Mehr, als vielen bewusst ist, fällt weg
21.04.2026 Region Oberfreiamt, KircheKirchenpflege der katholischen Kirchgemeinde Beinwil in personellen Nöten
Viele kleine Kirchgemeinden finden keinen Nachwuchs für die Kirchenpflege. Auch die Kirchenpflege der Kirchgemeinde Beinwil steht vor dem Aus. Im Herbst bestünde sie nur noch aus zwei ...
Kirchenpflege der katholischen Kirchgemeinde Beinwil in personellen Nöten
Viele kleine Kirchgemeinden finden keinen Nachwuchs für die Kirchenpflege. Auch die Kirchenpflege der Kirchgemeinde Beinwil steht vor dem Aus. Im Herbst bestünde sie nur noch aus zwei Personen. Nun wurde die Landeskirche angefragt, damit Beinwil unter Sachverwaltung gestellt wird.
Verena Anna Wigger
Sie haben aus ihrer Sicht alles Menschenmögliche getan, um neue Mitglieder für die Kirchenpflege Beinwil zu finden. Denn bereits Silvia Leuthard hat ihr Amt als Präsidentin nur notgedrungen angetreten – es stand kein anderer Kandidat zur Verfügung. Manfred Müller, Vizepräsident der Kirchenpflege, hat sein Amt genauso übernommen. Was in beiden Fällen wenig mit dem Engagement und der Begeisterung für ihr Amt zu tun hat.
Schon als Manfred Müller vor acht Jahren für die Wahl angefragt wurde, zeichnete sich ab, dass Beinwil Mühe bekommt, die Kirchenpflege vollständig zu besetzen. Doch damals fanden sie noch fünf Mitglieder. Bei der letzten Wahl waren es dann nur noch vier Mitglieder. Seither ist eines in einen anderen Kanton gezogen. Ein zweites Mitglied wird im Herbst in eine Nachbargemeinde ziehen.
Zu zweit ist einfach zu wenig
So verbleiben zwei Personen. Beinwil ist bei Weitem kein Einzelfall. Viele Kirchgemeinden erleben dieses Phänomen, gerade kleine Gemeinden, das bestätigen auch Müller und Leuthard. Im Oberfreiamt wurde deswegen bereits eine Arbeitsgruppe einberufen, die einen Zusammenschluss der Kirchgemeinden prüft.
Die Beinwiler blieben nicht untätig. In persönlichen Gesprächen haben sie versucht, neue Mitglieder zu finden. «Das war eine Knochenarbeit», sagt Müller. Das sei aufwendig gewesen und habe viel Zeit gebraucht. «Ich verstehe, dass man heute weniger Ämtchen übernimmt», sagt Müller. So wurde auch an der Kirchgemeindeversammlung und der politischen «Gmeind» informiert. Sie haben auch einen Aufruf lanciert, einen Aushang bei der Kirche gemacht und im Pfarrblatt inseriert. Als Letztes habe man sich an die Medien gewandt. Doch gemeldet hat sich niemand. Eigentlich haben die beiden den Glauben verloren, noch Mitglieder für die Kirchenpflege zu finden.
Wie gehts weiter
Im vergangenen Jahr wurden die Geschäfte zu dritt geführt. Dies hat ihnen das Bistum erlaubt. Ab Herbst wäre man nur noch zu zweit. Damit wird die Kirchenpflege handlungsunfähig. Silvia Leuthard hat sich ans Bistum gewandt und um Sachverwaltung gebeten. Leuthard ist heute 70 Jahre alt und möchte ihre Zeit noch etwas anders einsetzen. Doch sie weiss: «Wir stehen im luftleeren Raum.»
Manfred Müller, der wie Leuthard seit acht Jahren der Kirchenpflege angehört, möchte auch aufhören. Als er anfing, war dies für ihn ein gutes Ankommen in Beinwil. Er war anderthalb Jahre vorher in einen Aussenweiler gezogen. «Ich hatte das Gefühl, ich möchte mich integrieren», sagt der Zimmermann. Durch das Amt hat er vielfältige Kontakte zu Gemeindebehörden, Vereinen und zur Bevölkerung gefunden, aber auch zu kantonalen Behörden und zur Landeskirche. «Diese Kontakte zu den Menschen, das ist der grösste Nutzen», sagt der gebürtige Innerschweizer. Künftig möchte er über seine Wochenenden verfügen.
Die Anfrage läuft
Die Anfrage beim Bistum läuft, in diesen Tagen wird Beinwil informiert, wer Sachverwalter wird. Dabei ist beiden klar, der Sachverwalter wird nur die Administration übernehmen. «Vielen ist nicht bewusst, wie viel damit wegfällt», das sehen beide. Sie werde noch helfen, wenn es Hilfe brauche, sagt Leuthard. «Binden will ich mich nicht mehr», ist für sie aber klar. Die Sachverwaltung sei auch nur eine Übergangslösung. Auch ein Zusammenschluss wurde schon angesprochen. Doch Leuthard sieht, wie die Verhandlungen im Oberfreiamt laufen. «Es ist schwierig, jede Gemeinde hat ihr Gärtchen», so ihre Erkenntnis.
Was fällt weg
Vielen sei wahrscheinlich nicht bewusst, was sie alles machen, ist Leuthard überzeugt. Sie seien dort, «wo der Herrgott im Spiel ist, nicht tätig», sagt sie. Den Rest macht die Kirchenpflege. Das bedeutet, dass Krippenspiel, Ostersonntagsbrunch, Palmenbinden, Spaghettiessen und der Apéro am Weissen Sonntag wegfallen werden. Einige der Anlässe seien jetzt schon nicht mehr gut besucht worden. Bei anderen Anlässen werden sie darauf angesprochen, wenn es heute schon im kleineren Rahmen stattfindet. Doch bald wird auch das wegfallen.
Wohin geht es?
Leuthard sagt: «So, wie die Situation sich jetzt präsentiert, wird die Tür der Kirche in zehn Jahren zu sein.» Sie ist der Meinung, es gehe nur über eine Fusion. Denn auch Beinwil sieht sich mit schwindenden Zahlen von Kirchgängern konfrontiert. Leuthard erklärt: «Im Moment gehe ich regelmässig in die Kirche, wegen meinem Amt.» Doch eigentlich sei sie aus persönlichen Gründen keine gute Kirchgängerin. Denn den Menschen falle es manchmal leichter, mit ihren Anliegen zu ihr zu kommen als zum Pfarrer, weiss die Beinwilerin. Auch sie sieht, dass die Kirche zum Teil stehen geblieben ist. «Man sollte offener werden», so die Hoffnung von Müller.

