Laufkundschaft wird umgeleitet
02.04.2026 MuriBaustelle der SBB-Unterführung führt erneut zu grossen Einbussen bei den Geschäften
Seit Dezember baut die SBB die Unterführung an der Zürcherstrasse um. Daher wird der Verkehr lokal durch die Klosterfeldmatt oder das Hasli umgeleitet. Die ...
Baustelle der SBB-Unterführung führt erneut zu grossen Einbussen bei den Geschäften
Seit Dezember baut die SBB die Unterführung an der Zürcherstrasse um. Daher wird der Verkehr lokal durch die Klosterfeldmatt oder das Hasli umgeleitet. Die Gewerbetreibenden zwischen dem Kreisel Kirchenfeldmatt/Talstrasse bis zum Kreisel Luzernerstrasse/ Aarauerstrasse beklagen die fehlende Laufkundschaft.
Verena Anna Wigger
Alle Betriebe an der Zürcherstrasse sind weiterhin mit dem Auto oder zu Fuss erreichbar. Das würden einige der Betreiber gerne auch auf einen Wegweiser schreiben. Denn sie spüren, dass Zeit und Weg oft ins Gewicht fallen, wenn Kunden fernbleiben. Die erneute Baustelle bei der SBB-Unterführung und die Tieferlegung der Strasse führen zu veränderten Bewegungsmustern im Dorf und beim Pendlerverkehr. Das erleben vor allem die Betriebe zwischen den beiden Kreiseln an der Luzernerstrasse/Aarauerstrasse und demjenigen bei der Talstrasse/Kirchenfeld.
Betriebe mit grossen Einbussen
Drei Betriebe, die Laufkundschaft benötigen, spüren die Einbussen am stärksten. In der Bäckerei von Burkard Kreyenbühl fehlen die Kunden, die am Morgen auf dem Weg zur Arbeit kurz haltmachen. Genauso wie am Abend, wenn sie auf dem Heimweg nicht vorbeikommen. Wegen der Umsatzeinbusse von über 30 Prozent musste der Bäckermeister drei Mitarbeitenden kündigen. Wobei diese eine Anschlusslösungen gefunden haben. «Wir hatten ein super Team zusammen», sagt er mit Bedauern. Weiter weist er darauf hin, dass auch seine Mitarbeitenden ihres dazugeben, dass der Betrieb weitergehe. «Zum Teil nehmen diese Kürzungen in Kauf, weil die Kundschaft fehlt», sagt der Chef.
Mit dem Blick in die Zukunft freuen
Zum Betriebsmodell «Laufkundschaft» gehört auch die Landi-Agrola-Tankstelle direkt beim Kreisel an der Aarauerstrasse. Hier wurde bei der ehemaligen Papeterie Huber die neue Einfahrt eingerichtet. Diese Zufahrt verunsichere die Kundschaft, sagt die stellvertretende Shopleiterin Jana Brotkorb. Auch sie spüre die fehlende Laufkundschaft im Shop. Und Landi-Geschäftsführer Daniel Strebel sagt: «Wir leben von der guten Erreichbarkeit. Schnell rein und wieder weg.» Die ständig ändernden Bedingungen würden den Betrieb belasten. Dies sei ihnen bewusst und er freue sich, dass die Stammkundschaft dies in Kauf nehme. «Es wird ein schwieriges Jahr werden», sagt Strebel. Doch er sieht die schwierige Situation einigermassen sportlich. Zudem freut er sich, dass es in einem Jahr wieder anders aussehen wird.
Von der Baustelle überrascht worden
Im Restaurant Peperoncino bei Giuseppe Bilello fällt es beim Mittagsservice auf. Bilello, der seit 14 Jahren sein Restaurant betreibt, wurde von der Baustelle überrascht. Erst die Schulweginformation seiner Kinder machte ihn darauf aufmerksam. Nun ist die Baustelle da und die Gäste bleiben weg. «Die Gäste nehmen den Weg rund ums Dorf nicht auf sich», ihnen fehle schlicht die Zeit, weiss der Patron.
Denn die Umleitung führe oft zu Stau im Quartier und sei wenig berechenbar. «Die Kunden weichen auf andere Restaurants aus», sagt Bilello. Die Einbusse liege auch in seinem Betrieb bei über 30 Prozent. Er musste bereits eine Person im Service entlassen. Dafür arbeite seine Frau jetzt im Betrieb mit. Zurzeit überlegt er sich, ob er eine weitere Stelle einsparen müsse. Dann würde er wieder selbst in der Küche stehen und für die Gäste kochen. «Unsere Gäste fehlen, das schlägt extrem zu Buche», sagt der begeisterte Gastgeber.
