Motivation sein
25.07.2025 MuriSie hat richtig entschieden
Jana Anderhub wollte Metzgerin werden
Bereits in der Schnupperlehre war ihr klar, dass sie Produkte herstellen will und nicht nur verkaufen. So entschied sich Jana Anderhub, die Lehre als Metzgerin Fachrichtung Veredelung zu ...
Sie hat richtig entschieden
Jana Anderhub wollte Metzgerin werden
Bereits in der Schnupperlehre war ihr klar, dass sie Produkte herstellen will und nicht nur verkaufen. So entschied sich Jana Anderhub, die Lehre als Metzgerin Fachrichtung Veredelung zu machen. Den Entscheid hat sie keinen Augenblick bereut.
Im Lehrbetrieb, der Metzgerei von Diego Huwyler in Beinwil, fand sie ihren Lehrmeister. Er ist von seiner Lehrtochter begeistert. «Ein Lehrling, wie man es sich wünscht.» --vaw
Jana Anderhub, Muri, hat als beste Metzgerin Fachrichtung Verarbeitung abgeschlossen
Sie hat einen Notendurchschnitt von 5,7 an der Lehrabschlussprüfung erzielt. Die Freude, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, spricht Bände. Ihr Lehrmeister Diego Huwyler sagt von Jana Anderhub, sie sei ein Lehrling, wie man ihn sich wünscht.
Verena Anna Wigger
Sie ist zierlich und ihr Schritt ist klar und zielgerichtet, wenn sie wohin geht. So zielstrebig beschreibt auch ihr Lehrmeister Diego Huwyler seinen dritten Lehrling. Dass dies eine Frau ist, freut ihn, und auch ihr Abschneiden an der Lehrabschlussprüfung überrascht ihn nicht.
Jana Anderhub war seine erste Lehrtochter als Metzgerin Fachrichtung Verarbeitung. Er sagt: «Es ist klar, dass eine Frau eine Tierhälfte auf eine andere Weise hebt als ein Junge.» Jana Anderhub erinnert sich an die Situation aus den Anfängen ihrer Lehre. «Ich musste auf zwei Kisten stehen, um überhaupt hochzukommen.» Damit sie eine Tierhälfte von der Rohrbahn im Betrieb heben konnte, um sie zu verarbeiten. Damals hätten ihr die Kraft und die Technik gefehlt. Mittlerweile sehe dies anders aus. Sie hat ihren Weg gefunden mit Arbeiten, die für sie als Frau eine Herausforderung sind.
Gute Wahl getroffen
Das beginnt bereits bei der Wahl ihres Berufs. Ursprünglich macht Anderhub auf Anraten ihres Vaters eine Schnupperlehre im Laden der Metzgerei. Den Betrieb kennt sie bereits, denn Anderhubs Vater führt einen Schweinemastbetrieb, ist Lieferant für die Metzgerei Huwyler. «Ich war zu scheu, mich bei einem anderen Betrieb zu bewerben», erzählt sie schmunzelnd. «Aber das ist die beste Entscheidung für mich gewesen.» Während der Schnupperlehre im Laden stellt sie fest, dass ihr Interesse mehr darin besteht, wie die Produkte hergestellt werden. «Ich wollte wursten», erinnert sich Anderhub. So sucht sie das Gespräch mit ihrem späteren Lehrmeister. Diego Huwyler gibt ihr die Chance mit der Option, dass sie nach drei Monaten in den Laden wechseln könnte, wenn es nicht klappt.
Der Wechsel wurde nie mehr angesprochen. Sie ist eine der wenigen Frauen in der Verarbeitung, manchmal sogar die einzige. «Ich wurde am Anfang oft belächelt», erinnert sie sich. Das erlebt sie in der Berufsschule wie auch in den überbetrieblichen Kursen, die sie während der Lehre besucht. Doch im Lehrbetrieb wird sie unterstützt. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass diese Möglichkeit noch lange nicht in allen Betrieben vorhanden ist. So freut sie sich über ihren Abschluss, denn das habe ihr auch gezeigt, was alles möglich ist. Einfach, weil sie eine Frau ist, möchte sie nicht in den Laden «gestopft» werden. Daher freut sie sich, dass sie im Lehrbetrieb, der Metzgerei Huwyler in Beinwil, ein so grossartiges Team gefunden hat und dass es Spass macht, in diesem Betrieb zu arbeiten.
