Mit Farbe, Pinsel und einer Leiter

Di, 19. Okt. 2021
Sarah Käppeli hat alles, was sie für ihr Malergeschäft braucht, in ihrem Keller gelagert. Bild: Susanne Schild

Sarah Käppeli aus Muri führt ihr Malergeschäft als Ein-Frau-Betrieb

Ihre Werkstatt ist ihr Keller. Das Büro ist in ihrer Wohnung. Gegründet hat Sarah Käppeli ihr Malergeschäft in Hunzenschwil. Seit 2019 ist die Einzelkämpferin grösstenteils nur mehr in Muri und Umgebung tätig. Der Schritt in die Selbstständigkeit stand für sie schon früh fest. Obwohl sie einiges unterschätzt hat, kam aufgeben nie infrage.

Susanne Schild

«Ich kann heute noch kein schönes Ross zeichnen», sagt die 28-jährige Malerin. Dennoch hat sie grosse Freude am kreativen Arbeiten. Lange wusste sie nicht, was sie werden wollte. «Ich schnupperte in neun Berufe. Als wir zu Hause umgebaut haben, ist mir meine Liebe zum Malen bewusst geworden.» Daher entschloss sie sich, im Anschluss an die obligatorische Schulzeit eine dreijährige Malerlehre zu absolvieren. 2012 schloss sie diese bei Maler Mäder in Muri erfolgreich ab. «Durch einen neuen Anstrich oder andere kreative Techniken mit Farbe verändern sich nicht nur Wände und Gebäude, sondern auch die Gefühle der Menschen in ihrem Umfeld. Das Zusammenspiel fasziniert mich immer wieder aufs Neue», schildert sie ihre Liebe zum Beruf.

Nachdem sie sich ein Jahr lang entsprechendes Fachwissen in dem Malergeschäft angeeignet hatte, entschloss sie sich zu einer Weiterbildung im kaufmännischen Bereich. «Doch ganz konnte ich das Malen auch in dieser Zeit nicht lassen und arbeitete nebenbei als Malerin weiter.»

Der Malerberuf ist für Frauen attraktiv geworden

Den Abschluss zur Kauffrau EFZ erlangte sie 2016. Noch im gleichen Jahr machte sie sich selbstständig. «Ich wollte schon immer das Kreative mit dem Kaufmännischen verbinden.» Das unternehmerische Risiko stufte sie als relativ gering ein. «Ich brauche nur Farbe, Pinsel und eine Leiter.» Den Keller ihrer Wohnung in Muri hat sie als Werkstatt und Lager umfunktioniert. In der Anfangszeit in Hunzenschwil, als sie noch nicht so viele Aufträge hatte, jobbte sie an den Wochenenden noch in einer Bar. «Dann hatte ich das grosse Glück, für eine Immobilienverwaltung arbeiten zu können. Das sicherte meinem Malergeschäft viele Aufträge.» Gegenwärtig konzentriert sie sich grösstenteils auf Aufträge in Muri und Umgebung.

Wichtig war Sarah Käppeli, dass schon an ihrer Visitenkarte zu erkennen ist, dass es sich um einen Ein-Frau-Malerbetrieb handelt. «Ich entschied mich daher, das Wort Malergeschäft und meinen Vornamen in Pink zu drucken.» In vielen Regionen in der Schweiz sei der Malerberuf aktuell in Frauenhand. «In der Berufsschule waren wir zirka 19 Frauen und nur etwa 5 Männer. Ich bin eine ganz normale Malerin, wie Tausende andere Frauen in der Schweiz auch.» Die Männerdomäne habe sich in eine Frauenhochburg verwandelt. «Natürlich merke ich, wenn ich schwere Kessel schleppen muss, was ich den ganzen Tag gemacht habe. Aber das merken die Männer auch.»

Zufriedene Kunden sind der grösste Lohn

Als Ein-Frau-Betrieb macht Sarah Käppeli alles selbst, auch die Verwaltung. Ihr Büro ist in ihrer Wohnung. Kundenanfragen, Erstberatung, Materialbestellung und Rechnungen, das alles muss neben dem Tagesgeschäft noch erledigt werden. «Es gibt Zeiten, wo alles etwas viel wird», sagt Sarah Käppeli. Und weiter: «Ich glaube, dass ich das anfänglich unterschätzt habe.» Doch das zufriedene Gesicht ihrer Auftraggeber, sobald sie das Ergebnis sehen, das sei das Schöne am Handwerker-Dasein und entschädige für vieles. «Ich bin wirklich stolz auf das, was ich bislang erreicht habe, und würde es wieder genauso machen.» Als Ein-Frau-Betrieb komme es darauf an, seine Zeit bestmöglich zu nutzen. Selbstständig zu sein, bedeute aber auch, selbstverantwortlich zu sein. «Mein guter Ruf bildet die Basis meiner Selbstständigkeit.» Viele Aufträge kämen über zufriedene Kunden, die sie weiterempfehlen. «Ich liebe den Kundenkontakt. Ausserdem ist es ein grosser Vorteil, wenn die Chefin vor Ort ist und man eventuelle Beschwerden gleich an sie richten kann.» Denn dass etwas einmal nicht wie geplant verläuft, komme vor. «Farbmuster, die einen halben Meter lang und 30 Zentimeter breit sind, schauen einfach anders aus. Wenn eine Wand dann in der Farbe gestrichen ist, wirkt das anders.» Dass der Kunde mit seiner Wahl nicht zufrieden ist, ist zwar selten, aber passiert. «Dann muss die Wand überstrichen werden.» Wichtig sei vor allem, dass die Kunden lange Freude an ihrer Arbeit haben.

Klein, aber fein

Pläne für die Zukunft hat Sarah Käppeli noch viele. «Ich habe die Berechtigung, Lehrlinge auszubilden, und den Meister kann ich ebenfalls noch machen.» Seit Kurzem arbeitet sie eng mit zwei jungen Kollegen von der Firma Touch of Design GmbH in Muri zusammen. «Hier können wir Synergien und Ressourcen nutzen.» Ausserdem bietet sie ein «All in one»-Konzept an. «Wenn jemand eine Küche renovieren möchte, kümmere ich mich um alles.» Von der Offerte über den Zeitplan bis zur Kommunikation mit den anderen Handwerkern oder der Bauleitung. Ihr nächstes Projekt wird die Farbgestaltung einer Kita in Merenschwand sein. «Zwölf Räume in ganz vielen Farbtönen gestalten zu dürfen, ist ein Traum von mir.»

«Klein, aber fein» lautet ihre Devise. Alles rund um das Einfamilienhaus sei von der Grösse her in Ordnung. «Ich bin lieber bei Privatkunden.» Hier stehe das Individuelle im Vordergrund. «Vielleicht habe ich ja eines Tages noch ein oder zwei Angestellte. Mehr möchte ich gar nicht.»

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