Positive Vibes, zu wenig Punkte
31.10.2024 Sport, FussballFussball, 1. Liga classic: SV Muttenz – FC Wohlen (Samstag, 17 Uhr) – Wie geht es dem FC Wohlen?
Noch vier Auswärtsspiele hat der FC Wohlen in diesem Fussballjahr zu bestreiten. Das Team will so viele Punkte wie möglich sammeln, um die Vorrunde ...
Fussball, 1. Liga classic: SV Muttenz – FC Wohlen (Samstag, 17 Uhr) – Wie geht es dem FC Wohlen?
Noch vier Auswärtsspiele hat der FC Wohlen in diesem Fussballjahr zu bestreiten. Das Team will so viele Punkte wie möglich sammeln, um die Vorrunde versöhnlich zu beenden. Trainer Piu hat Respekt vor dem nächsten Gegner und Co-Präsident Marcel Amrein spricht über die Atmosphäre im Verein.
Stefan Sprenger
Der Blick in die Statistik macht keine Freude. 1:2 und 1:4 – so lauteten die Resultate der letzten Saison gegen den SV Muttenz. «Gut gespielt, keine Punkte geholt», fasst FC-Wohlen-Trainer Piu diese zwei Partien zusammen. Die Basler sind in dieser Saison bislang schwach unterwegs. Die meisten Niederlagen kassiert (7), die meisten Gegentore ebenfalls (30). Mit neun Punkten steht Muttenz am Ende der Tabelle.
Piu: «Ich wundere mich …»
Doch der Schein trügt. «Der Grossteil des Teams blieb zusammen. Dazu haben sie sich noch verstärkt», erklärt Trainer Piu. Muttenz beendete die letzte Saison auf dem 5. Rang, nur zwei Punkte hinter dem 2. Rang, der für die Aufstiegsspiele gereicht hätte. «Und ich dachte eigentlich, sie sind besser als letzte Saison. Ich wundere mich, was die da unten in der Tabelle machen. Ich habe sie besser erwartet.»
Ein besonderes Auge sollte der FC Wohlen auf den 28-jährigen Manuel Alessio haben. Er wurde schon zweimal Torschützenkönig der 2. Liga inter (mit 39 und 33 erzielten Toren) und holte sich 2021/22 diese Auszeichnung auch in der 1. Liga classic (19 Tore). «Es ist ein sehr gutes Team», sagt Piu. «Aber wir wissen auch, was wir können, und ich bin mir sicher, wir werden eine gute Partie abliefern.»
Achtung: Muttenz ist im Hoch
Natürlich ist der Sieg das Ziel für die Wohler. Aber Vorsicht: Schlusslicht Muttenz konnte die ersten 10 Saisonspiele allesamt nicht gewinnen. In den letzten beiden Meisterschaftsspielen gab es aber die ersten zwei Siege. 3:2 gegen Concordia Basel und 3:1 gegen Rotkreuz. Dazwischen verlor das Team gegen Mendrisio in der Cup-Qualifikation. Muttenz ist aber dennoch eher im Hoch – und Wohlen will endlich wieder einen Sieg in der Meisterschaft holen. Der letzte Vollerfolg liegt schon zwei Monate zurück (2:1 gegen Bassecourt). Vielleicht gibt der Cupsieg gegen das starke Tuggen (1:0 nach Verlängerung) vom letzten Wochenende den Freiämtern auch Auftrieb in der Meisterschaft?
Apropos Auftrieb. «Ich spüre viele positive Vibes im Stadion Niedermatten», sagt Co-Präsident Marcel Amrein. Seit rund 10 Monaten hat der Verein einen neuen Vorstand, grösstenteils mit jungen und vereinsverbundenen Leuten. Dieser neue Vorstand wollte frischen und positiven Wind in den Verein bringen. «Ich bin glücklich, wie die letzten Monate verlaufen sind», sagt Amrein, der sich seit über einem Jahrzehnt auch stark im Kinderfussball engagiert und auch als Seniorenfussballer mitwirkt. «Ob erste Mannschaft, Frauen, Senioren oder im Nachwuchs, dazu auch im Vorstand und im grossen Trainerteam – es geht etwas. Ich spüre Freude, alle ziehen an einem Strang. Der FC Wohlen bewegt Woche für Woche Tausende Menschen, die in den Niedermatten Fussball spielen, den Sport geniessen und mithelfen. Es ist ein gutes Gefühl, wie es sich in diesem Jahr entwickelt hat», so Amrein.
