gescheut, die Forstmanagement-Ausbildung absolviert. «Ich war der Grossvater im Schulzimmer», sagt er und lacht. Er wollte auf dem Laufenden bleiben – sich und dem Wald zuliebe.
19 Lernende ausgebildet
Stürme, Krankheiten, Schädlinge – all das hat auch Stefan Staubli miterlebt. Einen Monat nach Meyer startete er die als Revierförster in Auw. Zwölf Jahre später kamen die Waldgebiete von Oberrüti, Abtwil und Sins hinzu. Längst heisst der Forstbetrieb Wald kommunal+. Auch Staublis Blick ging dabei stets über den Wald hinaus. Holzenergie Freiamt, Muri Energie Forum, Pro Holz Aargau, TV Muri Handball – er engagierte und engagiert sich breit. Auch wenn es darum geht, Festivitäten auf die Beine zu stellen. Das Sommerfest 1000 Jahre Kloster Muri und der Holzerwettkampf in Merenschwand sind zwei aktuelle Beispiele, das Jubiläum des Freiämter Forstvereins eines aus der Vergangenheit.
Dass die künstliche Intelligenz dabei eher Staublis Abgang ins Visier nimmt, erstaunt nicht. Schliesslich war dieser im November unschön, samt sofortiger Freistellung. Rolf Fankhauser indes fokussierte sich auf Staublis Verdienste. Auf den Dauerwald, «sein Steckenpferd», auf die Baumpatenschaften, die er entwickelte und auf das Bikeprojekt am Lindenberg, um die Biker im Wald zu lenken. «Innovativ, engagiert, ruhig, überlegt und strukturiert», so habe er Stefan Staubli erlebt. Und als jemanden, der die Öffentlichkeit nicht scheut. «Multiplikationsfaktoren nutzen», sagt Stefan Staubli dazu. Ob «Holz vom Förster» oder Holzenergie-Projekte – Staubli nutzt diese Aufmerksamkeit, um Projekte vorwärtszubringen.
19 Lernende hat er ausgebildet, nicht wenige sind noch im Beruf tätig. Rund 180 000 Kubikmeter Holz genutzt während der 36 Jahre. Dabei sei die Kommunikation sehr wichtig gewesen, hat das Gebiet von Wald kommunal+ doch einen besonders hohen Privatwaldanteil. Über 200 verschiedene Besitzerinnen und Besitzer. Dem Wald, dem Holz kehrt auch Staubli noch nicht den Rücken zu. Aktuell ist er als Dienstleister unterwegs, auch für die Forstbetriebe. Ab Mai ist er Teilzeit im Holzenergiebereich fest angestellt. Auch nach 36 Jahren lässt der Wald sie also nicht los – weder Urs Meyer noch Stefan Staubli. Rückblickend fasst es Rolf Fankhauser ganz einfach zusammen: «Ihr habt unglaubliche, riesige Leistungen im Wald vollbracht.»



