Tierische Begegnung als Gewinn
01.05.2026 MuriRoth-Haus: Aufruf am Tag der offenen Tür führte zur Zusammenarbeit mit der Fondation Barry
Die Fondation Barry will die Erhaltung der Originalzucht des Grossen Sankt Bernhard sichern und den legendären Rettungshunden eine neue Rolle in Pädagogik und ...
Roth-Haus: Aufruf am Tag der offenen Tür führte zur Zusammenarbeit mit der Fondation Barry
Die Fondation Barry will die Erhaltung der Originalzucht des Grossen Sankt Bernhard sichern und den legendären Rettungshunden eine neue Rolle in Pädagogik und Therapie verschaffen. Einmal im Monat besucht eine Bernhardinerhündin das Roth-Haus.
Thomas Stöckli
«Die beruhigende Präsenz von Mira war im ganzen Raum spürbar.» So beschreibt Alexandra Geissbühler, Teamleitung Beschäftigungsgruppe 1, den ersten Besuch der grossen Bernhardinerhündin im Roth-Haus vor rund fünf Monaten.
«Die Klientinnen und Klienten suchten den direkten Körperkontakt und genossen es, das weiche Fell zu streicheln», berichtet Alexandra Geissbühler weiter. Und: «Die entspannte und zufriedene Ausstrahlung sowie das Lächeln der Beteiligten waren sichtbare Zeichen für die gelungene Interaktion.»
Legendärer Rettungshund
Die Arbeit mit Therapiehunden ist nicht neu in der Institution, die betreute Wohnplätze und eine betreute Tagesstruktur für Erwachsene mit einer mittleren bis schweren kognitiven, körperlichen oder mehrfachen Beeinträchtigung anbietet. «Wir hatten das früher schon», sagt Geschäftsleiter Uwe Tischer. Als der letzte Therapiehund starb, fand sich allerdings keine Nachfolge mehr.
Weil sich das Roth-Haus damit nicht einfach so abfinden wollte, gestaltete man für das letztjährige Fest mit Tag der offenen Tür ein grosses Plakat. Auf diesen Aufruf hin meldete sich dann tatsächlich jemand, der einen Kontakt zur Fondation Barry vermitteln konnte.
Die gemeinnützige Organisation mit Basis in Martigny setzt sich in Anlehnung an den berühmten Rettungshund vom Grossen Sankt Bernhard nicht nur dafür ein, die mehr als 300 Jahre alte Zucht am Ursprungsort der Bernhardinerhunde dauerhaft zu erhalten. Seit 2017 bildet die Fondation Barry auch Mensch-Hund-Paare aus, die Personen mit besonderen Bedürfnissen zur Seite stehen. Das ist ganz im Sinne der Philosophie des Roth-Hauses: Ziel ist es, die Menschen in ihrer persönlichen Lebensgestaltung zu begleiten und zu unterstützen. Dabei stehen die individuelle Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe im Zentrum.
Alle dürfen, keiner muss
Grundsätzlich kommt Mira einmal im Monat für eine halbe Stunde im Roth-Haus vorbei. «Wenn der Hund kommt, ist das schon ein Highlight», stellt Uwe Tischer fest. Die Begegnung mit dem Tier bereichert den Alltag und schafft wertvolle neue Gesprächsanreize. Das erleichtert den Kontakt zur Umwelt, fördert die emotionale Entspannung und stärkt so das Wohlbefinden.
«Unsere Klientinnen und Klienten begegnen der sanftmütigen Hündin mit grosser Offenheit und Freude», schildert Alexandra Geissbühler im aktuellen Jahresbericht des Roth-Hauses weiter. Für manche sei der Umgang mit dem grossen Hund eine Mutprobe, sagt Uwe Tischer. Und einige gehen dem eindrücklich grossen Tier lieber aus dem Weg. Auch das ist okay: Alle dürfen, keiner muss dabei sein. Aktuell ist die Bernhardinerhündin allerdings verletzt, weshalb die Besuche bis zu den Sommerferien ausfallen.
Dieses Jahr ein Betriebsausflug
Die Zusammenarbeit mit der Fondation Barry ist nicht die einzige bleibende Erinnerung an den letztjährigen Tag der offenen Tür: «Das Roth-Haus-Fest war ein Highlight in unserem Jahresablauf», hält Uwe Tischer in seinem Jahresbericht fest. «Wir haben uns über die vielen Besucherinnen und Besucher gefreut und die vielen Begegnungen sehr geschätzt.» Das traditionelle Fest findet jedes zweite Jahr statt.
In den Jahren dazwischen steht jeweils ein Betriebsausflug auf dem Programm. Dieses Jahr haben die Bewohnerinnen und Bewohner im Juni die Wahl zwischen einem Besuch des Zoos Zürich oder der Trauffer-Erlebniswelt im Berner Oberland. «Es gibt auch Leute, denen das zu viel ist und die lieber hierbleiben wollen», sagt Uwe Tischer. Das sei dann die dritte Option. Eine durchaus valable Option, so werde jeweils auch für jene, die in Muri bleiben, ein spezielles Angebot organisiert.


