Mega-Batterie als grosser Schritt
27.01.2026 Bremgarten, Hermetschwil-StaffelnBESS vor Umsetzung – das einstige Dorf nimmt damit eine Vorreiterrolle ein
Noch in diesem Jahr möchte die Elektra Hermetschwil-Staffeln ein Batterie-Energiespeichersystems (BESS) im Spilhof lancieren. Ein Meilenstein für die Energieversorgung im ehemaligen ...
BESS vor Umsetzung – das einstige Dorf nimmt damit eine Vorreiterrolle ein
Noch in diesem Jahr möchte die Elektra Hermetschwil-Staffeln ein Batterie-Energiespeichersystems (BESS) im Spilhof lancieren. Ein Meilenstein für die Energieversorgung im ehemaligen Dorf. Und ein mutiger Schritt, mit dem man vorausgeht.
Marco Huwyler
Das Problem kennt die Strombranche nicht erst seit gestern. Erneuerbare Energiequellen, die auf dem Vormarsch sind, liefern unregelmässig bzw. wetterabhängigen Strom. Das erschwert einerseits die Planbarkeit, andererseits kommen die Verteilernetze, wenn sehr viel Strom auf einmal eingespiesen wird an ihre Grenzen. Deshalb reicht es für das Gelingen der Energiewende nicht, nur Photovoltaik- (PV) und Windkraftanlagen zu errichten. Es braucht auch Lösungen zur Speicherung solch überschüssiger Energie.
Die Technologie dafür ist mittlerweile vorhanden, doch umfassende Erfahrungswerte fehlen. Zudem gibt es ökonomische Risiken. Deshalb warten viele Energieversorger noch ab. Nicht so Hermetschwil-Staffeln. Der Bremgarter Ortsteil – dessen Stromversorgung nach wie vor von einer eigenen Elektra-Genossenschaft sichergestellt wird – prescht mutig vor. Schon im März vor einem Jahr wurde ein Beschaffungskredit von 1,1 Millionen Franken für ein Batteriespeichersystem (BESS) bewilligt. Seit Ende des abgelaufenen Jahres ist das Projekt im Spilhof Hermetschwil ausgesteckt. Noch dieses Jahr könnte es umgesetzt werden.
Problem frühzeitig angepackt
«Mir war schon seit einiger Zeit klar, dass Handlungsbedarf auf uns zukommt», sagt Markus Wey, Präsident der Elektra in Hermetschwil-Staffeln. Bereits vor rund zwei Jahren wurde deshalb eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. «Unser Dorf ist tendenziell stärker von der Problematik betroffen als andere Gemeinden, da wir verhältnismässig viele PV-Anlagen haben und vergleichsweise wenig Industrie mit grossem Strombedarf, welche Netzspitzen teilweise abfangen können», erklärt der Elektra-Präsident. Mit der stetigen Zunahme der PV-Anlagen seien im Dorf bereits Überlegungen aufgekommen, deren Stromerzeugung künstlich zu drosseln. «Doch das wollen wir eigentlich nicht, weshalb wir beschlossen haben, dem frühzeitig entgegenzuwirken», sagt Wey. In den vergangenen zwei Jahren wurde intensiv nach einem geeigneten Standort für einen möglichen Batteriespeicher gesucht, während man Chancen und Risiken säuberlich abklärte. Der Standort im Spilhof erwies sich schliesslich als ideal. «Und als dann die positive Machbarkeitsstudie vorlag, entschieden wir – doch, das wollen wir wagen», sagt Wey.
In diesen Tagen hat er die Bestellung beim Hersteller aufgegeben – mit Vorbehalt, dass man auch von den Ämtern grünes Licht erhält. Die Bewilligungsphase läuft momentan noch. Bis das Okay des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) vorliegt, bleibt das Projekt vor Ort im Hermetschwiler Spilhof ausgesteckt.
Bewusstes Risiko
Für seine Elektra ist das Projekt ein grosser Wurf. «Das wohl bisher grösste Projekt unserer Geschichte», lächelt Wey. Er sei sich bewusst, dass die Vorreiterrolle auch ein gewisses Risiko birgt. BESS sind vergleichsweise teuer und regulatorisch komplex. «Wenn wir nur ruhig würden schlafen wollen, dann hätten wir sicher noch eine Weile zugewartet», schmunzelt der Präsident. Selbst grosse Player wie die AEW (vergleiche Kasten) haben momentan erst vereinzelt solche riesigen Speicherbatterien in Betrieb. Und neben der Elektra Hermetschwil-Staffeln hat von den «Kleinen» lediglich die Elektrizitätsversorgung Villmergen ebenfalls konkrete Beschaffungspläne für ein BESS – wobei der Zeithorizont dort nicht gleich ambitioniert ist wie in Hermetschwil-Staffeln.
Ist es rentabel?
