Öffentliche Interessen im Fokus
26.04.2024 MuriVisitenkarte Bahnhofsquartier
Aus dem vernachlässigten Bereich in Muri soll eine Wohlfühloase für die Öffentlichkeit werden
Parkähnlich, belebt, attraktiv – so soll sich das Bahnhofsquartier ...
Visitenkarte Bahnhofsquartier
Aus dem vernachlässigten Bereich in Muri soll eine Wohlfühloase für die Öffentlichkeit werden
Parkähnlich, belebt, attraktiv – so soll sich das Bahnhofsquartier künftig präsentieren. Eine Vision nimmt Gestalt an.
Thomas Stöckli
Die Gemeinde Muri hat das Richtkonzept zur Entwicklung am Bahnhof abgeschlossen. Mit detaillierten Plänen sowie Visualisierungen wurde es an einer Informationsveranstaltung im Festsaal der Öffentlichkeit präsentiert. Gemeinderat Beat Küng betonte dabei die Bedeutung einer breiten Beteiligung und die kreative Neuausrichtung des Projekts nach einem gescheiterten ersten Gestaltungsplan.
Architekt Simon Kretz stellte den Anwesenden im Detail vor, wie das Bahnhofsquartier transformiert werden soll. Zum Projekt gehören ein übersichtlicher neuer Bushof im Norden, ein attraktiver Bahnhofplatz mit öffentlichem Park im Garten der Villa Wild sowie ein Wohnviertel mit Mehrfamilienhäusern anstelle der teils verwahrlosten Villen, wobei der parkähnliche Charakter und der alte Baumbestand weitgehend erhalten werden sollen. Eine Verlegung der Aarauerstrasse zu den Gleisen hin wurde zwar angedacht, aber als zu teuer und zu viel Platz einnehmend verworfen. Gleiches gilt für eine verlängerte Unterführung.
Das Konzept ist zwar noch nicht rechtsverbindlich und viele Details müssen erst noch festgelegt werden, es zeigt aber doch auf, in welche Richtung die Entwicklung geht.
Die Gemeinde Muri hat ihr Richtkonzept zur Entwicklung am Bahnhof vorgelegt
Das Zentrum zukunftsweisend und lebenswert neu gestalten. Mit diesem Ziel hat Muri die Entwicklung seines Bahnhofquartiers angepackt. Als erstes sichtbares Resultat wurde nun das Richtkonzept präsentiert. Es enthält innovative Ideen.
Thomas Stöckli
Wie geht es weiter am Bahnhof Muri? Dass dies die Öffentlichkeit interessiert, bewies der Grossaufmarsch an der Informationsveranstaltung. Rund 150 Interessierte wollten sich im Festsaal aus erster Hand orientieren lassen, wie das für die Gemeinde so wichtige Quartier entwickelt werden soll. Von einem «Schlüsselprojekt» sprach denn auch Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger, «nicht nur für Muri selbst, sondern auch für die Umgebung.»
Fach- und Lokalkompetenz
Den Aufwertungsbedarf des Quartiers stellt wohl niemand ernsthaft in Zweifel. Die Bebauung ist weitgehend verwahrlost, es fehlen attraktive Fusswegverbindungen sowie ein Bushof. Nachdem ein erster privater Entwicklungsversuch gescheitert war, musste die Gemeinde Muri bei der Planung des Areals beim Bahnhof über die Bücher. Und dazu holte sie sich Unterstützung an Bord. Bei Fachleuten und Anspruchsgruppen, aber auch bei der eigenen Bevölkerung.
