Mit der Zeitung gross geworden

Di, 13. Apr. 2021
Seit über 70 Jahren liest Josef Konrad den «Freiämter», der damals noch der «Freischütz» hiess. Bild: Susanne Schild

Der Murianer Josef Konrad war als Schulbub Zeitungsausträger für den «Freischütz»

1939 wurde Josef Konrad geboren. Aufgewachsen ist er im Hasli-Weiler. Als Schuljunge verdiente er sich ein kleines Zubrot, indem er mit seiner Schwester jeweils dienstags und freitags den «Freiämter», der damals noch «Freischütz» hiess, ins Hasli brachte.

Susanne Schild

Zeitungen austragen ist immer noch der absolute Klassiker unter den Jobs für Schülerinnen und Schüler. Heute ist das allerdings erst ab 13 Jahren möglich. In dem Alter stand Josef Konrad schon fast vor seinem Gemeindeschulabschluss und vor dem Beginn seiner Lehre. Er war der Jüngste von fünf Kindern. Seine Eltern hatten im Hasli einen Bauernhof. «Es war keine einfache, aber dennoch eine schöne Kindheit. Zu dieser Zeit fehlte es an allen Ecken und Enden. Der Krieg war gerade vorbei, es mangelte an vielem. Aber wir waren glücklich», erinnert sich der mittlerweile 82-Jährige zurück.

Mit anpacken musste man oft auf dem elterlichen Hof. «Zu tun war immer etwas.» Doch Geld gab es dafür keines. Dennoch hatte man als junger Bub einige Wünsche. «Wenn es auch nur ein Schläckstängli war.»

Die Zeitung unter dem Arm

Deshalb blieb er nicht untätig und trug zusammen mit seiner Schwester Margit jeden Dienstag und Freitag den «Freischütz» nach der Schule im Hasli aus. Im Jahr 1863 erschien in Muri erstmals «Der Freischütz». Mittlerweile kennt man die Zeitung unter dem Namen «Der Freiämter». Zwischen 11 und 12 Uhr holten die Geschwister das Blatt immer bei Emilie Heller ab. «Die Frau des Zeitungsverlegers war eine markante Persönlichkeit», erinnert sich Josef Konrad zurück. Mit einem Pack Zeitungen unter dem Arm ging es dann ins Hasli. «Auf dem Weg ins Hasli lasen wir immer zuallererst die Inserate, um zu schauen, was es alles Neues und Interessantes zu kaufen gab.» Im Hasli wartete man immer gespannt auf das Geschwisterpaar. Es gab schliesslich noch kein Internet, wo alles gleich und sofort auf Knopfdruck zu lesen war. «Die Kultur des Zeitunglesens war in dieser Zeit noch intakt», meint Josef Konrad. «Wir hatten immer das Aktuellste aus der Region unter dem Arm.» Um den Job als Zeitungsausträger gut zu meistern, war es wichtig, dass man zuverlässig war. «Wir hatten einen Auftrag.» Egal ob es stürmte, schneite oder aus Kübeln goss, sie waren mit der Zeitung Richtung Hasli unterwegs. «Damals war noch von Hand auf jeder Zeitung geschrieben, für wen sie bestimmt war», erinnert sich Josef Konrad zurück. Ein guter Zeitungsjunge war zudem sehr kontaktfreudig. Je nachdem, wie lang man geplaudert hatte, dauerte seine Zeitungstour durchs Hasli zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Fischzucht, Staubli, Villiger, Laubacher, Kuhn, Stierli und zuletzt natürlich die Konrads, das waren einige Stationen ihrer Zeitungstour. «Es war für uns eine gute Möglichkeit, sich nach der Schule noch ein paar Rappen dazuzuverdienen. Spass hat es auch gemacht und Stolz, wenn man sein eigenes Geld zur Verfügung hatte. So wenig, wie es denn auch war.»

Bis heute ein treuer Leser

Nach der Gemeindeschule in Muri war dann auch Schluss mit dem Zeitungsaustragen. «In meiner Lehre hatte ich keine Zeit mehr dafür.» Bei der Schreinerei Wipf in Muri lernte er das Schreinerhandwerk und blieb noch anderthalb Jahre nach bestandener Lehrprüfung in dem Betrieb. Danach arbeitete Josef Konrad fünf Jahre in Merenschwand bei der Schreinerei Notter und Vitus. Als ihm eine Stelle in der Pflegimuri angeboten wurde, sagte er zu. «Meine Mutter war anfänglich strikt dagegen, dass ich zukünftig in der ‹Anstalt›, wie sie die Einrichtung immer nannte, arbeiten würde.» Doch wider alle Bedenken trat er die Stelle an und fühlte sich dort sehr wohl.

1964 heiratete er seine Frau Silvia. Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor. Noch heute lesen sie gemeinsam jeden Dienstag und Freitag den «Freiämter».«Hier steht alles Interessante über unser Dorf und unsere Heimat.»

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