Mit der Sicht von aussen

Fr, 26. Feb. 2021
Severin Bättig hat sich als Gemeindeschreiber in Muri gut eingelebt und plant längerfristig. Bild: Annemarie Keusch

Seit knapp drei Monaten ist Severin Bättig der neue Gemeindeschreiber in Muri

Er wohnt in der Stadt Luzern, Berührungspunkte zu Muri hatte er keine. «Ich bin hier ein unbeschriebenes Blatt», sagt Severin Bättig. Entsprechend braucht er Zeit, sich in alle Themen und Bereiche einzulesen. Gleichzeitig bringt er die Aussensicht mit. Und die kann der Gemeinde auch helfen.

Annemarie Keusch

Der Aufgabenbereich ist gross. Die Themen sind breit gefächert. Das ist es, was Severin Bättig am Beruf des Gemeindeschreibers fasziniert. Hier kann er seine vielen Stärken einbringen. Bättig spricht von einem «Generalistenrucksack», den er mitbringt. Ein Blick in seinen beruflichen Werdegang verdeutlicht dies. Angefangen hat es mit der kaufmännischen Lehre bei der Gemeinde Horw, wo Bättig aufwuchs. Es folgten die Ausbildung zum Landwirt, die Erwachsenenmatur, das Jus-Studium und eine Weiterbildung im Immobilienbereich. Dann ging Bättig zurück zu den Wurzeln, als Vizegemeindeschreiber in Baar. Seit dem 1. Dezember ist er nun Gemeindeschreiber und Geschäftsleiter der Gemeinde Muri.

Muri vom Durchfahren gekannt

«Warum ich zurück in die Verwaltung gegangen bin? Dort kommen viele Bereiche zusammen. Hier nützen mir alle Ausbildungen etwas. Eine gewisse Basis ist dadurch in vielen Bereichen da.» Es sei die Vielfalt, die diesen Beruf für ihn attraktiv mache. «Es gibt kaum etwas, was nicht über den Tisch des Gemeindeschreibers gehen könnte», sagt der 43-Jährige. Und diese Vielfalt, die bringt ihm auch sein neuer Job als Gemeindeschreiber in Muri.

«Nur vom Durchfahren», sagt Bättig. Ein Begriff sei ihm Muri schon gewesen, aber mehr nicht. Entsprechend spricht er von einer total neuen Herausforderung, die er angenommen hat. Noch nie vorher war er beruflich im Aargau tätig, gekannt hat er vor Stellenantritt in Muri niemanden. «Das hat auch Vorteile», betont er. Für ihn und für die Gemeinde.

Nur, wegen der Pandemie kennt Bättig auch nach fast drei Monaten in Muri nicht allzu viele Leute. «Ich hoffe sehr, das alles nachholen zu können», sagt der Luzerner.


Die nötige Ausdauer hat er

Severin Bättig ist der neue Gemeindeschreiber – die Pandemie erschwert das Kennenlernen

Zuverlässig, ausgeglichen, bodenständig. So beschreibt sich der neue Gemeindeschreiber und Geschäftsleiter Severin Bättig. Obwohl er nach knapp dreimonatiger Tätigkeit noch nicht alles im Detail kennt, fühlt er sich wohl in Muri. Er habe gewusst, was ihn erwartet. «Ich habe nicht die Katze im Sack gekauft», sagt er.

Annemarie Keusch

Er hätte gerne schon mehr Kontakte geknüpft, mehr Murianerinnen und Murianer kennengelernt, sich mehr ins Dorfleben eingebracht. Aber eben. Die Pandemie verunmöglicht es. «Das ist natürlich schade», sagt Severin Bättig. «Gerade die Fasnacht wäre eine gute Gelegenheit gewesen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen», sagt Bättig. Als Luzerner kennt er die ausgelassene Stimmung der fünften Jahreszeit, weiss, wie schnell sich dort Kontakte knüpfen lassen. Aber eben.