Die Rückmeldungen der 40-köpfigen Begleitgruppe seien denn auch wesentlicher Bestandteil des Projekterfolgs, hielt der für Hochbau und Planung zuständige Gemeinderat Beat Küng fest. Und auch die Mitwirkenden der Begleitgruppe äusserten sich lobend zur Zusammenarbeit: «Wir durften alles fragen und erhielten Antworten, die überzeugt haben», so Martin Walt, «es ist fürs Dorf eine einmalige Chance, neu zu planen und zu denken», ergänzt Regula Marthaler, und fügt an: «Es ist grossartig, dass der Gemeinderat uns diese Chance gibt.» Marlies Laubacher zeigt sich derweil begeistert von der Intensität, mit der sich die Planer in ihre Aufgabe gestürzt haben.
Spannender Prozess
So harmonisch, wie es sich anhört, sei es in den drei Jahren nicht immer zugegangen, beeilte sich Philippe Cabane, der die Mitwirkung moderiert hatte, festzuhalten: Manchmal seien auch die Fetzen geflogen, «das ist wichtig und gehört dazu». Alles in allem sprach Cabane von einem «spannenden Prozess» und lobte die Lösungsorientierung der Beteiligten.
Der betriebene Aufwand lohnt sich, ist Küng überzeugt: In seinem Ressort Bau und Planung sei dies derzeit das mit Abstand wichtigste Projekt. Entsprechend stolz präsentierte er das Richtkonzept als erreichten Meilenstein. Auch wenn damit noch kein rechtsverbindliches Instrument vorliege, so habe man doch Lösungen gefunden, wie sich diverse zentrale öffentliche Bedürfnisse überzeugend erfüllen lassen.
Bushof, Park und Wohnquartier
In der Testplanung vermochte ein Vorschlag derart zu überzeugen, dass er direkt in die Verfeinerung übernommen werden konnte. Ein Kernstück dieser Idee war die Konzentrierung der Busperrons auf den Nord-Spickel des Planungsareals. Wer künftig am Dorfperron aus dem Zug steigt, dem öffnet sich so nach rechts der Blick auf den Bushof mit den Postauto-Anschlüssen, geradeaus auf einen Platz mit Parkcharakter.
Im linken Teil schliesst sich das eigentliche Bahnhofquartier an, mit einer Neubau-Wohnzeile direkt am Bahngleis. Eine Tiefgarage, erschlossen über die Unterführung Eggstrasse, schafft hier die Voraussetzungen, dass der durchwegte parkähnliche Bereich zwischen den Wohnhäusern autofrei bleiben kann. Hier sollen einige der freistehenden Bauten – etwa die Villa Wild – erhalten werden, ebenso auch der prägende Baumbestand. Eine neue Querung über die Aaarauerstrasse zum aktuell verschlossenen, prächtigen Eingangsportal des Pflegiparks soll eine weitere wertvolle Verbindung schaffen.
Auch Raum für die Verwaltung?
Wann werden nun also die Bagger auffahren? «Auch wenn alles am Schnürchen läuft, wird es noch einige Jahre gehen», tritt Beat Küng auf die Euphoriebremse. Im November soll die Gemeindeversammlung über einen Kredit zur Erarbeitung eines Gestaltungsplans befinden, den behördenverbindlichen Entwicklungsrichtplan will der Gemeinderat ebenfalls noch bis Ende Jahr verabschieden. Dann könnte nächstes Jahr der Gestaltungsplan erarbeitet und aufgelegt werden. Von seiner offensiven Kommunikation erhofft sich der Gemeinderat, dass strittige Punkte bis dann schon geklärt werden können – und nicht erst in einem allfälligen Rekursverfahren. So könnte wohl ab 2026 mit der etappierten Realisierung der einzelnen Teilprojekte begonnen werden.
Ein Thema war in der bisherigen Planung auch die Möglichkeit, Raum für die Gemeindeverwaltung zu schaffen. Ob es da konktreter wird, lasse sich aber im Moment noch nicht abschliessend beantworten, so Hans-Peter Budmiger. «Wir prüfen gemeinsam mit der Kirchenpflege auch andere Optionen.» Beim abschliessenden Apéro bot sich reichlich Gelegenheit, über Verdichtung und Wohnqualität, Bewahrung und Wandel zu diskutieren.