Macaron geht auch vegan
13.12.2024 Region OberfreiamtBeinwilerin bäckt vegan
Dass Backen auch vegan geht und dass dies kein bisschen schlechter schmeckt, das will Steffi Furrer beweisen. «Steffi’s Bäckeria», das Projekt der jungen Beinwilerin, wächst seit fünf Jahren stetig. Sie setzt ...
Beinwilerin bäckt vegan
Dass Backen auch vegan geht und dass dies kein bisschen schlechter schmeckt, das will Steffi Furrer beweisen. «Steffi’s Bäckeria», das Projekt der jungen Beinwilerin, wächst seit fünf Jahren stetig. Sie setzt dabei auf Macarons. --ake
Die Beinwilerin Steffi Furrer baut eine vegane und glutenfreie Bäckerei auf: «Steffi’s Bäckeria»
Das Interesse war gross. Das Potenzial, das sie darin sah, ebenfalls. Darum startete Steffi Furrer 2019 ihr Projekt einer veganen Bäckerei. Mittlerweile hat sich die Beinwilerin auf Macarons spezialisiert. Mit ihren veganen und glutenfreien Backwaren will sie sich schweizweit einen Namen machen.
Annemarie Keusch
Es ist diese Jahreszeit. Kurz vor Weihnachten duftet es an vielen Orten ganz intensiv. Nach Zimt, nach Lebkuchen, nach frisch gebackenen Guetzli. Auch aus dem ausgebauten Gartenhaus der Familie Furrer in Beinwil steigt ein intensiver Duft. Schokolade. Ein paar Stunden später riecht es nach Zitrone, wiederum später nach Haselnuss, nach Pistazien, nach Erdbeeren. Im Backofen werden die Böden und Deckel der Macarons gerade gebacken. Die Füllung ist bereits vorbereitet. So kann Steffi Furrer die Kochschürze kurz ausziehen. «Das geht jeden Montag so», sagt die Beinwilerin. Hundert Macarons entstehen pro Backvorgang. Bis zu 700 hat sie in letzter Zeit wöchentlich verkauft. «Ja, die kältere Jahreszeit mit den vielen Märkten ist auch für mich Hochsaison», sagt sie. Dann steht sie nicht nur montags in der eigens eingerichteten Backstube, sondern auch am Sonntag.
Zu sehen, wie ihr Projekt wächst, wie immer mehr ihre Macarons kennen, das macht Steffi Furrer grosse Freude. Denn in «Steffi’s Bäckeria» steckt ganz viel Herzblut. Angefangen hat alles 2019. Während der Hotelfachschule in Luzern absolvierte sie ein Praktikum in Zürich. «Keine einfache Zeit. Ich kannte niemanden, war oft allein, fühlte mich in dieser Stadt nicht wirklich wohl.» Viel Zeit also, um sich einem Thema zu widmen, das sie schon länger interessierte: Veganismus. Furrer selbst ist seit über sieben Jahren Vegetarierin, ernährt sich oft auch vegan. «Körper und Seele profitieren», ist die 30-Jährige überzeugt. Und die Tiere. Und die Umwelt.
Viel mehr als ein Hobby
Aber Steffi Furrer wollte tiefer in die Thematik eintauchen. Dass sie dabei auf vegane Backzutaten und -rezepte stiess, erstaunt nicht. «Ich habe immer gerne gebacken, schon als Kind», sagt sie. Bäckerin wurde sie aber nicht. Furrer ist gelernte Detailhandelsfachfrau, absolvierte die Hotelfachschule und hat dadurch Erfahrung in der Hotellerie und der Gastronomie. Aktuell arbeitet sie 60 Prozent an der Rezeption einer Medtech-Firma. «Ich habe mir vielseitiges Wissen über Lebensmittel angeeignet», sagt sie. Und sie hat diese Neugier, diese Kreativität. Am Anfang probierte sie einfach aus, mit veganen Produkten zu backen. «Das Ergebnis motivierte mich jeweils, weiterzumachen. Auch wenn es längst nicht immer gut herauskam», sagt sie und lacht. Ausprobieren, das gehöre dazu, das macht ihr Spass.
