Spiel mit dem Licht
28.04.2026 Muri, Kunst, Kommende EventsInteressante Doppelausstellung von Christiane Hinrichs und Ueli Strebel in der Villa Wild
«Licht webt Schatten», heisst die installative Ausstellung von Christiane Hinrichs aus Anglikon. Vom lokalen Fotokünstler Ueli Strebel ist «Spiel Raum ...
Interessante Doppelausstellung von Christiane Hinrichs und Ueli Strebel in der Villa Wild
«Licht webt Schatten», heisst die installative Ausstellung von Christiane Hinrichs aus Anglikon. Vom lokalen Fotokünstler Ueli Strebel ist «Spiel Raum Fotografie» zu sehen. Die Parallelen sind erstaunlich.
Thomas Stöckli
Den verfallenden Prunkbau aus seinem Schattendasein holen. Mit diesem Ziel wurde die Villa Wild vor rund einem Jahrzehnt zum temporären Kunsthaus. Seither finden in der warmen Jahreshälfte regelmässig Ausstellungen statt. Christiane Hinrichs geht nun künstlerisch den entgegengesetzten Weg: «Ich mache alles dunkel», sagt sie. Es geht ihr um Schatten. Und damit eben doch auch wieder um Licht.
Surrealer Raum
Im Erdgeschoss der Villa Wild – und auch um diese herum – wird die Künstlerin schwerpunktmässig ihre installativen Werke zeigen. «Als ich zum ersten Mal vor Ort war, kamen mir ganz viele Ideen», verrät sie, die seit fast zehn Jahren mit recycelten Stahlbändern arbeitet. Ihre Werke mit dem umliegenden Raum in Verbindung zu bringen, das schätzt sie nämlich besonders. Durch Verdunkelung und gezielte Lichteinfälle schafft sie einen neuen, geometrisch abstrahierten Raum. Einen surrealen Raum, in dem das Nichts, die Leerstelle im Gewebe, zu Licht wird, zum Hauptprotagonisten. Einen Raum, in dem der starre Werkstoff plötzlich textilartig weich anmutet.
In kleinen «Blackboxes» bieten kurze Filmsequenzen Einblick in den Schaffensprozess von Christiane Hinrichs. Dazu lockt eine Klang-Performance: «Stahlgeflüster» nennt sich die Tonaufnahme, die Klang-Performer Kevin Sommer von Hinrichs’ Wirken mittels Richtmikrofonen aufgezeichnet hat.
Design-Hintergrund
Gemeinsam ist der Künstlerin und dem Künstler, dass sie gerne mit den Händen arbeiten. Beide kommen aus dem Design-Bereich und beide schätzen nebst dem Kunstschaffen genauso die kuratorische Arbeit. Das Zusammenspiel der Werke untereinander und mit dem Raum, den Ablauf, mit dem das Publikum die Werke erblickt.
Als Kulisse dient ihnen die alte Villa, einst gutbürgerliches Statussymbol, nun mit Rissen im Mauerwerk, seit Jahren weitgehend leer geräumt, ohne Wasser, ohne Heizung. Den Strom für die Beleuchtung bringt ein Baustellenverteiler. «Die Villa soll spürbar bleiben», betont Ueli Strebel. Als einziges Zugeständnis an den Ausstellungsbetrieb wurden die Wände in Ausschnitten weiss bemalt.
Wabenmuster aus Parma
Die Werke von Strebel sind in den beiden Obergeschossen zu sehen. Seit der Premiere vor bald zehn Jahren ist es das zweite Mal, dass er selbst in der Villa Wild ausstellt. «Spiel Raum Fotografie» hat er die Werke aus der mittlerweile abgeschlossenen Schaffensphase betitelt, die er in der alten Villa zeigt. Es sind Fotografien, die er vom Zweidimensionalen in den Raum hinaus erweitert. Dies, indem er einen Bildausschnitt auf gefaltete Dreiecke aufzieht. «Das Doppelbild wird zu einem Spielraum der Fotografie», führt er aus. «Die dreidimensionale Struktur tritt mit dem Hauptbild in einen visuellen Dialog.» Der Betrachter hat es in der Hand, durch seine Perspektive den Bildausschnitt zu verändern und somit immer wieder neu zu sehen.
Als erstes Werk hat der Murianer ein Foto aufgehängt, das den Lichteinfall in der Basilika von Parma zeigt. Dabei erzeugt das Taubennetz, das dort zum Schutz der Infrastruktur verlegt wurde, spannende Wabenmuster. «Solche Lichteinfälle wären für sich schon ein Thema», so der Künstler.
Teilhaben am Kunstwerk
Das Kunstschaffen lebt von Inspiration. Und das ist keine Einbahnstrasse. So werden im Ausstellungsteil von Christiane Hinrichs auch Werke zu sehen sein, die im Rahmen des «Arts Day» an der Kanti Wohlen entstanden sind. Im Freiluftteil der Ausstellung können die Kunstinteressierten miterleben, wie ein Stahlbandgewebe Form annimmt. Im Spiegelbogen werden sie facettiert selber mit der Parkanlage zwischen Villa und altehrwürdigem Baumbestand in Bezug gebracht. Ebenso im verdunkelten Projektionsraum: Hier wirft jeder seinen Schatten – und wird so unweigerlich Teil des Kunstwerks.
Ausstellung in der Villa Wild, Bahnhofstrasse in Muri, vom 9. Mai bis 6. Juni. Freitags und samstags, 14 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr.