Das BESS beim Spilhof soll nämlich so rasch als möglich umgesetzt werden. Wenn alles rund läuft noch dieses Jahr. «Realistisch ist wohl Quartal drei oder vier. Wenn es geht, noch früher», sagt Wey. Er ist zuversichtlich, dass das Speichersystem schon bald seinen Beitrag zur Stromversorgung im Bremgarter Stadtteil leisten wird. Neben der Möglichkeit, die Lastenspitzen zu senken, sei die Vermarktung von Regelleistung (PRL und SRL) aus dem BESS potenziell auch wirtschaftlich interessant für die Elektra, sagt Wey. Denn durch den Batteriespeicher kann der Strom aus Solarenergie dann eingespiesen werden, wenn er von der Netzbetreiberin Swissgrid gebraucht und entsprechend auch bezahlt wird. Doch der mögliche ökonomische Nutzen sei bei diesem Projekt sekundär – zumal man dabei auch von den schwankenden Strommarktpreisen abhängig ist. «Im Zentrum steht die Verpflichtung unserer Genossenschaft langfristig für Versorgungssicherheit in Hermetschwil-Staffeln zu sorgen», betont der Elektra-Präsident. Das neue Speichersystem helfe dem einstigen Dorf auch ein Stück weit autark zu sein. «Im Falle eines Stromausfalls würde die Batterie der Gemeinde noch ein paar Stunden Strom liefern», sagt Wey dazu. Das angedachte BESS in Hermetschwil-Staffeln weist eine Leistung von rund 1,3 Megawatt auf.
Kein Lärm für Anwohner
Wie sich das System indes in der Praxis bewährt, bleibt abzuwarten. Einem möglichen Problem hat die Elektra in weiser Voraussicht bereits vorgegriffen. Frühzeitig wurde ein Lärmgutachten erstellt. Dieses ergab, dass für Wohnquartiere in Hermetschwil keinerlei Beeinträchtigungen entstehen. Der Standort stellt sicher, dass das unangenehme, hochfrequentige Piepen, welches die BESS im Hochbetrieb verursacht, nicht bis zu Wohnhäusern vordringt. «Das war uns von Anfang an sehr wichtig», sagt Wey. «Wäre dies nicht gesichert gewesen, dann hätten wir das Projekt verworfen.»
Lob statt Kritik
So bleibt beim Elektra-Präsidenten vor allem Vorfreude auf die Umsetzung eines grossen Projekts für sein Dorf. Und auch ein gewisser Stolz, in der Energiestrategie des Bundes eine Vorreiterrolle einzunehmen. «Negative Rückmeldungen gab es bisher keine», sagt er. Im Gegenteil. «Ein Sachkenner aus der Bevölkerung ist kürzlich auf mich zugekommen und hat mir für unseren Mut gratuliert.»
Auch die AEW plant Speicher
Anders als in Hermetschwil-Staffeln wird in den übrigen Stadtteilen Bremgartens die Stromversorgung nicht durch eine lokale Elektrizitätsgenossenschaft sichergestellt. Diese Aufgabe übernimmt auf Stadtgebiet die AEW. Der führende kantonale Energieversorger setzt noch nicht grossflächig auf BESS. Nur in Baden-Dättwil wird seit gut zwei Jahren als Pilotprojekt eine Batteriespeicheranlage betrieben.
Ein Umstand, der sich künftig ändern dürfte. «Mit dem Speicher in Baden-Dättwil sind wir insgesamt sehr zufrieden. Er läuft stabil und erfüllt unsere Erwartungen», sagt die AEW auf Anfrage. Die Realisierung dieses Speichers – mit einer Leistung von 5,5 Megawatt ungleich grösser als der geplante in Hermetschwil – sei für die AEW ein wichtiges Pilotprojekt. Denn neben dem operativen Nutzen dient er auch als Technologie- und Forschungsplattform «Die Erkenntnisse aus Planung, Bau und Betrieb fliessen direkt in weitere Speicherprojekte ein.»
Die AEW wird in Zukunft weitere noch grössere Batteriespeicherprojekte in Angriff nehmen. «Wir sind derzeit an der Projektierung und prüfen potenzielle Standorte», heisst es. Der Einsatz von kleineren, dezentralen Speicherlösungen wie in Hermetschwil-Staffeln sei vor allem bei Industrie- und Gewerbekunden in Kombination mit grossen PV-Anlagen oder Ladelösungen für Elektrofahrzeuge interessant. In Bremgarten und Umgebung sind momentan von der AEW keine BESS geplant. «Unser Fokus liegt auf der Umsetzung von zentralen Grossbatteriespeichern. Sie sind eine ideale Ergänzung zu unserem Kraftwerksportfolio und ermöglichen einen flexibleren und optimierten Betrieb», sagt die Aargauer Stromversorgerin. --huy



