Nicht aufhören zu hoffen
29.12.2023 Muri«Das gerettete Leben» – Weihnachtsspiel der Reformierten Kirche Muri Sins
Es ist Krieg. Viele Menschen sind auf der Flucht und suchen Zuflucht bei Varenka. Und dort erleben sie das, worauf wohl auch viele hoffen, die aktuell in Kriegsgebieten leben: ein ...
«Das gerettete Leben» – Weihnachtsspiel der Reformierten Kirche Muri Sins
Es ist Krieg. Viele Menschen sind auf der Flucht und suchen Zuflucht bei Varenka. Und dort erleben sie das, worauf wohl auch viele hoffen, die aktuell in Kriegsgebieten leben: ein Wunder. Das Weihnachtsspiel der Reformierten Kirche Muri Sins passt in die aktuelle Welt.
Annemarie Keusch
Vielleicht ist es sinnbildlich. «Das gerettete Leben», die Geschichte um Varenka, die allein im Wald lebt und verschiedene Gäste bei sich aufnimmt, kommt aus Russland. «Dort wurde sie wohl zuerst erzählt. Es ist eine Wundergeschichte, eine Legende», erzählt Hansueli Hauenstein, Pfarrer der Reformierten Kirche Muri Sins. Er hat das Skript für die sieben Kinder umgeschrieben, die beim Weihnachtsspiel mitwirkten. Und er wirkte als Regisseur. Neben den Kindern gestaltete auch Liutmyla Chaika das Weihnachtsspiel mit, eine Ukrainerin. «Oy chodit son kolo vikon» heisst das Wiegenlied, das sie immer wieder sang. Vom Traum, der am Fenster vorbeigeht, handelt dieses Lied. Vom Häuschen, das warm ist, vom Traum, der den Schlaf fragt, wo sie heute Nacht ruhen wollen.
«Nur schwer zu beschreiben»
Russland und Ukraine, gemeinsam in der Reformierten Kirche in Muri. Vielleicht ist es sinnbildlich. Träume, das Hoffen auf ein Wunder, es steht im Zentrum der Geschichte «Das gerettete Leben». «Es geht um Wunder und um Menschen, die darauf hoffen», fasst Hauenstein zusammen. Wunder, die nur schwer zu beschreiben seien. «Sonst wären sie keine Wunder.»
Varenka (Muriel Herzberg), die alleine im Wald lebt, ist die Hauptfigur der Geschichte. Es ist Winter und der Krieg kommt näher, darum nimmt sie Gäste bei sich auf. Die Hirtin Petruschka (Mia Lang) mit ihren zwei Ziegen (Emma Distel und Tim Nussbaumer), die Künstlerin Elina (Elin Würmli), ein einsames Kind (Jael Würmli). Vorher schon kommen zwei Kinder bei ihr vorbei, warnen vor fremden Soldaten, die mit Gewehren und Kanonen ins Dorf kommen. «Du musst fliehen.» Doch Varenka bleibt, will nicht gehen. «Am liebsten würde ich eine Mauer um mich und mein Haus bauen. Eine Mauer, hinter der ich sicher bin.» Immer wieder spricht eine Stimme zu ihr. Gott? Gott, der ihr eine Mauer baut? Aber Varenka hat Angst, erst recht, als ihr kleines Haus voll ist mit Menschen, die Schutz suchen. «Ich bin zu schwach, um alle zu beschützen, wenn die Soldaten kommen.»
Eine Mauer aus Schnee
Doch die Soldaten kommen nicht, stattdessen ein Engel (Anelle Steiner). Während in der kleinen Hütte alle schlafen, zieht sie eine schutzbietende Mauer hoch, aus Schnee. Und auch die beiden Ziegen und das Kind, die zwischenzeitlich verloren gegangen waren, tauchen wieder auf. Eine Wendung, die es in den aktuellen Kriegsgebieten der Welt ganz sicher viel zu wenig gibt – eine wundervolle.
Mit einem Geschenk sollen sich die sieben Kinder noch lange an dieses Weihnachtsspiel erinnern. Und profitieren sollen auch andere, darum wurde eine Kollekte gesammelt zugunsten von Missio 21 und der Gesundheitsfürsorge in der Demokratischen Republik Kongo. Als Hauenstein eigentlich die Besucherinnen und Besucher schon verabschiedete, kam es zum Unvorhergesehenen. «Es ist das letzte Weihnachtsspiel, das Hansueli Hauenstein mitgestaltete», spricht eines der Kinder ins Mikrofon. Entsprechend gab es auch für ihn ein Geschenk.
Hauensteins letztes Weihnachtsspiel
Und allen gaben die Kinder die Überzeugung mit, nicht aufzuhören, an Wunder zu glauben. Sie passieren in Geschichten und vielleicht auch im eigenen Leben – an den Festtagen ganz besonders.