Nicht nötig, aber sinnvoll
21.03.2025 Niederwil, Region UnterfreiamtAntworten der Regierung zur einer Interpellation von Grossrat Mario Gratwohl (SVP) aus Niederwil
Seit vielen Jahren werden in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg Theaterproduktionen mit Gefangenen aufgeführt. Mehrere Grossräte stellten dazu kritische ...
Antworten der Regierung zur einer Interpellation von Grossrat Mario Gratwohl (SVP) aus Niederwil
Seit vielen Jahren werden in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg Theaterproduktionen mit Gefangenen aufgeführt. Mehrere Grossräte stellten dazu kritische Fragen. Nun liegen die Antworten der Regierung vor. Diese beurteilt das Projekt sehr positiv.
Chregi Hansen
Zusammen mit weiteren Grossräten (unter anderem Nicole Heggli-Boder, Buttwil, und Roland Vogt, Wohlen) stellt Mario Gratwohl als Sprecher der Regierung zwölf Fragen zu Theaterprojekten in der JVA Lenzburg. Auslöser war ein Zeitungsartikel über Annina Sonnenwald, die Initiantin des Projekts. Die Fragen der Grossräte drehten sich in erster Linie um die Sicherheit. Aber auch um die Kosten und den Sinn solcher Produktionen.
Jetzt liegen die Antworten der Regierung auf die 12 Fragen vor. Dabei hält diese ganz allgemein fest, dass zum gesetzeskonformen Vollzug den Gefangenen neben Arbeitsmöglichkeiten auch Betreuungs- und Sozialangebote zustehen und auch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung dazugehört. So kann den Insassen eine klare und sinnvolle Struktur geboten werden, zudem lassen sich verschiedene soziale Kompetenzen erhöhen, was die Chancen auf eine spätere Wiedereingliederung erhöht. Für diese Freizeitaktivitäten werden sogenannte Freizeitleiter mit kleinen Arbeitspensen angestellt.
Keine Kosten für den Kanton
Dazu gehört das Theaterangebot. Dieses hat eine lange Tradition in den Gefängnissen des In- und Auslands. In Lenzburg gab es bereits 1967 ein erstes Projekt. Nach einer längeren Pause wurde das Thema Theater im Jahr 2010 wieder aufgenommen, damals auf Initiative des Theaters Maria. Aus der anschliessenden Zusammenarbeit entstand das Stück «Warten auf Godot», es fanden vier ausverkaufte Aufführungen statt, wobei die Theaterbesucherinnen und -besucher nach dem Stück auch noch einen Rundgang im Gefängnis absolvieren konnten.
Seit 2013 ist der Verein «Ausbruch» federführend bei den Theaterprojekten in Lenzburg. Er ist für die Regie, Planung und Umsetzung der Theaterstücke verantwortlich. Die Zusammenarbeit erfolgt auf einer professionellen Ebene. In den letzten zehn Jahren wurden insgesamt fünf Stücke aufgeführt, eine nächste Produktion ist für den Herbst dieses Jahres geplant. Und: Das ganze Projekt kostet den Kanton nichts. Das finanzielle Risiko trägt allein der Verein «Ausbruch», der sich von Eintrittsgeldern sowie Spenden und einer Unterstützung durch das Bundesamt für Kultur finanzieren muss. Der Erlös des Verpflegungsstands hingegen kommt vollumfänglich der JVA Lenzburg zugute.
Keinerlei Sicherheitsrisiko
Die Gefangenen, die sich jeweils für das neue Theaterprojekt interessieren, werden bezüglich möglicher (Sicherheits-) Risiken seitens der JVA Lenzburg eingeschätzt und beurteilt und absolvieren nach einer positiven Bewertung ein Casting durch die Verantwortlichen des Vereins. Die Theaterproben werden unter denselben (Sicherheits-)Bedingungen wie alle Freizeit- und Bildungsangebote durchgeführt mit dem einzigen Unterschied, dass von den Theatermachern mehr als eine Person anwesend ist. Bei anderen Freizeitaktivitäten ist jeweils nur eine externe Person dabei. Der Betrieb in der Justizvollzugsanstalt wird durch das Projekt nicht tangiert, die Proben finden zur gleichen Zeit statt wie andere Freizeitangebote. Auch die Aufführungen beschränken sich auf den Abend. Die einzige Einschränkung besteht darin, dass die Turnhalle vor und während den Aufführungen für drei Wochen nicht zur Verfügung steht.
Auch bei den Aufführungen selbst besteht kein Sicherheitsrisiko. Die Besucher der Stücke müssen sich vorher anmelden und werden kontrolliert. Nach dem Stück können sich das Publikum und die Gefangenen während 15 Minuten austauschen. Auch hier besteht keine Gefahr, selbst eine Bundesrätin sowie mehrere Regierungsräte aus den Kantonen Aargau, Bern, Basel-Landschaft, Genf, Zug und Zürich haben schon Aufführungen in der JVA Lenzburg besucht. Der Austausch nach den Vorführungen wird als positiv empfunden. «Positive Rückmeldungen können das Selbstvertrauen stärken, während konstruktive Kritik zur Verbesserung des Spiels beitragen kann», heisst es in der Antwort.
Kunden gewonnen
Stellung nimmt die Regierung auch zur Frage, ob es denn solche Theateraufführungen brauche im Gefängnis. Nein, gibt die Regierung zu. «Brauchen» tut es das Projekt nicht. Aber die Theateraufführungen in der JVA werden gleich in verschiedener Hinsicht als sinnvoll erachtet. Theaterarbeit fördert Geist und Körper, stärkt verschiedene Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Teamfähigkeit, Disziplin oder auch das Selbstbewusstsein. Es bietet der Institution selbst aber auch eine der wenigen Möglichkeiten der Öffnung nach aussen. So konnten durch die Produktionen auch schon Kunden für die Gewerbebetriebe gewonnen werden. «Würde auf diese aber trotz Vorhandensein der notwendigen Voraussetzungen verzichtet, wäre das gesetzlich vorgegebene Freizeitangebot um eine in verschiedener Hinsicht äusserst sinnvolle Freizeitbeschäftigung ärmer», heisst es in der Antwort darum.