«Libelle» erleidet Schiffbruch
30.12.2025 Kelleramt, OberlunkhofenJahresrückblick: Zuerst kein Budget, dann das Nein zur neuen Mehrzweckhalle – ein turbulentes Jahr in Oberlunkhofen
Zurück auf Feld 1. Diesen Auftrag gaben die Oberlunkhofer Stimmberechtigten dem Gemeinderat an der November- «Gmeind» mit. Der ...
Jahresrückblick: Zuerst kein Budget, dann das Nein zur neuen Mehrzweckhalle – ein turbulentes Jahr in Oberlunkhofen
Zurück auf Feld 1. Diesen Auftrag gaben die Oberlunkhofer Stimmberechtigten dem Gemeinderat an der November- «Gmeind» mit. Der Baukredit für die neue Mehrzweckhalle «Libelle» wurde abgelehnt. Dem voraus ging eine Diskussion, die das ganze Jahr über beschäftigte – auch via Steuerfuss.
Annemarie Keusch
«Tragisch wäre, wenn das ganze Projekt abgeschmettert würde.» Was die damalige Gemeinderätin Barbara Weber im Februar sagte, traf dann im November tatsächlich auch ein. «Dann müssten wir von vorne anfangen», sagte Weber, als klar war, dass das Budget für das laufende Jahr und die damit verbundene Steuerfusserhöhung von 74 auf 82 Prozent an der Urne abgelehnt wurde. Das Budget und das Hallenprojekt – in den Köpfen der Oberlunkhofer Bevölkerung ist das eng miteinander verbunden. Tatsächlich, die geplante neue Mehrzweckhalle ist einer der Hauptgründe, weshalb der Steuerfuss hätte steigen können. Und es ist der einzige Grund, weshalb sich nach dem deutlichen Ja zum Budget im Herbst 2024 Widerstand regte. «Wir haben ein deutliches Zeichen gegen die geplante Steuererhöhung und die überdimensionierte Mehrzweckhalle gesetzt», sagt denn auch Marcel Rosenast im Namen des Referendumskomitees.
Am 9. Februar entschieden die Stimmberechtigten an der Urne und sagten deutlich Nein zum Budget – mit einer Zweidrittelmehrheit und bei einer Stimmbeteiligung von 65 Prozent.
Oberlunkhofen hatte also erst nach der ausserordentlichen «Gmeind» im April ein genehmigtes Budget. Der Steuerfuss blieb bei 74 Prozent.
Gemeinderat beantragte ein Nein
Vor allem aber bedeutete dieser Entscheid, dass in Sachen «Libelle» vieles in der Schwebe stand. Das Referendumskomitee erhoffte sich, dass das Projekt gründlich analysiert und evaluiert werde. Nur sagte die Oberlunkhofer Stimmbevölkerung im Juni 2024 klar Ja zu einer Mehrzweckhalle, samt Doppelturnhalle. Dass der Gemeinderat nach dem Budget-Nein ein anderes Projekt verfolge, das geht von Gesetzes wegen nicht. Deshalb waren die 14,25 Millionen Franken für das Grossprojekt im November nichtsdestotrotz traktandiert. Mit dem Zusatz, dass der Gemeinderat diesen Antrag zur Ablehnung empfehle. «Im Wissen um die grosse Opposition gegen das Projekt beziehungsweise gegen die Höhe der Investition und die Auswirkungen auf die zukünftigen Gemeindefinanzen», hielt der Gemeinderat in der Broschüre zur «Gmeind» fest. Zumal das Projekt «Libelle» optimiert sei, wo immer möglich. «Günstiger lässt sich dieses Projekt nicht realisieren», betonte der Gemeinderat.
Nie zur Debatte stand dabei, dass Oberlunkhofen mehr Hallenkapazität braucht. Ebenfalls unbestritten ist der Bedarf an Zusatzräumen und Zivilschutzplätzen. Das wird auch während der langen und intensiven Diskussion an der «Gmeind» im November deutlich. Die Geister scheiden sich an den Kosten. Einerseits an den noch zu investierenden Baukosten von über 14 Millionen Franken. «Zu viel Luxus und eine zu grosse Belastung», betonte ein Stimmbürger. Andererseits aber auch an den bereits investierten rund 1,5 Millionen Franken Planungskosten. «Zu viel, um abzubrechen», hielt eine Stimmbürgerin fest. Die Wogen gingen hoch an dieser über drei Stunden langen Gemeindeversammlung. Und sie gipfelten in einem Novum für Oberlunkhofen – einer geheimen Abstimmung. Das Resultat indes war klar: 157 Nein- zu 101 Ja-Stimmen. «Libelle» ist definitiv Geschichte. Viel geplant und diskutiert, aber nie realisiert.
Elf Millionen Franken als Kostendach
Aber an ebendieser «Gmeind» stellt der Souverän auch gleich die Weichen für die Zukunft. Denn eben, die Notwendigkeit zusätzlicher Hallenkapazität ist gegeben. Mit dem gleichen Raumprogramm soll der Gemeinderat ein Projekt für maximal 11 Millionen Franken ausarbeiten. In Oberlunkhofen hat die neue Mehrzweckhalle also nicht nur die letzten Jahre – speziell im zu Ende gehenden Jahr – beschäftigt, sondern auch in Zukunft.

