Deluxe-Station fürs Spital Muri
Eine eigene Station für privat und halbprivat versicherte Patientinnen und Patienten schaffen: Mit diesem Ziel hat das Spital Muri die bestehende Bettenstation auf der vierten Etage renoviert und einen Katalog an Mehrleistungen ...
Deluxe-Station fürs Spital Muri
Eine eigene Station für privat und halbprivat versicherte Patientinnen und Patienten schaffen: Mit diesem Ziel hat das Spital Muri die bestehende Bettenstation auf der vierten Etage renoviert und einen Katalog an Mehrleistungen definiert. Nun wurde die neue Privatstation eröffnet. «Muri-Deluxe» stehe für «persönliche Behandlung und Betreuung», teilt das Spital mit, Die neue Station bietet Platz für 13 Patientinnen und Patienten.
--tst
Den Spitalaufenthalt so angenehm wie möglich gestalten – das will das Spital Muri mit seiner neuen Privatstation auch im gehobenen Segment ermöglichen. Bei der Eröffnung zeigten sich die Gäste angetan. Von der Aussicht ebenso wie von den Zusatzleistungen.
Thomas Stöckli
Der Ausdruck «Luxus» sei seit jeher ambivalent behaftet, ist sich Sabina Rüttimann, Stiftungsratspräsidentin des Spitals Muri bewusst, «er steht auch für soziale Ungerechtigkeit». Trotzdem hat das Spital Muri neu eine Privatstation «Deluxe». Erstmals überhaupt in seiner 120-jährigen Geschichte. «Heute steht Luxus nicht mehr nur für materiellen Überfluss», begründet Rüttimann die Entscheidung, die im Rahmen der strategischen Neuausrichtung gefällt wurde. So gehe es bei «MuriDeluxe» eigentlich eher um Selbstfürsorge. Dabei spielen subjektive Faktoren wie Zeit, Ruhe und Aufmerksamkeiten auf verschiedenen Ebenen eine zentrale Rolle.
Das Plus ist ein Bedürfnis
Konkret wurden die bestehende Bettenstation im vierten Stock renoviert und Mehrleistungen neu definiert. Mit dem Ziel, den Aufenthalt im Spital noch etwas angenehmer zu gestalten, als dies im Rahmen der allgemeinen Versicherung finanzierbar wäre. «Gesundheitspolitisch sind die Zeiten nicht rosig», sagt Spital-CEO Daniel Strub. So seien die Allgemeintarife in vielen Bereichen nicht kostendeckend. «Zusatzversicherungen sind kein Luxus, sondern bieten Zugang zu ergänzende Leistungen», ordnet er ein.
Wobei diese Mehrleistungen im Falle der Halbprivat- und Privatversicherten nicht im medizinischen Bereich liegen, sondern drumherum, etwa im Bereich Komfort und Individualität. Und das ist der Bevölkerung offenbar wichtig: «Rund ein Fünftel hat Zusatzversicherungen im stationären Bereich», veranschaulicht Strub. «Dafür werden jährlich sechs Milliarden Franken zusätzlich ausgegeben.»
Umbau unter Zeitdruck
Kein Wunder also, dass das Spital Muri davon auch profitieren will. Zum Wunsch komme gemäss Daniel Strub allerdings auch eine Pflicht. Nämlich jene, sichtbar zu machen, was die Zusatzversicherten tatsächlich an Mehrwert erhalten.
Die neue Station MuriDeluxe bietet in fünf Einbett- und vier Zweibettzimmern Platz für insgesamt 13 Patientinnen und Patienten. Das erste Musterzimmer wurde bereits im Januar erstellt, mit neuen Kautschuk-Boden in Holzoptik, anderem Farbkonzept und einigen weiteren Aufwertungen. Gefragt nach seinem persönlichen Highlight, weist Bauplaner Kurt Leuppi auf die neue Verkleidung unter dem Lavabo hin. Als grösste Herausforderung bezeichnet er den Zeitfaktor: Gerade mal zwölf Tage hatte er, um die weiteren acht Zimmer umzubauen. Spielraum gab es keinen: «Als wir loslegten, wurde bereits das Eröffnungsdatum in der Zeitung publiziert», so Leuppi. Entsprechend straff war die Koordination der beteiligten Unternehmen.
Viel Wohlwollen, aber auch Kritik
Am Tag der öffentlichen Besichtigung schauen die Interessierten ganz genau hin. Sie zeigen sich mehrheitlich beeindruckt, schwärmen über die Aussicht von den möblierten Terrassen in die Berge, diskutieren über den Sinn und Unsinn von Obstschalen in den Zimmern. Manche vermissen noch die Bilder in den Gängen. Hier und da ist auch grundsätzlich die Andersbehandlung von Zusatzversicherten ein Thema. Weitgehend unbeachtet bleiben derweil die Wabenmuster, die in Handarbeit auf den Terrassenboden gepinselt wurden. Nicht alles erschliesst sich auf den ersten Blick.
An Schulungen und Kursen werden die Mitarbeitenden fit gemacht für die neuen Herausforderungen. Dazu gehört gemäss Dominic Brunner, Leiter Hotellerie, das digitalisierte Bestellsystem. So werden Essens- und Getränkebestellungen mittels iPad ausgelöst. Nebst der initialen Schulung für die Mitarbeitenden sei auch im laufenden Betrieb regelmässiger Austausch wichtig, betont Brunner. Insbesondere weil 14 weitere Deluxe-Zimmer der neuen Geriatriestation angeordnet sind.
Am Team der Hotellerie und der Pflege wird es liegen, auf der neuen Privatstation für die passende Atmosphäre zu sorgen. «Wahre Exzellenz zeigt sich nicht nur in der Behandlung, sondern auch in der Art der Begegnung», so Sabina Rüttimann.