RÜSSTÜFELI
09.01.2026 Bremgarten, KolumneWährend sich das neu zusammengesetzte Stadtratsgremium Bremgartens im Rathaus zum ersten Mal traf, um die Zukunft aufzugleisen, war der langjährige Stadtvater derweil erstmals seit 19 Jahren entbunden von solchen Pflichten. Doch Raymond Tellenbach nutzt die neu gewonnene Freiheit ...
Während sich das neu zusammengesetzte Stadtratsgremium Bremgartens im Rathaus zum ersten Mal traf, um die Zukunft aufzugleisen, war der langjährige Stadtvater derweil erstmals seit 19 Jahren entbunden von solchen Pflichten. Doch Raymond Tellenbach nutzt die neu gewonnene Freiheit nicht etwa, um die Beine hochzulagern – in klirrender Kälte half er stattdessen an vorderster Front dabei, Bremgarten wieder weihnachtsfrei zu gestalten. Das Rüsstüfeli konnte den Ex-Ammann dabei erspähen, wie er wagemutig Leitern emporkletterte, um die überdimensionierten Weihnachtskugeln von den Tannenbäumen der Altstadt behutsam wieder abzuhängen. Nach dem Dreikönigstag haben diese schliesslich ausgedient. Schön, dachte es sich dabei, dass der gute Mann das Leben im Städtli nach wie vor tatkräftig mitgestaltet.
Sein Nachfolger übernahm derweil nicht nur dessen Aufgaben, sondern auch dessen Büro. Vorerst ist deshalb auch zügeln angesagt für Stephan Troxler. Wobei er den grosszügigen Arbeitsreich des Stadtammanns im Vergleich zur Tellenbach-Ära nicht gänzlich unangetastet lassen wird, wie ihm das Rüsstüfeli bei Gelegenheit entlocken konnte. Das neue Regierungsoberhaupt sucht derzeit nach einem richtig schönen Bild Bremgartens, das er dort zusätzlich aufhängen könnte – und plant auch sonst etwas frischen Wind im prominenten Büro des dritten Stocks des Rathauses.
Wie der bisherige Arbeitsort des neuen Ammanns ausgesehen hat, weiss das Rüsstüfeli hingegen nicht. Dafür um die Tatsache, dass ihm seine Gspänli bei der Stadtpolizei Zürich einen gebührenden Abschied bereiteten. Nicht nur vor Ort beim Abschiedsapéro, sondern auch in der Heimat ihres langjährigen Einsatzleiters. «Mein Team hat mich nach Bremgarten begleitet, um mich symbolisch offiziell ganz dem Städtli zu übergeben», lächelt der Stadtammann, der bisher des öfteren zwischen Bremgarter Stadtrats-Pflichten und Zürcher Polizeiaufgaben hin und her gependelt war. «Da bin ich schon froh, dass das wegfällt», verriet Troxler dem Tüfeli. Doch der Abschied falle auch schwer. «Der finale Kaderschlussreport, die Abgabe der Ausrüstung, ein letztes Mal Tschau, zum letzten Mal im Tram nach Hause ... Das war alles schon sehr emotional.» Grämen will sich der neue Ammann dennoch nicht. «Ich gehe schliesslich von einem Herzensjob zum nächsten.»
Ein Job, der mittlerweile angetreten ist. Den ersten Termin in der Öffentlichkeit hat der neue Stadtrat mittlerweile hinter sich (vgl. Berichterstattung nebenan). Und beim Neujahrsanlass am Dreikönigstag war selbstverständlich auch das Rüsstüfeli zugegen. Vaterpflichten wegen traf es indes ziemlich knapp im Zeughaussaal ein. Und hatte angesichts des vorherigen Zubettbringens seines Tüfeli-Nachwuchses auch keine Zeit mehr für ein ordentliches «Znacht». Da wäre deshalb ein Stückchen der leckeren Dreikönigskuchen gerade recht gekommen. Doch das Rüsstüfeli verzichtete schweren Herzens darauf. Schliesslich konnte es nicht riskieren, unverhofft selbst zum König gekürt zu werden. Sonst wäre das royale Bild auf dieser Seite notgedrungen zum Selfie verkommen – was ganz schön unprofessionell gewesen wäre, wie das Rüsstüfeli findet. So musste es eine Weile ausharren mit knurrendem Magen. Ein Opfer, das es angesichts des gelungenen Abends aber gerne auf sich nahm.
Marco Huwyler
