Schneller als der Wind
03.11.2023 Sport, FussballFussball, 2. Liga: Nelson Afulike, Topskorer des FC Wohlen II, vor dem Derby gegen Bremgarten (Sa, 19.30 Uhr, Niedermatten)
Nelson Afulike ist wohl der schnellste Spieler der 2. Liga. Der 19-Jährige ist zudem Topskorer der zweiten Mannschaft des FC Wohlen. «Und ...
Fussball, 2. Liga: Nelson Afulike, Topskorer des FC Wohlen II, vor dem Derby gegen Bremgarten (Sa, 19.30 Uhr, Niedermatten)
Nelson Afulike ist wohl der schnellste Spieler der 2. Liga. Der 19-Jährige ist zudem Topskorer der zweiten Mannschaft des FC Wohlen. «Und er kommt immer mit einem Lachen ins Training», sagt Trainer Alain Schultz.
Stefan Sprenger
«Er ist der beste Trainer, den ich je hatte», sagt Nelson Afulike über Alain Schultz. Der 40-jährige Coach des FC Wohlen II hat ebenfalls nur lobende Worte für den schnellen Offensivspieler: «Er ist einer der schnellsten Spieler, die ich je gesehen habe.»
Nelson Afulike, 2004 in der Schweiz geboren, die Eltern aus Nigeria, wuchs in Schlieren und Dietikon auf.
Beim FC Dietikon begann er auch mit dem Fussball. 2017 findet die Familie ein Haus in Wohlen und zügelt ins Freiamt. Afulike geht in die U14 des FC Wohlen, wird nach einem Jahr zum FC Aarau gelotst, wo er von der U15 bis zur U18 spielt. Dann reichte es nicht mehr.
Muri, Dietikon – und zurück nach Wohlen
In der Saison 2021/22 spielt er für den FC Muri in der 2. Liga interregional. Der Trainer hiess Piu. 13 Spiele, 13 Teileinsätze. Durchbruch sieht anders aus. Er wechselt innerhalb der Liga zu seinem Stammverein Dietikon. Auch dort kriegt er unter Trainer Daniel Tarone nur sechs Teileinsätze. Afulike ist ein Spieler, der viel Vertrauen benötigt. «Er ist sensibel. Wenn man ihm das volle Vertrauen schenkt, dann bezahlt er es mit Topleistungen zurück. Und dieses Vertrauen kriegt er, weil ich weiss, dass wir dann alle profitieren. Er selbst, das Team, der FC Wohlen», sagt Alain Schultz, der nach Afulikes Rückkehr zum FC Wohlen in dieser Saison sein neuer Trainer ist.
Und diese Kombination passt. Acht Tore hat der offensive Mittelfeldspieler in dieser Saison geschossen. Damit ist er der Topskorer der jungen Wohler. «Neli», wie er von seinen Mitspielern genannt wird, spielt so gut wie nie zuvor in seiner jungen Karriere. «Das könnte man so sagen», meint er lachend.
«Momentan ist es perfekt»
Der Grund dafür: «Selbstvertrauen. Vom Trainer und vom Team kriege ich Rückendeckung, Vertrauen. Deswegen läuft es mir superrund.» Im Team hat er einige Mitspieler, die er als «gute Freunde» bezeichnet. «Momentan ist es perfekt.» Und dieses Wohlbefinden widerspiegelt sich in den Leistungen.
Trainer Schultz sagt: «Er ist technisch sehr stark. Er ist unglaublich schnell, auch mit Ball. Das habe ich so selten in meiner Karriere erlebt», so der 40-jährige Ex-Profi. Mit seiner Schnelligkeit und seinen Eins-gegeneins-Duellen kann er den Unterschied in einer Partie ausmachen. «Das hat er in dieser Saison oft gezeigt.»