Er wünscht sich Unterstützung von der Gemeinde. «Ich will kein Geld, das verdiene ich mir selbst», sagt er. Doch Kommunikation oder eine Ausschilderung, dass die Geschäfte offen haben und erreichbar sind, das wünscht er sich.
Gesehen werden dank Stau
Kurz vor der Unterführung hat die Gesundheitspraxis «Puntino Verde» von Patrizia Bütler ihr Domizil. Für sie sind der Rückstau und der Langsamverkehr seit Baubeginn kein Problem. Denn der Rückstau bestehe seit Jahren, erklärt sie. So werde ihr Geschäft entdeckt und der eine oder andere Kunde habe so den Weg zu ihr gefunden. Sie traut es sich fast nicht zu sagen: «Für mich ist es gut.» Da ihre Kunden auf Anmeldung kommen, erlebt sie keine Schwankungen.
Was sie daraus machen
Die Pro Senectute ist seit Ende November mit ihrer Beratungsstelle an der Zürcherstrasse domiziliert. Leiterin Sandra Menzi erlebt, «dass wir weniger spontane Besucher haben, seit die Baustelle in Betrieb ist». Das Restaurant Eggträf von Ueli Aeberhard spürt die Einbusse vor allem am Vormittag beim Znüni. Auch sie erleben, dass der Weg mit der Umfahrung einfach zu viel Zeit in Anspruch nimmt und so die Gäste wegbleiben. Lukas Wild von der Apotheke am Kreisel spürt die Baustelle, doch bei ihnen sei dies weniger gravierend. Denn seine Kunden kommen vorbei, weil sie ein Rezept haben. Wenn dies nicht so wäre, würde auch bei ihnen die Laufkundschaft fehlen.
Wir bauen für die Bevölkerung
Es fällt dagegen auf, dass alle Betroffenen positiv über die Mitarbeiter der SBB-Baustelle reden. Sie sprechen davon, wie ruhig sie ihre Arbeit machen und wie offen sie für ein informatives Gespräch sind. Projektleiter Matthias Käser weist darauf hin, dass die Unterführung jetzt realisiert werde, weil die Gemeinde auf eine raschere Umsetzung hingewirkt habe. Die Strasse gehört in die Zuständigkeit des Kantons. Und Käser betont, für die SBB würde das Bauwerk immer noch genügen.
Bei der Baustelle sind es eigentlich drei Partner: SBB, Kanton und Gemeinde. Die Arbeiten bei der aktuellen Baustelle haben im Dezember termingerecht gestartet. Laut Aussage des Projektleiters ist man auf Kurs. Es beginnt nun der Baugrubenaushub und ab dann wird die Strasse inklusive Werkleitung und Brücke neu aufgebaut. «Das alles während der Strassenund Zugsverkehr läuft», das mache das Unterfangen anspruchsvoll, so Käser. Die Arbeiten dauern bis Frühling 2027. Noch etwas ist dem Projektleiter wichtig: «Letztlich machen wir dies für die Bevölkerung inklusive des Gewerbes vor Ort.»
Gemeinde ist lokaler Vertreter
Gemeinderat Jörg Weiss bestätigt auf Anfrage, dass die SBB der Hauptakteur der Baustelle sind. Die Gemeinde sei ein kleiner Akteur, so Weiss. Doch liegt ihm viel daran, dass genug und gut informiert wird. «Die Leute schätzen es, wenn sie informiert sind», sagt Weiss. Hier möchte er weiter ansetzen.
Durchfahrt möglich
Er verweist darauf, dass die komplette Sperrung der Strasse auf die Nacht und Wochenenden gelegt wird. Er weiss, dass die Baustelle bei laufendem Betrieb mit Bahn oben und Verkehr unten viele Sicherheitsrisiken und Kosten mit sich bringt. Zurzeit werden alle Fahrzeughöhen gemessen und es sind rund um die Uhr Sicherheitsleute auf beiden Seiten der Baustelle im Einsatz. Sie halten allfällige Lastwagen an. «Denn es haben schon ausländische Chauffeure versucht, die Baustelle zu passieren.» Bei diesem Punkt wolle man jedoch kein Risiko eingehen.
Der Ressortvorsteher Tiefbau nimmt die Rückmeldungen aus den Quartieren und von der Bevölkerung ernst. Verkehrsführungen werden wenn möglich laufend überprüft. Wie in der Mitteilung vom 27. März bekannt gegeben, wurde die Grindelstrasse für den Durchgangsverkehr wieder geöffnet. Jörg Weiss ist bewusst, «dass die Baustelle eine Belastung für die ganze Gemeinde ist. Die dafür nötige Zeit ist absehbar. Und wir meistern das gemeinsam.» – «Muri für alle und alle für Muri», dafür plädiert Jörg Weiss. Mit etwas Rücksichtnahme und Toleranz gehe es doch leichter.

