Murianer im Tatort

Fr, 23. Okt. 2020
Roland Koch als Abteilungsleiter Peter Herzog im neusten Schweizer Tatort «Züri brännt». Bilder: SRF / Sava Hlavacek

«Züri brännt» mit Schauspieler Roland Koch

Die Kritiker sind sich uneins. Den einen gefällt der neue Schweizer Tatort, der in Zürich spielt. Die anderen konnten mit der nicht einfachen Geschichte in «Züri brännt» gar nichts anfangen. Keine dieser Kritiken gelesen hat Schauspieler Roland Koch. «Ich versuche das zu vermeiden», sagt Koch. Er spielt Polizeichef Peter Herzog. Sein erster Auftritt im neuen Zürcher Tatort war gleich sein letzter. --ake


Tatort zum Dritten

Der in Muri aufgewachsene Schauspieler Roland Koch im Tatort «Züri brännt»

Er war fünf Jahre lang Kommissar im Bodensee-Tatort. Im Luzerner Tatort spielte er in einer Folge einen Industriellen. Und nun ist der Murianer Schauspieler Roland Koch zurück auf der Seite der Ermittler, als Polizeichef Peter Herzog im ersten Zürcher Tatort. Er spricht darüber und über seine Verwurzelung in Muri.

Annemarie Keusch

Seit Jahrzehnten lebt Roland Koch in Wien. Sein österreichischer Akzent ist am Telefon durchaus hörbar. Seine Wurzeln ins Freiamt, zu Uezwil, wo er geboren wurde und vor allem zu Muri, wo er aufwuchs, pflegt der 61-Jährige aber nach wie vor. «Meine Eltern leben in Muri, meine fünf Schwestern im Grossraum Freiamt. Die Verbindung ist sehr stark da», sagt Roland Koch. Nicht regelmässig, aber immer, wenn es der in normalen Zeiten prall gefüllte Kalender zulässt, reist er ins Freiamt. Oft dabei sind und waren auch seine Töchter. «Wer sieht zuerst das Kloster?», ein Spiel, das auf der Fahrt immer dazugehörte.

Roland Koch spricht von einer emotionalen Verbindung zu Muri. Hier verbrachte er die Jugend «und es heisst, das seien die wichtigsten Jahre». Das, was er mache, das, was aus ihm geworden sei, habe seinen Ursprung hier. «Es sind viele Erinnerungen, die immer wieder aufblühen. Oft nur schon, wenn ich die Silhouette des Klosters sehe», sagt Koch.

Dreharbeiten vor einem Jahr

Um im deutschsprachigen Raum als Schauspieler erfolgreich zu sein, verliess Roland Koch seine Heimat. Seit Jahrzehnten lebt er in Wien, ist Teil des dortigen Burgtheaters. Immer wieder taucht er auf den heimischen Fernsehbildern in Tatort-Folgen auf. Fünf Jahre lang ermittelte er als Matteo Lüthi am Bodensee, im Luzerner Tatort spielte er in einer Folge einen Industriellen. Und nun, im lange angekündigten und mit Spannung erwarteten ersten Zürcher Tatort, ist Koch wieder dabei, als Polizeichef Peter Herzog. «Es ist ungewöhnlich, dass Schauspieler die Seite wechseln», sagt er. Aber die Casting-Verantwortlichen hätten darin kein Problem gesehen.

Grünes Licht für Kochs drittes Engagement in einer anderen «Tatort-Stadt». Ein Jahr sind die Dreharbeiten her. «Von Corona war noch nichts zu spüren, kaum vorstellbar heute», sagt er. Koch erinnert sich an eine extrem gut vorbereitete Regisseurin Viviane Andereggen. Den Kameramann kannte er von früheren Projekten. Die Dreharbeiten liefen konzentriert und diszipliniert ab. «Trotzdem, man merkte, dass es etwas Neues wird, die Schauspieler neugierig sind aufeinander. Eine gewisse Spannung war da.» Von Druck will Koch aber nicht sprechen. «Es konnten sich alle zu hundert Prozent auf dieses Projekt einlassen.»

Kultstatus als Glücksfall

Lange war Kochs Gastspiel im Zürcher Tatort nicht. Am Ende von «Züri brännt» nimmt sich Polizeichef Herzog das Leben. «Ich habe von einigen Seiten gehört, dass es schade sei, dass ich nach einer Folge wieder weg bin. Ein schönes Kompliment», sagt Roland Koch. Kritiken in Zeitungen oder auf Onlineportalen versucht er nicht zu lesen, beschränkt sich auf Rückmeldungen aus seinem Umfeld. Diese seien durchwegs positiv gewesen. Und Koch sagt, dass es auch bei den Dreharbeiten ein Thema gewesen sei, dass er nur in der einen Folge mitspiele. «Aber das ist eben die Geschichte und diese lässt sich nicht einfach ändern.»

Überhaupt habe er sich im Vorfeld der Dreharbeiten sehr intensiv mit dieser Geschichte beschäftigt und nicht mit der Wirkung, die diese auslöst. «Ich weiss, dass Tatort schon lange Kult ist, aber die Arbeit für uns Schauspieler ist die gleiche, wie bei anderen Projekten.» Der Kultstatus sei ein Glücksfall. Und Koch spricht davon, dass das allsonntägliche Tatort-Schauen eigentlich ein Relikt aus alter Zeit ist. «Das ist eine Art des Fernsehschauens, die es eigentlich nicht mehr gibt.»

Professor in Wien

Der Zürcher Tatort ist für Roland Koch also schon nach der ersten Folge vorbei. Langweilig wird es dem Schauspieler deswegen noch lange nicht. Seit 1999 gehört er zum Ensemble des Burgtheaters in Wien. «Hier ist es aktuell auch nicht einfach.» Corona lässt grüssen. Die Projekte gehen ihm aber nicht aus. Im Januar ist beispielsweise ein Historienfilm geplant. Und seit drei Jahren ist er als Professor in Wien tätig, was einen grossen Teil seiner Tätigkeit ausmache. Zudem ist er nicht unglücklich, in dieser speziellen Situation mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. «Ich muss nicht Angst haben, auf der Strasse zu landen. Es ist immer etwas im Tun», sagt er.

Und es bleibt vielleicht auch mehr Zeit, für die eine oder andere Reise nach Muri – wenn es die Reiseeinschränkungen zulassen.

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