Kein Schwingfest in Dubai
05.08.2025 Kelleramt, OberlunkhofenSchwingerboss Stefan Strebel hielt die Rede an der 1.-August-Feier in Oberlunkhofen
Der Schwingsport ist Schweizer Tradition. Darum war Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes, eine sehr passende Wahl als Redner für die ...
Schwingerboss Stefan Strebel hielt die Rede an der 1.-August-Feier in Oberlunkhofen
Der Schwingsport ist Schweizer Tradition. Darum war Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes, eine sehr passende Wahl als Redner für die gemeinsame Bundesfeier von Ober- und Unterlunkhofen. Er erzählte Anekdoten aus seiner Karriere und betonte die Wichtigkeit ehrenamtlicher Arbeit.
Josip Lasic
Es sind Begegnungen, wie sie nur Leute in so hohen Positionen erleben wie in der von Stefan Strebel. Der Villmerger, der mittlerweile in Hendschiken wohnt, ist Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbandes. An der Bundesfeier in Oberlunkhofen erzählte er davon, wie er während des Unspunnenschwingets in einem Hotel in Interlaken einquartiert war. Als seine Frau und er am Montag das Hotel verliessen, hielt ein Ferrari vor ihnen. Ein Mann stieg aus, erkannte Strebel und machte ihm ein Angebot: Er wollte ein Schwingfest in Dubai veranstalten und bot dafür zwei Millionen Franken. Strebel fragte scherzhaft, ob es in Dubai überhaupt Sägemehl gebe, da man auf Sand nicht schwingen könne. Der Mann blieb hartnäckig und sagte, er würde alles importieren. Strebel lehnte das Angebot jedoch ab. Auch als später per E-Mail erneut angefragt wurde, blieb er bei seiner Entscheidung. «Schwingen ist Tradition und an Traditionen soll man festhalten.» Dabei verwies der höchste Schwinger des Landes auf die musikalische Untermalung des Abends, die für ihn solche Traditionen widerspiegelt. Das Ländlerquartett Schuler ist aufgetreten sowie das Alphorntrio Ländlerfrönde Freiamt. «Wenn ich die Alphornklänge höre, fühle ich mich gleich wie an einem Bergfest.»
Über 200 Besucher wohnten der gemeinsamen Bundesfeier der Gemeinden Oberlunkhofen und Unterlunkhofen bei. Sie genossen in der Turnhalle in Oberlunkhofen neben der Musik auch ein Abendessen. Die Rede von Strebel, der von Gemeinderätin Vivienne Graw als Aargauer Schwingerlegende angekündigt wurde, war aber der Höhepunkt des Abends.
Wachstum ist auch ein Risiko
Der Freiämter musste zugeben, dass eine Haltung wie im Fall des Schwingfests in Dubai nicht ausnahmslos möglich war. Der Schwingsport musste sich in den letzten Jahren öffnen – gegenüber Sponsoren, Medien und anderen Neuerungen. «Durch die mediale Präsenz ist der Druck auf die Kampfrichter gestiegen. Deshalb wollte ich, dass sie besser ausgebildet werden. Ich habe Topschiedsrichter aus anderen Sportarten wie Fussball und Eishockey hinzugezogen, die uns Tipps gegeben haben. Solche Massnahmen kamen nicht immer gut an.»
Die grösste Herausforderung war dabei immer die Balance. So wollte Strebel beispielsweise nie, dass Schwingen im Pay-TV landet, wo die Zuschauer bezahlen müssen, um ein Fest zu sehen. «Wir sind näher an der Basis, wenn die Leute am Sonntag den Fernseher einfach einschalten können und dann im Haushalt Schwingen läuft.»
Trotzdem ist der Sport gewachsen, auch bei den Kosten. Hatte das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2007 in Aarau noch ein Budget von 7 Millionen, sind es dieses Jahr im Glarnerland bereits 42 Millionen. «Wenn alles immer grösser wird, sind nicht die Zuschauer das Problem. Die Arenen werden gefüllt. Aber alles drum herum will auch finanziert und die Arbeit erledigt werden. Der Schwingsport wird nicht stehen bleiben, aber an gewissen Traditionen darf nicht gerüttelt werden. Es soll nicht so weit kommen, dass Schwinger plötzlich von Kopf bis Fuss mit Sponsorenlogos bedeckt sind.»
Etwas, was zur Tradition und zu den Grundwerten des Schwingsports gehört, war aus Strebels Sicht immer die Ehrenamtlichkeit. «Es ist wie überall im Leben. Auch so eine 1.-August-Feier lässt sich nicht organisieren, ohne dass es Leute gibt, die Aufgaben übernehmen, ohne dass sie gleich dafür Bezahlung wollen.» Strebel geht mit gutem Beispiel voran: Seine Aufgabe als Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands ist ein Ehrenamt, das er neben seiner Arbeit als CEO der Traitafina AG ausübt. «Für die Arbeit bei der Traitafina erhalte ich meinen Lohn. Die Tätigkeit im Verband ist hingegen etwas anderes. Oft werde ich gefragt, wie viele Stundenprozente ich darin investiere. Aber Freizeit lässt sich für mich nicht so messen. Es benötigt neben der Arbeit einen Ausgleich. Als ich Aktivschwinger war, war es der Sport. Jetzt ist es dieses Ehrenamt.»
Nach Ende seiner Tätigkeit beim Verband will er zur Basis des Sports zurückkehren. «Dann sehe ich mir in aller Ruhe einen Guggibadschwinget an. Vielleicht bittet mich der Schwingklub Freiamt, ob ich irgendwie mithelfen kann. Dann mache ich das sehr gerne.» Ehrenamtlich selbstverständlich.