Musiktalente aus der ganzen Welt
27.02.2026 Muri, MusikDer Wettbewerb «The Muri Competition» findet zum fünften Mal statt – mit Murianer Beteiligung
Aufstrebende Oboisten und Fagottisten auf ihrem Weg zu internationalem Ansehen und zu nachhaltigem Erfolg erleben – diese Möglichkeit bietet ...
Der Wettbewerb «The Muri Competition» findet zum fünften Mal statt – mit Murianer Beteiligung
Aufstrebende Oboisten und Fagottisten auf ihrem Weg zu internationalem Ansehen und zu nachhaltigem Erfolg erleben – diese Möglichkeit bietet «The Muri Competition» im April zum fünften Mal. Mit dabei ist Leonardo Bizzotto.
Thomas Stöckli
Vom 9. bis 19. April messen sich in den Räumlichkeiten des Klosters Muri wieder junge Oboisten und Fagottisten aus aller Welt. Mehr als 300 talentierte Solistinnen und Solisten haben sich für den Wettbewerb beworben, der Muri alle drei Jahre ins Zentrum der weltweiten Gemeinschaft von Oboisten und Fagottisten rückt. Als Wettbewerbspreise locken Stipendien und Auftrittsmöglichkeiten, mit dem Ziel, die jungen Musikerinnen und Musiker auf ihrem weiteren musikalischen Weg zu unterstützen.
Interessante Stücke
Pro Instrument werden maximal 50 Teilnehmende zugelassen. Unter ihnen auch der Murianer Leonardo Bizzotto. «Heimvorteil» erhielt er keinen: Die Vorjury hörte sich im Online-Bewerbungsprozess jede Aufnahme anonym an, im Sinne von Fairness und Qualität.
Die Auswahl der Pflichtstücke sei gut gewesen, sagt Leonardo Bizzotto: «Es handelt sich um zwei wichtige Werke für das Fagott, die sich jedoch stark unterscheiden und jeweils ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringen.» Besonders interessant fand er, dass es für Mozarts Sonate in B-Dur (KV 292) einen Cellisten als Duopartner zu finden galt, während sonst Aufnahmen mit Klavier üblich seien. Wie beim zweiten Pflichtstück, dem «Concertino for Bassoon in B flat major» von Bernhard Crusell.
Vom Helfer zum Teilnehmer
Als sein Vater Renato Bizzotto, Artistic Director von «The Muri Competition», den Wettbewerb 2013 erstmals lancierte, «mit der Vision, Muri – unser Dorf, unser Kloster – auf die Weltkarte der Musik zu setzen», war Leonardo Bizzotto gerade einmal 14 Jahre alt und spielte seit zwei Jahren Fagott. «Mein Vater verpflichtete mich damals, beim Anlass mitzuhelfen», blickt er zurück. So begleitete Leonardo Bizzotto die Studierenden zu ihren Vorspielen – «auch wenn ich in dieser Zeit natürlich lieber Fussball gespielt hätte».
Heute ist Muri zu einer Marke geworden, die jeder Oboist und jede Fagottistin auf professionellem Niveau kennt – weltweit. «Da ich wusste, dass es sehr viele Bewerberinnen und Bewerber gibt, war ich umso glücklicher, mich qualifizieren zu können.» Für ihn als echten Murianer sei es eine grosse Freude, am Wettbewerb teilnehmen zu dürfen. «Ich hoffe, dass viele Freunde meine Vorspiele besuchen werden. Für mich ist der Wettbewerb wie ein Konzert vor kompetenten Jurorinnen und Juroren. Ich konzentriere mich ganz auf die Musik und hoffe, eine berührende Geschichte erzählen zu können.»
Wichtiger Türöffner
Und wie schätzt Bizzotto junior seine Gewinnchance am Wettbewerb ein? Das sei schwierig, findet er. «Mit einer guten Vorbereitung, mentaler Stärke und viel Freude am Musizieren stehen meine Chancen jedoch sicher nicht schlecht.» Bereits die Qualifikation für den Wettbewerb bezeichnet der Murianer Fagottist als ersten Türöffner. «Sollte ich es bis in die Finalrunde schaffen, wäre das eine grosse Visitenkarte und ein wichtiges Qualitätsmerkmal für zukünftige Vorspiele.»
Bis zum 7. März ist er als Senior Student am Royal College of Music in Manchester engagiert. «Dort spiele ich Kammermusik in verschiedenen Ensembles, wirke bei Orchesterkonzerten mit und unterrichte gelegentlich Bachelorstudierende.» Ab dem 8. März wird Leonardo Bizzotto sich ganz auf den Wettbewerb sowie auf zukünftige Orchestervorspiele konzentrieren. «Ab dem 9. Mai darf ich für einen Monat als Solofagottist an der Opera di Roma in einer Rossini-Produktion sowie in einem Sinfoniekonzert mitwirken.» Dafür werde er in Parma wohnen, wo er sich während eines Semesters mit seinem Professor Stefano Canuti vorbereite.
Musik-Leidenschaft erleben
«Es gibt einige Dinge über die eigene Musikalität und die Musik selbst, die man nur auf einer Wettbewerbsbühne lernen kann», sagt Enrico Bassi, Solofagottist des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters und Gewinner des 1. Preises Fagott 2023. «In Muri konnte ich von grossartigen Musikern lernen und wunderbare Menschen kennenlernen.» Auch für Nur Meisler, der hinter ihm den zweiten Rang belegt hat, erwies sich «The Muri Competition» rückblickend als entscheidender Karriereschritt: «Er verschaffte mir Sichtbarkeit in der Musikwelt und das Selbstvertrauen, mich sowohl als Orchestermusiker als auch als Solist weiterzuentwickeln», so der Solofagottist.
Und was macht «The Muri Competition» für das Publikum besonders interessant? «Es bietet sich die Möglichkeit, jungen Musikerinnen und Musikern zuzuhören, die mit grosser Leidenschaft musizieren – oder einfach wunderbare Musik auf zwei eher seltenen Blasinstrumenten zu erleben», macht Leonardo Bizzotto einen Besuch schmackhaft: «Besonders spannend ist es, verschiedene Interpretationen desselben Stücks zu hören und zu entdecken, wie unterschiedlich man die gleiche Musik gestalten kann.»
Das Programm
Im Rahmen von «The Muri Competition» spielen Nachwuchstalente aus aller Herren Ländern auf Weltklasse-Niveau um die Wette. In der 1. Runde vom Freitag, 10., bis Sonntag, 12. April, spielen die Teilnehmenden in je 20 Minuten die «Sonate in d-Moll» von Carl Philipp Emanuel Bach, Wq. 132, dazu entweder das «Concertino» von Marcel Bitsch, «Interférences I» von Roger Boutry oder «Hallucinations» von Alain Bernau.
In der 2. Runde vom Dienstag, 14., und Mittwoch, 15. April, stellen die Teilnehmenden ein dreiteiliges Programm zusammen, das maximal 40 Minuten dauern darf, wobei für jeden Teil zwei bis drei Optionen zur Auswahl stehen. In den ersten beiden Runden dürfen die Teilnehmenden auf Klavierbegleitung zählen.
Im Halbfinal vom Freitag, 17. April, steht den Solistinnen und Solisten ein Kammerorchester zur Seite, am Finalkonzert vom Sonntagabend, 19. April, dann ein «richtiges» Orchester. Da gilt es, das «Fagottkonzert in F-Dur, op. 75» von Carl Maria von Weber auswendig zu spielen. Die Preisverleihung findet im Anschluss ans Finalkonzert statt.