Piu: «Noch nicht reif für die 1. Liga classic»
Ist Nelson Afulike ein Thema für die 1. Mannschaft in der 1. Liga classic? Afulike wäre nicht abgeneigt. Piu, Trainer des «Eis», sagt: «In Dietikon und Muri reichte es ihm nicht. Auch aktuell ist er noch nicht reif für die 1. Liga classic», so Piu.
Afulike, den man auch ein wenig als kreativen Strassenfussballer bezeichnen kann, sagt: «Ich will einfach Spass haben am Fussball. Ich weiss, dass ich wohl keine grosse Profikarriere vor mir habe. Aber wer weiss, vielleicht reicht es noch für etwas mehr als die 2. Liga.» Sein Fokus ist an einem anderen Ort. Der Logistiker, der in Spreitenbach arbeitet, macht eine Weiterbildung zum Prozesstechniker. Und nach all den Nachwuchsstufen, wo jeweils grosser Leistungsdruck herrschte, fühlt er sich aktuell wie ein freier Vogel. Afulike, der noch zwei kleinere Brüder (Richard ist A-Junior beim FC Wohlen) und eine ältere Schwester hat, sagt: «Der Fussball ist nicht im Fokus wie früher. Ich will einfach Fussball spielen.»
Sein Trainer Alain Schultz sagt: «Er kommt immer mit einem Lachen ins Training. Ein richtig positiver Kerl. Er hat seit Saisonstart in keinem einzigen Training gefehlt. Er gibt Gas. Mit Freude. Das färbt auf das ganze Team ab. Auch auf mich. Er ist mit seinen Leistungen und seiner menschlichen Art eine Leaderfigur. Wenn auch eine stille, denn er redet nicht sehr viel», meint Alain Schultz. Nelson Afulike – der in seiner Freizeit auch gerne mal Tennis spielt – bezeichnet Schultz als «den vermutlich besten Trainer, den ich je hatte».
In 12 Spielen der Vorrunde konnte die junge Wohler Mannschaft acht Mal gewinnen und musste vier Mal als Verlierer vom Platz. Mit 24 Punkten steht Wohlen II auf dem 3. Rang, nur vier Punkte hinter Leader Klingnau. «Wir hatten Hochs und Tiefs in der Vorrunde. Mehrheitlich war es sehr gut. Aber weil wir noch ein junges Team sind, fehlt es manchmal etwas an der Konstanz», so Afulike. Der Trend in den letzten Spielen geht aber steil aufwärts. Am Samstag (19.30 Uhr, Niedermatten) folgt das letzte Spiel der Vorrunde. Zu Gast ist der FC Bremgarten, der mit 18 Punkten auf dem 9. Rang steht. «Aufgrund der Tabelle könnte man meinen, wir sind der Favorit. Aber das wird alles andere als einfach. Wir dürfen Bremgarten nicht unterschätzen. Ich erwarte einen harten Kampf», so Afulike. Seine Schnelligkeit und Dribbelstärke werden gefragt sein gegen die aggressive Bremgarter Verteidigung.
Spezielle Partie für FCB-Trainer
Im letzten Spiel der Vorrunde will der FC Bremgarten «nochmals alles geben, besonders gegen Wohlen», wie FCB-Trainer Mergim Morina sagt. Nach dem Derbysieg gegen den FC Mutschellen (2:1) und dem Ausscheiden im Aargauer Cup gegen den FC Spreitenbach aus der 3. Liga (0:2) wollen die Reussstädter das Fussballjahr erfolgreich abschliessen. «Wir freuen uns schon lange auf diesen Match. Viele Bremgarter haben Beziehungen und eine Vergangenheit nach Wohlen. Auch ich», sagt Morina, der beispielsweise Schweizer Meister bei den B-Junioren mit dem FC Wohlen wurde und fast seine ganze Juniorenzeit auf den Niedermatten war. «Ich bin ein Wohler, bin dort aufgewachsen, es ist eine spezielle Affiche für mich», so Morina weiter. Er muss dabei auf den Abwehrspezialisten Yunus Aslan verzichten, der gesperrt fehlen wird. --spr

