Mit grosser Lust auf Neues
09.12.2025 Muri, KircheKaplan Biju Scaria wirkt seit Anfang Oktober neu im Pastoralraum Muri und Umgebung
In Indien aufgewachsen, zuletzt acht Jahre in Deutschland gelebt – und nun in Muri. Kaplan Biju Scaria mag Neues. Ihm gefällt die Offenheit, die in der ...
Kaplan Biju Scaria wirkt seit Anfang Oktober neu im Pastoralraum Muri und Umgebung
In Indien aufgewachsen, zuletzt acht Jahre in Deutschland gelebt – und nun in Muri. Kaplan Biju Scaria mag Neues. Ihm gefällt die Offenheit, die in der katholischen Kirche in Europa mehr gelebt wird als in seiner indischen Heimat. Zu Muri und zum Pastoralraum sagt er: «Ich fühle mich bereits zu Hause.»
Annemarie Keusch
Immer wieder ist da dieses herzliche Lachen. Er sei zurückhaltend, sagt Biju Scaria über sich selbst. Und trotzdem strahlt er Offenheit aus. Genau diese Offenheit habe er seit dem ersten Tag auch in Muri gespürt. «Entgegen dem Klischee», sagt er und lacht. Dass die Schweizer offener sind als Deutsche, das entspricht nicht der allgemeinen Meinung. «Aber ich habe es so erlebt. Ich bin sehr dankbar dafür, wie mich die Menschen in Muri aufgenommen haben.» Denn für den Priester ist nicht nur Muri als Gemeinde, der Pastoralraum Muri als Region, sondern das ganze Land neu. «Ich war schon einmal wenige Tage in der Schweiz, mehr aber nicht», gesteht er. Der Start sei bestens verlaufen. «Ich fühle mich bereits zu Hause hier.»
Aufgewachsen ist Biju Scaria im Bundesstaat Kerala im Süden Indiens. In einem kleinen Dorf. «Meine Eltern sind sehr gläubig. Das hat ein starkes Fundament gelegt, dass ich später Priester wurde.» Mit 15 Jahren entschied er sich dazu, trat ins Priesterseminar ein. 2005 begann er, in Rom Theologie zu studieren. 2009 folgte die Priesterweihe und er kehrte nach Indien zurück, verbreitete hier das Evangelium. Bis er vor mittlerweile acht Jahren nach Deutschland kam. Biju Scaria spricht von einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und seinem Heimatbistum, vom Priestermangel, der in Westeuropa herrscht. «Ich bin gerne gegangen. Es fiel mir nicht schwer, meine Heimat zu verlassen.»
Offen, ohne Traditionen zu vergessen
Weil der 43-Jährige Neues mag. «Ich suche das», führt er aus. Entsprechend nutzt er solche Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. So war es auch, als sich sein Abschied aus Köln andeutete. Biju Scaria erzählt von einem Freund, der im Bistum Basel tätig ist. Neues Land, neue Leute – das suchte er. «Das Bistum Basel gilt als sehr offen, geht neue pastorale Wege. Ein idealer Ort für mich», sagt er. Seit dem 1. Oktober wirkt er nun als Kaplan im Pastoralraum Muri und empfindet auch die hiesige Kirche als sehr offen. «Die Unterschiede zur katholischen Kirche in Indien sind gross.» In Indien sei das System konservativer. Die Frauen stehen in der Gesellschaft oft hintenan. «Ihre Leistungen und Fähigkeiten werden – anders als in der Schweiz oder in Europa – häufig nicht gleichermassen gesehen und anerkannt wie die der Männer.» Dafür sei die Verbundenheit mit dem Glauben intensiver. Biju Scaria will nicht das eine dem anderen vorziehen oder werten, was besser ist.
Als Kaplan hält Biju Scaria viele sakramentale Gottesdienste – heilige Messen, Taufen, Beerdigungen und so weiter. Durch die gemeinsame Arbeit mit dem Pastoralteam erweitert sich die Bandbreite der pastoralen Dienste auf spürbare Weise. Das also, wonach sich einige gesehnt haben. «Das spüre ich. Gleichzeitig spüre ich auch, dass für ganz viele Leute Wortgottesdienste wichtig sind. Das ist neu für mich. In Köln fanden kaum Wortgottesdienste statt.» Wieder erwähnt er den Priestermangel, betont, wie wichtig es sei, offen für Neues zu sein. «Das bin ich, zweifelsfrei. Gleichzeitig will ich die Traditionen nicht vergessen.» Der Kaplan verdeutlicht es mit Bildsprache. «In Indien kochen wir Tee nicht selten nur mit Wasser und Teepulver. Man kann auch Milch, Zucker oder Gewürze beifügen. Vielleicht mögen die einen den Tee ursprünglich, die anderen mit weiteren Zutaten. Aber Tee bleibt Tee.»
Sich aktuellen Themen nicht verschliessen
Den Leuten zuhören, spüren, was sie von ihm erwarten – das ist Biju Scaria wichtig. «Denn diese Leute sind die Kirche und ich bin da für sie.» Natürlich bringe er auch eigene Ideen mit, lasse diese hie und da einfliessen. Zudem will er sich vor aktuellen Themen nicht verschliessen. Dabei geht es um Fragen wie: die Präsenz mehrerer Seelsorgender (Laien), eine moderne musikalische Begleitung – etwa durch die Jugend – sowie neue Wege und Methoden, um den Gottesdienst lebendig, einladend und im Glauben vertiefend zu gestalten. «Ich wiederhole mich, aber es ist wichtig, offen zu sein und Neues zu wagen, ohne die Wurzeln zu vergessen.»
Neues gewagt hat der 43-Jährige mit dem Umzug in die Schweiz, nach Muri. Es gefalle ihm an seinem neuen Wohnort. In den acht Jahren in Deutschland habe er sich auch an die kühlen Temperaturen im Winter gewöhnt. Die Natur imponiert ihm, natürlich die Klosterkirche. Und in seiner neuen Heimat eröffnen sich neue Perspektiven, seinem Hobby nachzugehen: dem Reisen. «Ich habe viele Videos von schönen Orten in der Schweiz gesehen. Ich mag vor allem Berge und Seen – da gilt es in den nächsten Monaten und Jahren einiges zu entdecken.» Er sei angekommen, sagt Biju Scaria, beruflich wie auch privat.

