Nicht alles ist genau planbar
09.01.2024 MuriPionierin, mit Vor- und Nachteilen
Die Bauarbeiten bei der ARA Muri sollen möglichst noch dieses Jahr abgeschlossen werden
Immer mehr Fremdstoffe aus dem Wasser filtern, das ist das Ziel. Und darum wird bei der ARA Muri seit Sommer 2021 ...
Pionierin, mit Vor- und Nachteilen
Die Bauarbeiten bei der ARA Muri sollen möglichst noch dieses Jahr abgeschlossen werden
Immer mehr Fremdstoffe aus dem Wasser filtern, das ist das Ziel. Und darum wird bei der ARA Muri seit Sommer 2021 gebaut. Noch fehlt das Herzstück, die GAK-Filtration.
Annemarie Keusch
Grosse Abwasserreinigungsanlagen gibts bereits, die mit Hilfe von granulierter Aktivkohle, Pulveraktivkohle oder Ozonierung die Mikroverunreinigungen aus dem Wasser filtern oder spalten. «Wir sind eine der ersten Kleinkläranlagen, die ein solches Projekt realisieren», sagt die zuständige Gemeinderätin Milly Stöckli. Beispiele, anhand deren man Fehler vermeiden oder aus denen man Schlüsse ziehen könnte, fehlen weitgehend. «Entsprechend machen wir manchmal Zusatzschlaufen. Neue Erkenntnisse tauchen immer wieder im Laufe des Prozesses auf. Das ist normal, wenn man vorangeht», sagt Stöckli.
Die Gemeinde Muri ist also Pionierin wenn es darum geht, das Wasser zu reinigen. Oder besser gesagt, sie ist es bald. Seit Sommer 2021 laufen die vielseitigen Sanierungsarbeiten an der ARA, seit letztem Sommer wird das Herzstück, die GAK-Anlage, installiert. Das Gebäude also, in dem mittels granulierter Aktivkohle Mikroverunreinigungen aus dem Wasser geholt werden.
Unter anderem der Schnee sorgt für Verzögerung
Gegen zwölf Millionen Franken kostet das Grossprojekt. Schon letztes Jahr hätte es fertig sein sollen. «Wir schaffen es dieses Jahr, sofern das Wetter mitspielt», sagt Milly Stöckli. Der Schneefall Anfang Dezember sorgte nun aber für weitere Verzögerungen.
Keine einfache Situation, vor allem für Clemens Schaffhauser, der seit April Klärmeister ist. «Die ersten Monate waren nicht einfach, aber es ist spannend, ein solches Projekt zu begleiten», sagt er. Er blicke dem Abschluss zuversichtlich entgegen. Trotzdem, konkrete Prognosen, wann das Projekt fertig sein soll, wagen Schaffhauser und Stöckli keine.
Die Sanierung der ARA läuft auf Hochtouren, sofern das Wetter mitspielt
Fast zwölf Millionen Franken. Projekte in dieser finanziellen Grössenordnung sind auch in Muri selten. Die Sanierung der ARA zieht sich nun seit über zwei Jahren hin. Dieses Jahr nun soll das Projekt einen Abschluss finden. Dafür darf es in den nächsten Wochen und Monaten aber nicht zu kalt sein.
Annemarie Keusch
Dass kurz nach dem Jahreswechsel alles stillsteht auf der Baustelle bei der ARA, das verwundert nicht. Nur herrscht diese Ruhe schon viel länger als eigentlich gewünscht. «Es kam wegen des Schnees Anfang Dezember zu Verzögerungen», sagt Klärmeister Clemens Schaff hauser. Wegen der kalten Temperaturen war es für die Maurer unmöglich, eine zweite Wand für das neue GAK-Gebäude hochzuziehen. Entsprechend stauen sich alle weiteren anstehenden Aufgaben. «Das Ziel wäre klar gewesen, dass diese Mauer Ende Jahr steht. Aber wir können das Wetter nicht beeinflussen und auf Biegen und Brechen etwas versuchen zu erzwingen, das bringt nichts», ist Schaffhauser überzeugt.
Zumal der Wintereinbruch Anfang Dezember nicht der erste Grund für Verzögerungen beim Millionenprojekt bei der ARA ist. Beim Spatenstich im Sommer 2021 wurde angetönt, dass das Projekt 2023 abgeschlossen sein soll. Dieses Ziel wurde verfehlt. Es gibt kleinere Erklärungen dafür, etwa dass die Grundwasserabsenkung für das neue GAK-Gebäude viel aufwendiger war als gedacht. «Weil das Wasser immer steigt und der Baugrund nicht gefüllt werden sollte, mussten wir tiefer graben, mehr Sickerkies beigeben und einen zusätzlichen Schacht bauen», erklärt Clemens Schaffhauser.
