Schlaraffenland im Garten

Fr, 16. Okt. 2020
Stefanie Gross-blau sieht in Wildkräutern den Freund, nicht den Feind. Bild: Susanne Schild

Stefanie Gross-blau ist Expertin für Wildkräuter und deren Wirkungskraft

Wildkräuter sammeln liegt im Trend. Es ist gesund, wenn man sich auskennt und kein giftiges Kraut erwischt. Das nötige Wissen um die heimische Flora vermittelt Stefanie Gross-blau. 2010 absolvierte sie ihre Ausbildung zur Kräuterpädagogin und gründete später die Wildkräuterschule Muri.

Susanne Schild

Geboren wurde die 55-jährige Murianerin in Neustadt an der Weinstrasse in Deutschland. Ihr Vater war Förster. Daher hat sie schon von Kindesbeinen an viel Zeit in der Natur verbracht. «Ich bin eben ein Naturkind», meint sie schmunzelnd. Seit 2003 lebt Stefanie Gross-blau in der Schweiz. Damals hatte sie ein Gemeinschaftsprojekt am Bodensee, das Seminarzentrum «Schloss Glarisegg», mit ins Leben gerufen. Dort hat sie vor allem in der Seminarküche gekocht und ihre Liebe zu den Wildkräutern entdeckt. «Gekocht habe ich schon immer gerne. Wildkräuter und Kochen passt für mich einfach zusammen.»

2010 absolvierte sie in Graz ihre Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Seitdem will sie ihr Wissen über die Wildpfianzen mit anderen teilen und gründete die Wildkräuterschule in Muri. «Die Gemeinde hat eine natürliche Umgebung und eine gute Infrastruktur. Ein optimaler Ausgangspunkt für meine Arbeit.»

Von der Wiese auf den Teller

Das Interesse an Wildkräutern habe zugenommen, liege sozusagen im Trend, stellt sie fest. «Vor zehn Jahren waren es eher noch die Mittvierziger, die sich für Wildkräuter interessierten. Heute sind es die Mittzwanziger.» Gerade junge Leute würden sich vermehrt die Frage stellen: «Wie wollen wir leben, was gibt uns Kraft, was ist gut für uns und unsere Umwelt». Auch Stefanie Gross-blau ist überzeugt: «Wildkräuter sind eine gute Verbindung zur Natur. Diese Symbiose macht glücklich und ist gesund.» Einige Wildkräuter enthalten mehr Eisen als Spinat, mehr Kalzium als Milch, schmecken köstlich und sind kostenlos. Die «natürlichen Nahrungsergänzungsmittel seien eine ideale Bereicherung für jeden Speiseplan, ist die Expertin überzeugt. Ausserdem würden Wildkräuter viele ungewohnte Geschmacksrichtungen bieten, mit denen sich in der Küche gut experimentieren lässt. «Was früher selbstverständlich auf dem Speiseplan stand, wird heute erst langsam wieder entdeckt. Sie sind grösstenteils aus unserer Küche verschwunden, nur Bärlauch, Holunder und Hagebutten sind geblieben. Dabei sind Wildpflanzen der Superfood vor der Haustür.» Eine gesunde Ernährung könne dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen. «Wir haben sozusagen unsere Hausapotheke im Garten. Mit etwas natürlichem Wissen kann man so manches Leiden, wie beispielsweise einen Schnupfen, leicht selbst kurieren.»

Für Stefanie Gross-blau hat das Salbenrühren auch etwas Sinnlich-Handwerkliches. «Wir sind nicht dazu gemacht, nur geistig zu arbeiten. Unser Körper möchte mit allen Sinnen erleben, riechen, schmecken, fühlen, sehen und hören.»

Das Gute liegt so nah

Rund um die Alte Mühle in Muri gibt es wunderbare Wiesen und Wälder, die sich hervorragend für das Kennenlernen und Sammeln von wilden essbaren Pflanzen eignen. Gerade für Anfänger sind Wildpflanzenspaziergänge der ideale Einstieg, um die essbaren Wild- und Heilpflanzen der Umgebung näher kennenzulernen. «Man muss einfach die Augen für die Wildpfianzen öffnen, die uns so viel Erstaunliches für unsere Nahrung und zur Heilung zu geben haben.» Zugepflasterte Gärten oder gar Chemiekeulen gegen das vermeintliche «Unkraut» machen Stefanie Grossblau nachdenklich. «Oftmals ist es einfach Unwissen», ist Stefanie Gross-blau überzeugt. Vieles sei einfach Prägung. «Wenn man es nicht anders kennt, macht man es auch nicht anders. Wildkräuter sind keine Feinde, sondern Freunde.» Jeder könne einen Teil dazu beitragen, die Artenvielfalt zu fördern, indem man beispielsweise Wildblumen ansät. Erfreulich sei jedoch, dass in den Städten wie beispielsweise Zürich langsam ein Umdenken stattfinde.

Eine Schule fürs Leben

Acht Jahre bot Stefanie Gross-blau Wildkräuterkochkurse und Exkursionen an. «Danach entschloss ich mich, den nächsten Schritt zu gehen und Leuten das Wissen zu vermitteln, damit sie selbst Kurse geben können.» Begonnen hat sie zusammen mit drei Dozenten, mittlerweile sind es 16. Die Basisausbildung zur Wildkräuterfachfrau oder zum Wildkräuterfachmann dauert mindestens 13 Monate und maximal drei Jahre. Am Ende der Ausbildung kann man eine Prüfung ablegen und nach Bestehen erhält man ein Zertifikat als Wildkräuterfachfrau oder Wildkräuterfachmann. Ohne Prüfung erhält man eine Lehrgangsbestätigung. Die Diplomausbildung dauert mindestens 15 Monate und maximal drei Jahre. Die Ausbildung ist beendet, wenn eine Diplomarbeit geschrieben und die Prüfung bestanden wurde. «Ich selbst lerne immer wieder Neues dazu. Ich würde mich gerne mit meiner Grossmutter mit meinem heutigen Wissen unterhalten.»

Die Kontaktaufnahme mit der Natur ist einfach

«Es öffnet sich eine neue Welt, die reicher, gesünder und froher ist, wenn man den Kontakt zur Natur wiederfindet», ist die Expertin überzeugt. Die Kontaktaufnahme sei einfach, die Schwelle nicht hoch. Man müsse nur den Anfang wagen, dann kommt die Neugierde von ganz allein. «Es wird eine Bereicherung sein, denn die Verbindung zur Natur macht lebendig und stark.»

Nächste Kurse: Fermentieren von Gemüse und Wildkräutern, 18. November. Weitere Informationen unter www.wildkraeuterschule.ch.

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