Mittlerweile ist die vegane Bäckerei aber weit mehr als ein Hobby. Schon von Anfang an erahnte Steffi Furrer das grosse Potenzial. Immer mehr spürt sie dies auch in den Verkaufszahlen. «Gerade auch im Selbstbedienungsladen hier in Beinwil», sagt sie. Sie weiss: die Kombination von veganer und glutenfreier Küche ist selten, im Bereich von Süsswaren sowieso. Entsprechend setzt sie darauf. «Und ich bekam schon ganz viele schöne Rückmeldungen von Leuten, die sich glutenfrei ernähren müssen und vegan leben.» Aber auch von Leuten, die sich weder vegan noch glutenfrei ernähren. «Das war mir von Anfang an wichtig. Meine Produkte sollen einfach fein sein.» Schliesslich sei es ihre Vision, den Konsumenten zu zeigen, dass es auch ohne tierische Produkte ginge. «Dabei muss man auf nichts verzichten. Ich bin überzeugt, dass niemand einen Unterschied schmeckt zwischen veganen und nicht veganen Macarons.»
Sechs verschiedene Sorten
Dass sich Steffi Furrer auf Macarons spezialisiert hat, ist dabei eher Zufall. Sie besuchte in Barcelona einen veganen Backkurs, wo auch Macarons gemacht wurden. «Ich durfte Rezepte übernehmen, habe diese mittlerweile auf meine Vorstellungen angepasst.» Macarons seien eine Wissenschaft für sich. Gerade auch weil Steffi Furrer sie in aktuell sechs unterschiedlichen Geschmacksrichtungen anbietet. Mit Pistazien- und Haselnussfüllung fing alles an. Mittlerweile gehören auch Zitronenbutter, Erdbeer und Macarons mit weisser und dunkler Schokoladen-Ganache zum Sortiment. «Zwischenzeitlich bot ich auch Kaffee-Macarons an. Weil mich das Resultat aber nicht vollends überzeugte, backe ich diese nicht mehr.» Zudem fertigt sie auf Anfrage vegane Torten an, etwa für Geburtstage oder Hochzeiten. Welche ihrer Macarons sie am liebsten mag? Steffi Furrer lächelt. «Ich bin eigentlich eher der salzige Typ, esse selten Süsses, aber die eine oder andere Kostprobe muss schon sein.» Zitronen möge sie am liebsten. Weil sie so leicht und erfrischend seien.
Wenn immer möglich bezieht Steffi Furrer die Zutaten für ihre Bäckerei regional und achtet auf faire Produktion. «Immer einfach ist das nicht, weil der Markt für vegane Backzutaten noch relativ klein ist.» Vieles muss sie aus dem Fachhandel beziehen, Kartoffelprotein-Isolat zum Beispiel, das nicht tierische Pendant zum Eiweiss.
Ein Schritt nach dem anderen
Noch sind es ein bis zwei Tage pro Woche, die Steffi Furrer intensiv ihrer Bäckeria widmet. Neben ihrem Hauptberuf baut sie zudem ein Angebot in Fuss-Reflexologie nach alter chinesischer und taoistischer Medizin auf – ebenfalls in ihrem Elternhaus in Beinwil. «Ich brauche die Vielfalt, die Abwechslung», sagt sie. Beide Teilbereiche auf- und ausbauen, das sei das Ziel. Schritt für Schritt will sie dieses erreichen. «Mit meinem veganen und glutenfreien Macarons möchte ich mir schweizweit einen Namen machen», sagt sie selbstbewusst. Weitere Produkte sollen folgen. Bereits ist Steffi Furrer am Ausprobieren, wenn es die Zeit zulässt. Ausbauen will sie zudem die Zusammenarbeit mit Gastronomie-Betrieben oder veganen Shops. Aber eben, entgegen den Klischees: Vegan und glutenfrei funktioniert auch auf dem Land, im Dorf. Der Absatz aus dem kleinen Kühlschrank vor dem Haus der Furrers zeigts.
Hier im Dorf, wo Steffi Furrer seit rund einem Jahr wieder lebt. «Ich fühle mich einfach wohl hier», sagt sie. Im Turnverein ist sie aktiv, schätzt die Geselligkeit. Und sie beschäftigt sich viel mit sich selbst, meditiert, versucht, sich persönlich weiterzuentwickeln. «Ich mache das, was mir gut tut.» Und dazu gehört auch das Backen.
Mehr Infos: www.steffifurrer.ch.