Diskussionen um Fassade
Aber eben, es gibt auch andere Gründe. Zum Beispiel die Fassade des neuen GAK-Gebäudes. Die zuständige Gemeinderätin Milly Stöckli erklärt: «Es ist ein markantes, hohes Gebäude. Entsprechend war es uns wichtig, dass die Fassade auch architektonisch etwas hergibt. Bis das aber entschieden werden konnte, brauchte es viele Abklärungen und Zeit.» Die Idee einer Holzverkleidung machten die Experten zunichte. Die Prozesse im Innern der Filteranlage würden dafür sorgen, dass das Holz schnell zu faulen beginne. Geeinigt habe man sich schliesslich auf eine Betonfassade, eine gemusterte. «Wir nahmen diese Verzögerungen bewusst Kauf. Und ja, wir müssen zugeben, dass wir zum Beispiel dieses Thema nicht schon von Anfang an auf dem Radar hatten», sagt Stöckli.
Es sei nicht das einzige Thema, das erst im Verlaufe der Planungsarbeiten aufkam. «Das ist so, wenn wir als Gemeinde als Pionierin vorangehen und nicht alles an bereits bestehenden Beispielen abschauen können», betont Stöckli. Dass zum Beispiel das neue Gebäude eine spezielle Belüftung brauche, dass der Aussenaufgang für das Personal nicht aus Eisenstangen bestehen könne, die im Winter vereist und gefährlich werden, und dass für die Solaranlage auf dem Dach die Ausstiegsluke richtig platziert wird. «Eines ergab das andere. Wir drehten uns auch manchmal im Kreis, aber wir taten das lieber in der Planungs- als jetzt in der Realisierungsphase», gesteht die Gemeinderätin.
Viele Arbeiten vorher erledigt
Angesichts der Verzögerungen aufgrund des Wetters und der Möglichkeit, dass tiefe Temperaturen auch in den nächsten Wochen, gar Monaten, ein Arbeiten der Maurer verunmöglichen könnten, stellt sich die Frage, warum nicht anders geplant wurde. «Das wäre schwierig gewesen», sagt Milly Stöckli. «Primär mussten zuerst die Pläne überhaupt fertig sein, bevor realisiert werden konnte. Und das dauerte eben seine Zeit, sodass diese Betonarbeiten in die kalten Monate kamen.» Clemens Schaffhauser ergänzt, dass dem Bau der GAK-Anlage eine Vielzahl an grösseren und kleineren Sanierungen voranging. Ein neues Hybrid-Wirbelbett etwa oder die Sanierung der anderen Biologiebecken, ein neues Havariebecken, eine neue Schlammentwässerung, ein neuer Gasspeicher. «Da einfach die Reihenfolge zu ändern, das wäre schlicht nicht möglich», weiss Schaffhauser.
Zumal all diese Renovationsarbeiten seit zweieinhalb Jahren bei laufendem Betrieb durchgeführt werden müssen. «Dies haben wir bisher gut gemeistert, die Grenzwerte werden immer eingehalten, auch wenn es durchaus herausfordernde Momente gab und wohl auch weiterhin gibt.» Denn auch Schaffhauser weiss, was es mit sich bringt, als Pionierin voranzugehen. «Man muss mit Unvorhergesehenem rechnen.» Muldenstrasse, Dosieranlage, Schneckenpresse, alle Anschlüsse und eben zuallererst die Betonarbeiten – alleine schon die Installation der Aggregate, Rohrleitungen, Steuerungskästen für die neue GAK-Stufe sei eine Herausforderung, da jede ARA ein Unikat ist.
Erste drei Monate alleine
Und Clemens Schaffhauser und sein Team meistern das bei laufendem Betrieb, obwohl er erst seit April Klärmeister ist. Klar, er war vorher acht Jahre lang im Pensum zwischen 25 und 60 Prozent Paul Strebels Stellvertreter. «Die ersten drei Monate als Klärmeister war ich allein. Personalengpässe, eine teils neue Anlage, eine laufende Sanierung. Ja, einfach war es anfangs nicht», gesteht er. Doch mit dem Abschluss als eidgenössischer Klärwerkfachmann wurde der Rucksack zusätzlich mit Wissen gefüllt. Zumal mittlerweile mit Stephan Lang ein Stellvertreter in einem 50-Prozent-Pensum gefunden wurde.
Ganz viel Fokus liegt bei der ARA aktuell also beim neuen GAK-Gebäude. Schaffhauser weiss allerdings, dass auch sonst noch nicht alle Sanierungsarbeiten ganz abgeschlossen sind. «Etwa der Asphaltbelag oder die Umgebung, aber zuerst soll es nun hoffentlich bald beim Betonieren vorwärtsgehen.» Dass vieles parallel läuft und ständig Neues hinzukommt, das bringt den neuen Klärmeister nicht aus der Ruhe. «Eine Kläranlage steht nie still.» Immer mehr soll aus dem Wasser gefiltert werden. Schaffhauser kennt schon das Nächste: die Stickstoffelimination. «Aktuell nehmen auch wir Proben, bis 2028 sollen Richtwerte definiert sein. Was das für unsere Anlage bedeutet, das lässt sich noch nicht sagen. Aber es kommt immer wieder Neues.»