Muri bückt sich – und hilft dem Forst
31.03.2026 MuriWaldarbeitstag der Ortsbürgergemeinde
In Muri gehört die jährliche «Waldputzete» fest zum Dorfleben. Was einst aus einer Notsituation nach einem schweren Sturm entstand, ist heute eine gelebte Tradition, die Generationen verbindet und zeigt, wie ...
Waldarbeitstag der Ortsbürgergemeinde
In Muri gehört die jährliche «Waldputzete» fest zum Dorfleben. Was einst aus einer Notsituation nach einem schweren Sturm entstand, ist heute eine gelebte Tradition, die Generationen verbindet und zeigt, wie wichtig freiwilliges Engagement für die Natur ist.
Das Wetter am Samstag passte: Es war kühl und zunächst trocken – ideale Bedingungen für die anstehende Schlagräumung. Schon am Versammlungsort lag eine vorfreudige Stimmung in der Luft; es roch nach jungem Bärlauch und frisch geschlagenem Holz. Nach der Begrüssung durch Hanspeter Frey, Präsident der Ortsbürgerkommission, übernahm Betriebsleiter und Forstwart Oliver Eichenberger die fachliche Unterweisung. Beide betonten ihren Dank für das grosse Engagement der über 50 erschienenen Freiwilligen.
Kaum war das Briefing beendet, machten sich die Helfer an die Arbeit. In den zugewiesenen Schlagflächen packten sie ohne Zögern an, während das Heulen der Motorsägen durch die Luft dröhnte. Parallel dazu war auch eine Gruppe von Jägern aktiv. Sie errichteten die im Frühjahr notwendigen Wildschutzvorrichtungen, um die jungen Triebe und Stämme vor Verbiss zu sichern.
Generationen im Einsatz
«Alle Jahre wieder» lautet das Motto von Hanspeter Schriber: «Seit unser Sohn Marco beschlossen hat, hier seine Lehre als Forstwart zu machen, sind wir mit dabei.» Er betont die Wichtigkeit dieser Unterstützung: «Ohne die Hilfe der Freiwilligen hätten die Förster keine Chance, die nötigen Mannstunden zur Räumung aufzubringen. Sie müssten die Äste dann einfach liegen lassen.» Sein Schwiegersohn war extra aus Bassersdorf angereist, um die lokale Forstpflege zu unterstützen: «Ich bin zwar das erste Mal mit von der Partie, dafür aber wahrscheinlich der am weitesten Gereiste», stellte er lachend fest.
Dass auch für die Zukunft des Waldes gesorgt ist, sah man direkt vor Ort: Viele Kinder halfen fleissig mit und lernten so, was es heisst, Verantwortung für die Natur zu übernehmen.
«Liefere statt lafere»
Auch für die Freundinnen Renate Buchser und Bernadette Huwiler ist es die besondere Atmosphäre, die sie immer wieder zurückkehren lässt. «Es ist eine schöne Abwechslung zur gewohnten Arbeit und lebt von der Gruppe, vom Miteinander. Wir gehen beide gerne im Wald spazieren oder treiben Sport. So ist es doch schön, der Natur etwas zurückgeben zu können», erklärten sie strahlend, ohne dabei das fleissige Sammeln von Ästen zu unterbrechen.
Unter die Freiwilligen mischten sich auch bekannte Gesichter: Milly Stöckli, ehemalige Gemeinderätin und Präsidentin der Ortsbürgerkommission, liess es sich nicht nehmen, erstmals ohne offizielles Amt, dafür mit umso mehr Elan tatkräftig mitzuwirken. Getreu dem Motto «liefere statt lafere» wurde mit einer solchen Geschwindigkeit angepackt, dass sich der Boden bereits nach kurzer Zeit lichtete. Dank den vielen helfenden Händen waren die Äste bald fein säuberlich auf Haufen geschichtet und das Gelände somit bereit für den Frühling.
Ein Anlass mit langer Geschichte
Die Wurzeln der «Waldputzete» reichen weit zurück – das genaue Gründungsjahr lässt sich heute kaum mehr beziffern. Josef Stierli, der als Ortsbürgergutsverwalter 35 Jahre lang die Fäden in der Hand hielt, erinnert sich an die Anfänge: «Nach einem heftigen Sturm bat das Forstamt die Bevölkerung um Mithilfe. Diese Räumung war ein so grosser Erfolg, dass der Anlass fortan jedes Jahr durchgeführt wurde.» Soweit er sich erinnert, musste dieser bisher lediglich einmal aufgrund von Starkregen abgesagt werden. Besonders erfreulich: «Die Menschen zieht es wieder vermehrt in die Natur. Ob hier, am ‹Wümmet› am Rebberg oder am alle zwei Jahre stattfindenden Waldumgang: Wir spüren gerade seit Corona einen stetigen Zulauf an neugierigen Helfern.»
Pünktlich zum Feierabend verschlechterte sich das Wetter. Doch der Regen vermochte die Stimmung keineswegs zu trüben – er passte ideal zum Abschluss der getanen Arbeit. Die Helfer zog es zur Tannenlaube ans wärmende Feuer. Dort genoss man bei Wurst und Brot das gemütliche Beisammensein, tauschte Geschichten aus und liess den Tag gemeinsam ausklingen. Ein wohlverdienter Abschluss für einen Einsatz, bei dem am Ende alle gewinnen: die Helfer, die Gemeinschaft und vor allem der Wald. --sca