«Zu wenig Punkte geholt»
In Bezug auf die erste Mannschaft – das Aushängeschild des Vereins – sagt Amrein: «Wenn man das Potenzial, das Kader, die Trainings und grösstenteils auch die Spiele betrachtet, dann sieht eigentlich alles gut aus. Aber es sind zu wenig Punkte, die wir geholt haben», sagt der Wohler, der fast alle Spiele der ersten Mannschaft live gesehen hat. «Mit etwas mehr Glück wären wir vorne mit dabei, weil in der Tabelle alles eng zusammen ist. Ich hoffe, wir holen in den ausbleibenden vier Spielen vor der Winterpause noch möglichst viele Punkte.» Auch hier gilt: «Wir sind auf dem richtigen Weg, aber die Tabelle zeigt es aktuell nicht.» Am 13. November ist die GV des FC Wohlen. Dort wird der Verein genauer informieren, wie das Fussballjahr 2024 war – und was die Zukunft bringt. In Sachen FC Wohlen AG ist alles im Lot (siehe Kasten). Amrein ist zuversichtlich, dass der Weg des FC Wohlen – egal ob erste Mannschaft oder Gesamtverein – weiterhin in eine positive Richtung geht. Der Erfolg des «Eis» würde da natürlich helfen. Am besten mit einem Sieg beim Schlusslicht.
«Lichterlöschen» im Frühling
Die AG des FC Wohlen ist ein Überbleibsel aus Challenge-League-Zeiten. Mit den heutigen Vereinsstrukturen ist die AG ein Klotz am Bein und verkomplizierte für den Vorstand vielerlei Dinge. Schon seit Jahren will man die AG abstreifen, doch die Hände waren gebunden, weil die Auflösung der AG vom Fussballverband (SFV) stets mit einer Zwangsrelegation des FC Wohlen gleichgestellt wurde. Als im November 2023 – vor genau einem Jahr – bekannt wurde, dass der Schuldenberg der FC Wohlen AG über 300 000 Franken betrug, und wenig später klar wurde, dass der Verband entgegenkommt und es keinen Zwangsabstieg gibt, beschloss man, die AG aufzulösen. André Richner, früher Verwaltungsratspräsident, war fortan der Liquidator. Damit die AG aufgelöst werden konnte, mussten erst die Schulden getilgt werden. «Wir sind auf gutem Weg. Ein grosser Teil der Schulden sind beglichen. Das Herunterfahren der AG läuft so weit nach Plan. Der Fortbestand des Vereins ist gesichert», sagte Richner vor rund fünf Monaten. Wie sieht es heute aus? «Die Abschlüsse per 30. Juni 2024 sind gemacht. Von den über 300 000 Franken Minus in der Kasse sind nur noch 70 000 Franken übrig», sagt Richner. Man wolle jetzt nochmals eine Aktion – respektive einen Appell – starten, um das restliche Geld aufzutreiben. «Dann können wir sauber abschliessen, das wird klappen, ganz sicher. Der Klotz am Bein wird bald weg sein und es war der absolut richtige Entscheid. Dies wird für den Verein in Zukunft vieles vereinfachen», sagt Richner. Im Februar/ März soll die AG endgültig Geschichte sein. «Dann ist Lichterlöschen und die AG ist liquidiert», so Richner.
Die Philosophie des FC Wohlen, nicht mehr Geld auszugeben, als man einnimmt, wird auch in Zukunft weiterhin konsequent umgesetzt. --spr