Lustlos und harmlos
28.04.2026 Sport, FussballFussball, 1. Liga classic: FC Wohlen – FC Solothurn 0:2 (0:2)
Genau vor einem Jahr leitete der FC Wohlen mit einer Heimpleite gegen Solothurn eine miese Endphase der Saison ein. Nun war Solothurn wieder zu Gast, und die Piu-Elf tat das Gleiche, steigerte sich gar im ...
Fussball, 1. Liga classic: FC Wohlen – FC Solothurn 0:2 (0:2)
Genau vor einem Jahr leitete der FC Wohlen mit einer Heimpleite gegen Solothurn eine miese Endphase der Saison ein. Nun war Solothurn wieder zu Gast, und die Piu-Elf tat das Gleiche, steigerte sich gar im negativen Sinn. Eine emotionslose erste Halbzeit mit einer unterirdischen Leistung war massgebend für die 0:2-Niederlage.
«Nein, das war gar nichts», sagte Bijan Dalvand, schüttelte nur ungläubig den Kopf und fand keine Worte. Auch Alban Pnishi konnte die Vorstellung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit kaum einordnen. «Die Mannschaft hat sich in der ersten Halbzeit phasenweise gar nicht gewehrt», erklärte Pnishi. «Aber es haben halt auch viele Spieler verletzt gefehlt», fügte er entschuldigend noch an. Stimmt. Die mannschaftlichen Eckpfeiler Dalvand und Pnishi sowie Noel Romano fehlten. Und darüber hinaus rotierte Trainer Piu noch die Leistungsträger Michael Weber und Dramane Sissoko auf die Auswechselbank.
Er habe sich an die Schlussphase der letzten Meisterschaft erinnert gefühlt, so Pnishi weiter hadernd. Damals verspielte die Mannschaft mit vier schlechten Heimspiel-Vorstellungen (unter anderem ein 0:9 gegen Münsingen) ganz viel Kredit. Und genau in diesem Bereich knüpfte der FC Wohlen gegen Solothurn nun wieder an. Eigentlich unerklärlich.
FCW fand vor der Pause gar nicht statt
Die erste Halbzeit war eine glatte Nicht-Leistung. Wehrlos, harmlos, ideenlos, emotionslos. Die Piu-Truppe liess sich vom Anpfiff an vorführen. Kein Spieler machte den Anschein, einen Zweikampf annehmen, geschweige denn gewinnen zu wollen. Das rasche 0:1 durch Naim Djaoudi nach fünf Minuten war die logische Folge. Der völlig unnötig verursachte Elfmeter von Dorde Komatovic – der Ex-Wohler Patrik Gjidoda verwandelte zum 0:2 – machte den kapitalen Fehlstart nach knapp 20 Minuten perfekt. Und davon erholten sich die Platzherren bis zur Pause nicht mehr. Gefälliger Einbahnfussball der Solothurner auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein FCW ohne Körpersprache, ohne Leidenschaft, ohne Bereitschaft, ohne Spielfreude, nur im Rückwärtsgang.
Das eher knappe 0:2 war aus Wohler Sicht noch das einzig Positive nach dem ersten Umgang. Bei zwei Offsidetreffern (10. und 43.) hatte der FCW noch ziemlich Glück, dass die Gäste die beiden Szenen nicht sauber zu Ende spielten.
Bittere Erkenntnis
Und Wohlens Offensivbemühungen? Fehlanzeige. Es reichte genau zu einem etwas ansehnlichen Angriff vor der Pause. Das ist völlig ungenügend. Und den FCW-Akteuren fehlten die Erklärungen. Ratlosigkeit im Stadion Niedermatten. Der FC Wohlen fand nicht statt – eine bittere Erkenntnis auch für die 350 Zuschauer.