Sehr gefreut hat sich Jana Anderhub auch, dass sie ihren Beruf an der Berufsmesse in Lenzburg vertreten durfte. Denn sie möchte das Bild der Metzgerin Fachrichtung Veredelung breiter bekannt machen. «Es ist sehr interessant, wie Produkte hergestellt werden», sagt sie. Aber auch die Rückmeldungen, welche sie an der Messe erhalten hat, und der wertschätzende Austausch haben sie beeindruckt. Sie wurde auch angesprochen, wie das sei, als Frau diesen Beruf auszuüben. Und wie offen die Besucher damit umgegangen sind.
Respekt gegenüber den Lebewesen
Offen sein und mit Respekt umgehen, das hat Jana Anderhub bereits von jung an gelernt. Aufgewachsen auf einem Betrieb mit Nutztieren war es ihr immer bewusst, dass diese irgendwann weggebracht werden. Heute in der Metzgerei sagt sie: «Bei uns werden Lebewesen angeliefert und wir machen daraus respektvoll verarbeitete Produkte.» Gelernt hat sie diesen Umgang von ihrem Vater. Sie erzählt, wie wichtig ihm das Tierwohl ist: «Er schaut gut zu den Tieren.» Das führt sie nun weiter.
Diesen Respekt lässt sie in ihre Arbeit einfliessen. Für die Abschlussprüfung durfte sie sehr viel selbst zusammenstellen. Neben dem Zerlegen eines halben Schweins waren auch ein hinterer Viertel eines Kalbs und Teilstücke eines Rinds dabei. Natürlich hat sie auch gewurstet und verkaufsfertige Produkte wie Fleischvögel und Cordon bleus hergestellt. Dass die Prüfung so gut herausgekommen ist, freut sie sehr. Denn darauf habe sie drei Jahre hingearbeitet. «Der ganze Aufwand hat sich gelohnt», so ihr Fazit.
Vom Lehrling zur Lehrlingsbetreuerin
Die erfolgreiche Metzgerin bleibt ihrem Lehrbetrieb treu. Sie wird im Herbst zwei Lehrlinge als Lehrlingsbetreuerin begrüssen. Besonders freut es sie, dass einer davon eine Frau ist. Überhaupt möchte sie gerne Motivation für andere Mädchen sein, ihrem Berufswunsch zu folgen und diesen zu ergreifen. Auch wenn es sich dabei eher um einen «Männerberuf» handelt. Dies zumindest abklären sollten sie. Anderhub selbst wird ihren Lehrlingen ab dem Herbst all das, was sie gelernt hat, weitergeben.
Vorab aber wird sie nochmals den Feinschliff wagen. Als Jahrgangsbeste wurde sie an die Swiss Skills eingeladen. In den nächsten Wochen wird sie mit ihrem Team abklären, was möglich und was vorhanden ist, und dann entscheiden, welche Aufgaben sie anlässlich dieser Berufsmeisterschaft präsentieren wird. Zusammen mit ihren Teamkollegen wird sie Ideen sammeln und nach dem Entscheid vor allem üben, üben, üben und sich auf den Anlass vorbereiten.
Berufsbezeichnungen
Früher kannte man verschiedene Bezeichnungen wie Metzger, Fleischer, Schlachter, Fleischhauer, Knochenhauer und Küter, die teils unterschiedliche Schwerpunkte in der Tätigkeit hatten. Dazu gab es die Charcuterie-Verkäuferin.
Heute heissen alle Berufe offiziell und einheitlich Fleischfachmann/- frau, dafür gibt es drei Fachrichtungen. Zum einen Fachrichtung Gewinnung, wo, wie es der Name schon aussagt, die Tiere geschlachtet und ausgenommen werden. Zum anderen die Fachrichtung Verarbeitung, welche dem früheren Metzger nahe ist. Dazu die Mitarbeiterinnen im Laden, die heute Fleischfachmann/-frau
Fachrichtung Veredelung heissen.