Kennengelernt hat Bättig in seinen ersten knapp drei Monaten als Gemeindeschreiber und Geschäftsleiter von Muri trotzdem schon einiges. «Vor allem ganz viele Sachgeschäfte», sagt er. Auch im Dorf kennt er sich schon ein wenig aus, weiss, wo die ARA, die Badi oder das Roos ist. «Es gefällt mir hier», sagt Bättig, der in der Stadt Luzern lebt und täglich mit dem Zug nach Muri pendelt. Es ist vor allem die ländliche Einbettung, die ihm am Dorf gefällt. «Ich bin auf einem Bauernhof gross geworden, ich mag dieses Ländliche», sagt er.

Erstes Fazit fällt positiv aus

Es war mit ein Grund, weshalb sich Bättig auf die frei gewordene Stelle als Gemeindeschreiber in Muri bewarb. Nach vier Jahren als Vizegemeindeschreiber in Baar suchte er eine neue Herausforderung, noch mehr Verantwortung. «Die Grösse der Gemeinde sagt mir sehr zu. Nicht zu gross, nicht zu klein.» Er spüre aber auch die Erwartungshaltung, die ihm seitens der Bevölkerung entgegengebracht wird. «Das spornt mich an», sagt er. Bättig weiss: «Die Leute sehnen sich nach einer gewissen Stabilität auf der Verwaltung.» Das wolle er mitbringen. «Klar, ich plane längerfristig in Muri. Aber es kann immer etwas dazwischenkommen, das haben die letzten Jahre in Muri auf tragische Art gezeigt.»

Auf die ersten knapp drei Monate blickt Bättig zufrieden zurück. «Ich wurde auf der Verwaltung und vom Gemeinderat sehr gut aufgenommen – auch von der Bevölkerung.» Er fühle sich wohl, pendle jeden Tag gerne zur Arbeit. Vorarbeit ist einige nötig, damit sich der Luzerner, der vorher keine Berührungspunkte mit der Gemeinde Muri hatte, im Dorf und in den anstehenden Projekten zurechtfindet. «Das ist normal. Und diese Zeit muss ich mir nehmen.»

Familien- und Vereinsmensch

Trotzdem, Severin Bättig weiss, welche Herausforderungen der Gemeinde bevorstehen. Die Bahnhofentwicklung, die neue Führungsstruktur der Volksschulen, das Gebiet Bachmatten, um nur einige davon zu nennen. «Ich freue mich, diese Herausforderungen anzunehmen und die Ziele der Gemeinde zu erreichen», sagt er. Dass dies in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Gemeinderat klappt, diesbezüglich ist Bättig zuversichtlich. «Ich habe hier ganz viele gut qualifizierte Leute angetroffen, die gute Arbeit leisten. Ich habe nicht vor, alles um 180 Grad zu verändern. Eine gewisse Stetigkeit und Stabilität ist auf der Verwaltung in Muri nach der jüngsten Vergangenheit wichtig.»

Severin Bättig wählt seine Worte bedacht. Ab und zu lacht er, laut. Aber in den Mittelpunkt drängen will er sich nicht. Zuverlässig, ausgeglichen, bodenständig. Die Adjektive, mit denen er sich selber beschreibt, sind nicht jene eines Wortführers, aber jene eines Gemeindeschreibers, wie ihn sich viele Gemeinden wünschen. Und Bättig bringt noch mehr mit: Ausdauer. «Ich verbringe gerne Zeit in der Natur», sagt er, beim Joggen etwa. Die Marathondistanz sei ihm nicht fremd. Den Jungfraumarathon hat er absolviert. Zudem sei er ein Familienmensch und ein Vereinsmensch. Bättig ist Mitglied des Samichlausvereins und der Trychlergruppe seiner Heimatgemeinde Horw.

Sich integrieren geht auch, ohne in Muri zu wohnen

Überhaupt ist Bättig im Kanton Luzern verwurzelt. «An die Fasnacht nach Muri wäre ich gekommen, auch wenn gleichzeitig jene in Luzern gewesen wäre», sagt er und grinst. Im Dorf präsent sein, wo er als Gemeindeschreiber tätig ist, das gehört für ihn dazu. «Sich integrieren ist nicht in erster Linie abhängig davon, ob man dort wohnt oder nicht.» Heisst, er plant nicht nach Muri zu ziehen? «Vorerst nicht. Aber ich sage niemals nie. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, ich arbeite in zwei Jahren in Muri, hätte ich das wohl auch nicht für möglich gehalten.»

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