Immerhin: Die Mannschaft zeigte eine Reaktion. Nur 20 Sekunden nach Wiederbeginn hätte der eingewechselte Sissoko den Anschlusstreffer erzielen können oder gar müssen. Es war eine kapitale Chance, die Solothurns Schlussmann mit einer Glanztat vereitelte. Weber (70.), erneut Sissoko (71.) und Gabathuler (84.) waren nahe am Anschlusstreffer, der vielleicht nochmals Kräfte hätte freisetzen können. Aber der Verwaltungsmodus der Solothurner reichte, um den Sieg über die 90 Minuten zu schaukeln. Der FCW zeigte zwar im zweiten Umgang Bereitschaft, die ultraschwache erste Halbzeit zu korrigieren. Aber Wohlens erste 45 Minuten waren unterirdisch und haben keine Belohnung verdient.
Immerhin zum Zweiten: Es gab Wohler, die sich im Laufe der Partie steigern konnten. Aggressivleader Weber und Sturmtank Sissoko zeigten, dass sie eigentlich in die Startelf gehört hätten.
Immerhin Charakter gezeigt
Routinier Nicola Peter und Torhüter Bonorand spielten solid, und Javi Gabathuler kämpfte wenigstens aufopferungsvoll – bis ihn Krämpfe plagten. Darüber hinaus war es halt einfach zu wenig. «Zu viele Spieler waren heute nicht bereit», meinte ein enttäuschter Gabathuler, der zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten sah. «In der ersten Halbzeit war es nahe an der Arbeitsverweigerung», urteilte er schonungslos ehrlich. «In der zweiten Halbzeit haben wir aber Charakter gezeigt.» Auch Gabathuler fühlte sich an die missratene Schlussphase der letzten Saison erinnert. Das aber will er nicht mehr erleben.
Am nächsten Samstag (18 Uhr) gastiert der FC Wohlen in Delémont, das im Abstiegskampf steckt. Um dort zu bestehen und um sich zu rehabilitieren für die schwache erste Halbzeit gegen Solothurn, braucht es eine gigantische Leistungssteigerung. Und es geht erneut darum, dass der FCW zum Ende der Saison hin nicht wieder (zu) viel Kredit verspielt. In der Verfassung der ersten Halbzeit sind die Wohler weit weg von jedem Gegner in dieser Liga. Und die 33 Punkte – acht Punkte Reserve auf den Abstiegsplatz bei fünf ausstehenden Spielen – garantieren den Ligaerhalt noch nicht. Etwas Zählbares verdient man sich ohnehin nur mit Leistungsbereitschaft, und die hat gegen Solothurn gefehlt.
--dm
«Das hat Konsequenzen»
«Wir haben die erste Halbzeit völlig verpennt», ärgerte sich FCW-Trainer Piu über die Gangart seiner Mannschaft. «Zwei, drei Spieler waren einfach nicht bereit und mental nicht auf der Höhe», kritisierte er weiter. Er hätte schon früh Auswechslungen vornehmen können, sagte er weiter. Aber Piu wollte die Pause abwarten. Und dort rüttelte er die Mannschaft auf und sagte, «dass es so nicht geht». Auch bei Piu kamen Gedanken an den schlechten Schlussspurt der letzten Saison auf, aber diese wollte er rasch wieder zur Seite schieben. Denn in der zweiten Halbzeit sah er eine klare Steigerung. «Da zeigte die Mannschaft wieder, dass Leben in ihr steckt.»
Gegen Delémont wird es Wechsel geben
Und Piu sprach auch eine entscheidende Szene an: Sissoko scheiterte nur 20 Sekunden nach Wiederbeginn am glänzend reagierenden Torhüter der Solothurner. Der Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt hätte laut Wohlen-Trainer die grosse Wende einläuten können. Die Steigerung nach dem Seitenwechsel stimmte Piu leicht versöhnlich. Aber die Enttäuschung über die erschreckend schwache erste Halbzeit wird auch er nicht ganz einfach vergessen. «Das wird Konsequenzen haben.» Fürs Auswärtsspiel in Delémont kündigte er schon jetzt ein paar Wechsel im Team an.
--dm

