Teamplayer, der nicht lockerlässt
08.12.2023 MuriEs war ein besonderer Gast, der dem Gönnerverein des FC Muri einen Besuch abstattete: Bernhard Heusler, ehemaliger Präsident des FC Basel, begeisterte auf dem Horben. Dabei liess Heusler in einstige Träume blicken und sprach aus dem Nähkästchen des grossen Schweizer ...
Es war ein besonderer Gast, der dem Gönnerverein des FC Muri einen Besuch abstattete: Bernhard Heusler, ehemaliger Präsident des FC Basel, begeisterte auf dem Horben. Dabei liess Heusler in einstige Träume blicken und sprach aus dem Nähkästchen des grossen Schweizer Fussballvereins. Dabei liess er sich auch zum Gedankenspiel verleiten, was er tun würde, wenn er den Freiämter Club leiten würde. --red
Der frühere FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler war auf dem Horben zu Gast beim Gönnerverein des FC Muri
Besonderer Gast an besonderem Ort. Der frühere FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler brillierte mit seiner tollen Art beim Gönnerverein Club 50 des FC Muri. Er wurde dabei gefragt, wie er den Freiämter Club führen würde.
Alexander Wagner
«Es ist also keine Strafe, hier zu sein. Da komme ich gleich in Ferienstimmung», meinte Bernhard Heusler mit seinem spitzbübischen Lächeln. Ihm gefiel es auf dem Horben beim Gönnerverein des FC Muri bestens. Und er gefiel ebenso. Simon Käch – Präsident des Gönnervereins FC Muri Club 50 – brauchte den Gastreferenten gar nicht gross vorzustellen. Man kennt diesen Bernhard Heusler – in Fussballkreisen sowieso.
Möglich gemacht hat diesen Besuch auch der ehemalige Goalie Oliver Stöckli. Der Oberfreiämter spielte einst gleich drei Mal beim FC Basel – auch unter Präsident Heusler. In seiner Ära wurde der Verein am Rheinknie acht Mal in Serie Schweizer Meister. Heute fast unvorstellbar, wenn man sich die aktuelle Tabellensituation anschaut (Basel ist Vorletzter). Doch zur aktuellen Situation wollte sich Heusler nicht gross äussern. Das verbietet ihm sein Anstand
– und sein messerscharfer Verstand. Sonst plauderte er fleissig aus dem Nähkästchen und gab auch Anekdoten preis, die explizit «nicht für die Presse gedacht sind», wie er augenzwinkernd anfügte.
Als Spieler reichte es nicht
Als Kind träumte Bernhard Heusler davon, einmal im «Joggeli» auflaufen zu können. Er war das dritte Kind der Familie und seine beiden älteren Geschwister interessierten sich überhaupt nicht für Fussball. So wurde er praktisch dazu bestimmt, sich für das runde Leder zu begeistern – was ihm sehr gefiel. «Mit 15 hatte ich noch den Traum, für den FC Basel zu spielen», sagt er. Doch bald musste er merken, dass es dazu wohl nicht reicht. Der Rest seiner Karriere war alles andere als geplant. Dabei darf man nicht vergessen, zu welchem Zeitpunkt er beim FC Basel eingestiegen ist: Der Club hatte damals über neun Millionen Franken an Schulden angehäuft.
«Identität des Clubs bewahren»
Unter den aufmerksamen Zuhörern war auch Michael Stadelmann, FC-Muri-Präsident und langjähriger Spieler des Fanionteams. Als «Moderator» Oliver Stöckli die hypothetische Frage in den Raum stelle, wie er den FC Muri führen würde, wenn Stadelmann morgen zurücktritt, zuckte Heusler erst einmal etwas zusammen. «Zuerst würde ich einmal herausfinden, wohin gehört der FC Muri? In welcher Liga ist er am richtigen Ort? Dabei aber unbedingt die Identität des Clubs bewahren und den Leuten eine Freude machen, sie begeistern», erklärt er. «Doch das ist anspruchsvoller im Amateurbereich», ist er sich bewusst.
Dabei würde er dies ganz bestimmt nicht im Alleingang machen. Sondern im Team. «Denn das Zusammenspiel fasziniert mich», betont er eindringlich. Dabei will er immer allen das Gefühl vermitteln, dass sie ein Teil vom Ganzen sind. Dabei erzählte er, wie er versuchte, dass auch die Angestellten im Fanshop und die Leute, welche für die Wäscheberge verantwortlich sind, sich als Teil des ganzen Vereins sehen.
«Ich war in der Kabine, wenn es schlecht lief»
Natürlich kann ein Fussballclub nicht genau gleich wie ein Unternehmen geführt werden. Denn da sind sehr viele Emotionen damit verbunden. «Aber der Präsident darf nicht Fan des Clubs sein. Vor allem nicht, wenn man es übertrieben auslebt», weiss er aus Erfahrung. So hielt er sich immer ganz bewusst zurück mit Lob und blieb im Hintergrund, wenn es der Mannschaft gut lief. «Ich war in der Kabine, wenn es schlecht lief», erzählt er. Aber nicht etwa, um der Mannschaft den Kopf zu waschen und sie zusammenzustauchen – wie es die Presse immer wieder mal forderte –, sondern um die Mannschaft aufzubauen. «Um zu zeigen, dass wir sie gernhaben, auch wenn sie gerade verloren haben.»
Über den Tellerrand hinaus
Rechtsanwalt Heusler blickt aber weit über den Tellerrand hinaus. So kümmert er sich nach seiner Zeit beim FC Basel auch um Leichtathleten oder Volleyballspieler. Da taucht Heusler in eine ganz andere Welt ein: «In Sachen Unterstützung im Sport sind wir ein Entwicklungsland», stellt er schonungslos fest. Der Präsident des Volleyballclubs hofft, dass sie im Europacup nicht weiterkommen, weil es ein Verlustgeschäft wäre. Und für eine Leichtathletin muss er beim Ausrüster dafür kämpfen, dass sie wenigstens zwei Paar neue Nagelschuhe bekommt. Aber auch das ist Heusler. Er lässt nicht locker – und geht die Probleme im Team an.
Ab zum Schweizer Fernsehen
Auch wenn Michael Stadelmann mit dem FC Muri einen Amateurverein führt, den man nicht mit einem Teilnehmer in der Champions League vergleichen kann, so kann er doch einiges mitnehmen von der Einstellung von Heusler: «Ich teile vieles davon. Ich will ja auch gemeinsam Entscheidungen treffen, als Team», betont er. Nach seinem Referat signierte der Menschenfänger Heusler sein neues Buch «Ein Team gewinnt immer». Und er hatte fast zu wenige Bücher dabei, musste im Auto nochmals Nachschub holen. Und trotzdem waren am Ende alle weg.
Dann musste er wieder aus der Ferienstimmung rauskommen und er fuhr zu seinem nächsten Termin ins Fernsehstudio des Schweizer Fernsehens im Leutschenbach, um eine Talksendung aufzunehmen. Auch da wird er wieder darauf hingewiesen haben, dass es nur im Team geht.