Tormaschine und Krokodil
27.03.2026 Muri, HandballAlles oder nichts
Der TV Muri spielt eine Sahne-Saison. Nun bleibt noch ein Spiel in der regulären Saison zu bestreiten. Und was für eines. Am Samstag (16 Uhr, Bachmattenhalle) ist Ehrendingen und Ex-Muri-Trainer Zoltan Cordas zu Gast. Der Sieger der ...
Alles oder nichts
Der TV Muri spielt eine Sahne-Saison. Nun bleibt noch ein Spiel in der regulären Saison zu bestreiten. Und was für eines. Am Samstag (16 Uhr, Bachmattenhalle) ist Ehrendingen und Ex-Muri-Trainer Zoltan Cordas zu Gast. Der Sieger der Begegnung verlängert die Saison und schafft den Sprung in die Aufstiegsspiele zur NLB. Für den Verlierer ist die Saison vorbei. «Wenn wir unsere Aufgaben gut erfüllen, dann kann uns niemand in dieser Liga schlagen», sagt Topskorer Noel Angehrn vor der Finalissima.
Noel Angehrn (TV Muri) vor der Finalissima gegen Ehrendingen (Sa, 16 Uhr, Bachmatten)
Die Bachmattenhalle wird Schauplatz einer Finalissima. Der Gewinner darf in die Aufstiegsspiele. Muris Torgarant Noel Angehrn freut sich auf «ein geiles Spiel» und spricht über das Erfolgsrezept der Murianer in dieser Saison.
Stefan Sprenger
«Schauen wir mal, ob sie uns besiegen können», sagt Noel Angehrn. Der 23-Jährige spricht mit viel Ruhe und Selbstbewusstsein. Die Murianer spielen eine sackstarke Saison. Allen voran Rückraumspieler Angehrn, der mit 128 Toren Topskorer des Teams ist. Am Samstag in der Bachmattenhalle ist das letzte Spiel der regulären Saison gegen Ehrendingen. Und die Vorzeichen versprechen einen Handball-Krimi. Wer gewinnt, darf in die NLB-Aufstiegsspiele. Für den Verlierer ist die Saison vorbei. «Ich bin zuversichtlich, dass es klappt und wir gewinnen. Denn wir wissen, was wir können», sagt Angehrn. Jene Mentalität hat Trainer Bjorn Navarin dem jungen Team eingehaucht. «Er sagt uns jeweils: ‹Wenn wir unsere Aufgaben erfüllen, dann schlägt uns niemand.› Wir können uns stets festhalten an einem konkreten Matchplan.» Nur fünf Niederlagen gibt es für Muri in 23 Saisonspielen. Eine Pleite war gegen Ehrendingen im Hinspiel (34:40).
Noel Angehrn wird gefordert sein. Und er wird – wie immer – alles reinwerfen. Er entstammt einer sportlichen Familie. Sein Vater Patrick stammt aus der Ostschweiz, spielte einst auch Handball. Auch Noel Angehrns jüngerer Bruder Tom ist in der 1. Mannschaft des TV Muri.
Opa ist bekannter Schwinger
Seine Mutter Irene ist die Tochter von Walter Rohrer, der als Aktivschwinger an zwei Eidgenössischen war und 13 Kränze holte – und heute Ehrenpräsident des Schwingklubs Freiamt ist. Rohrer hat noch eine zweite Tochter: Andrea. Ihr Sohn Elia Galizia ist ebenfalls Spieler im Fanionteam der Murianer. «Mein Grossvater ist fast an jedem Spiel dabei und geht voll mit.
Logisch, wenn gleich drei seiner Enkelkinder spielen», sagt Angehrn lachend. Sein Götti Andreas Angehrn (der Bruder seines Vaters) ist zudem Präsident des Handballklubs Arbon. Die Ostschweizer sind letzte Saison aus der Nationalliga B (NLB) abgestiegen. Und in jene Aufstiegsspiele zur zweithöchsten Schweizer Liga könnten es die Murianer nun schaffen, wenn man Ehrendingen bezwingt. Ist die NLB ein Traum für Angehrn? «Es wäre kein einfacher Schritt. Ich glaube, wir sollten die Erwartungen tief halten. Wir sollten es nicht ausschliessen, dass wir das schaffen können. Wenn nicht jetzt, dann in naher Zukunft. Wir tun jedenfalls alles dafür. Aber es stehen nun zuerst andere Dinge an.»
Job, Studium, Freundin und Juniorentrainer
Im Gespräch ist der 23-Jährige wortgewandt, durchdacht und ruhig. Angehrn wirkt enorm reif. Auch beruflich. Er ist als Businessanalyst in Steinhausen tätig, studiert nebenbei Wirtschaft. Dort hat er auch seine Freundin (aus Lachen) kennengelernt. Ein weiterer Beweis für seine Reife: Noel Angehrn ist seit vier Jahren Nachwuchstrainer bei der SG Freiamt (früher U19, jetzt U15). «Das macht mir riesig Spass. Und mir wird schnell langweilig», meint er lachend.
Am Samstag wird ihm auf dem Spielfeld kaum langweilig werden. Ehrendingen ist auf dem 2. Rang und hat einen Punkt mehr auf dem Konto – sie wollen es unbedingt in die Aufstiegsspiele schaffen.
«Motivieren muss man niemanden»
Doch die Murianer können ihnen mit einem Sieg am letzten Spieltag den 2. Rang stibitzen. «Wir gehen an dieses Spiel heran wie an alle Spiele zuvor. Ohne Druck. Wir wollen Vollgas geben, die Partie geniessen und eine geile Leistung zeigen. Ich glaube, motivieren muss man niemanden.» Denn es ist klar: Die Bachmattenhalle wird lautstark hinter dem Heimteam stehen. «Muri war schon immer handballbegeistert. Aktuell spüre ich gar eine kleine Euphorie, die Menschen freuen sich auf unsere Spiele», erklärt er.
Bei Ehrendingen wird ein Mann an der Seitenlinie im Fokus stehen: Zoltan Cordas (siehe «nachgefragt» rechts), der von 2008 bis 2014 Trainer beim TV Muri war. Auch Angehrn trainierte als Junior bei ihm. «Cordas wird jeden Stein umdrehen und alles Mögliche tun, um uns zu schlagen. Das tut er immer», weiss Angehrn und erzählt eine Anekdote von damals, die sich in die Erinnerung gebrannt hat. Cordas trug oft La-Coste-Schuhe, die Marke hat ein Krokodil im Logo. «Cordas zeigte oft auf seine Schuhe und meinte, ich habe den Mund so weit offen wie das Krokodil auf seinen Schuhen.»
In der Finalissima am Samstag in Muri wollen Angehrn und der TV Muri zubeissen und sich das Ticket für die Aufstiegsspiele zur Nationalliga B lösen. «Nach vielen Saisons, wo wir nicht vorne dabei waren in der 1. Liga und teilweise gar um den Abstieg spielten, tut dies jetzt einfach gut. Wir haben richtig Bock. Unsere Saison soll noch weitergehen.»



