Über die Konfession hinaus
22.12.2023 Oberlunkhofen, KelleramtAm Samstag, 6. Januar, wird in der Pfarrkirche Oberlunkhofen das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert
Weihnachten ist die Zeit, welche die Menschen zusammenbringt. Deshalb organisieren die Kellerämter Kirchen am Dreikönigstag einen Gottesdienst, der das orthodoxe ...
Am Samstag, 6. Januar, wird in der Pfarrkirche Oberlunkhofen das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert
Weihnachten ist die Zeit, welche die Menschen zusammenbringt. Deshalb organisieren die Kellerämter Kirchen am Dreikönigstag einen Gottesdienst, der das orthodoxe Weihnachtsfest mit anderen christlichen Traditionen vereint. So umrahmt nebst orthodoxen Ritualen auch das katholisch geprägte Sternsingen die ökumenische Andacht.
Celeste Blanc
Weihnachten ist, ob man gläubig ist oder nicht, eines der wichtigsten Feste im Jahr. Dabei kommen Familie und Freunde zusammen, lassen Traditionen gemeinsam aufleben. Auch in den Kirchen merkt man in dieser Zeit die besondere Hinwendung zum Spirituellen und die Suche nach Besinnlichkeit. «Aktuell sind die Kirchen ganz besonders gefragt, mit ihren Gottesdiensten, der Seelsorge und überhaupt mit Gesprächen», wissen Reto Studer, Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Kelleramt, und Claudio Gabriel, Pfarreiseelsorger des Pastoralraums Bremgarten-Reusstal.
Das Bedürfnis nach Halt und Trost habe in den letzten drei, vier Jahren spürbar zugenommen. «Das liegt sicher auch in den verschiedenen Krisen begründet, die sich in der Welt ereignen. Als Kirchen können wir hier Orientierung stiften und mit unseren sozialen und seelsorgerlichen Angeboten helfen», erklärt Studer. Dabei besteht ebendieser Wunsch nach Spiritualität und nach Orientierung nicht nur bei den Reformierten und Katholiken, sondern auch in anderen Konfessionen, etwa dem orthodoxen Christentum, dem verschiedene Bevölkerungsgruppen der Region angehören.
Ein ökumenisches Fest für alle
Um auch für diese Menschen da zu sein, luden die Kellerämter Kirchen am 6. Januar dieses Jahres – dem traditionellen Weihnachtsdatum der östlichen christlichen Kirchen – zu einem orthodoxen Weihnachtsfest ein. Dieses hatte sich in erster Linie an die ukrainischen Geflüchteten gerichtet. Doch es zeigte sich, dass auch andere orthodoxe Christen der Feier beiwohnten, darunter Syrer sowie Mitglieder der serbisch-orthodoxen Kirche. Und auch Katholiken und Reformierte. «Das war eine schöne Erfahrung. Die Feier brachte ganz viele Menschen, die vielleicht im Alltag wenig Berührungspunkte haben, zusammen», blickt Studer zurück. Ein guter Grund, diese besondere Weihnachtsfeier auch im nächsten Jahr zu zelebrieren. Dabei soll das anstehende Fest weiter gefasst sein als die Premiere. «Es soll ein völkerverbindendes Fest sein, das verschiedene christliche Traditionen vereint», erklärt Claudio Gabriel.
Wie genau dieser ökumenische Gottesdienst aussieht, daran arbeiten Studer und Gabriel aktuell. «Sicher ist, dass auch ein ukrainisches Weihnachtslied erklingen wird. Und da das orthodoxe Weihnachtsfest mit dem Dreikönigstag zusammenfällt, erfolgt dann auch die Aussendung der Sternsinger – eine westeuropäische Tradition also», so Gabriel weiter.
Gleicher Glaube – grosse Unterschiede
Spannend für die beiden Geistlichen ist dabei das Eintauchen in die unterschiedlichen Traditionen. Denn obwohl sie alle christlich sind und Weihnachten in allen Konfessionen eine grosse Bedeutung hat, differieren die Riten teilweise stark. Liturgische Unterschiede zeigen sich bereits zwischen der reformierten und der römisch-katholischen Kirche. So steht bei den Reformierten hauptsächlich die Auslegung der Bibel für den Alltag im Fokus, während bei den Katholiken die Liturgie bereits eine etwas wichtigere Stellung hat. Hingegen kennt das osteuropäische Christentum ganz andere Rituale. Claudio Gabriel: «Die Ostkirche besteht aus viel mehr Mystik. Das orthodoxe Weihnachtsfest wird daher noch stärker durch wiederkehrende Symboliken geprägt. In der Ukraine beispielsweise wird der Esstisch mit Heu bedeckt, welches die Krippe von Jesus symbolisiert. Auch gibt es am Weihnachtsfest zwölf Speisen, welche an die zwölf Apostel erinnern sollen.»
Spiritueller Reichtum soll gefeiert werden
Ganz so konkret orthodox wird es an der ökumenischen Weihnachtsfeier in der Pfarrkirche in Oberlunkhofen aber nicht zu- und hergehen. Vielmehr soll der spirituelle Reichtum, der im Kelleramt zu finden ist, zelebriert werden. «Wir freuen uns, wenn dieser Anlass über die Konfessionen hinaus Menschen zusammenbringt, Begegnungen ermöglicht und so die Bande im Kelleramt stärkt», meint Reto Studer. Deshalb darf das Gesellige nicht fehlen. Nach der Feier sind alle Anwesenden zu einem gemeinsamen Apéro eingeladen, der auf dem Kirchplatz offeriert wird.
Weihnachten im Kelleramt
Reformierte Gottesdienste: Heiligabendfeier am 24. Dezember für Gross und Klein um 16 Uhr, Christnachtfeier um 22.30 Uhr, Weihnachtsgottesdienst am 25. Dezember um 10 Uhr, allesamt in der Kirche Arni.
Römisch-katholische Kirche: Am 24. Dezember Familiengottesdienst mit Krippenspiel in Rottenschwil und in Jonen; jeweils um 17 Uhr. Weihnachtsgottesdienst in Islisberg um 20.30 Uhr, in Oberlunkhofen und in Jonen jeweils um 22.30 Uhr mit den Kirchenchören Lunkhofen und Jonen. Am 25. Dezember um 9.30 Uhr mit Kindersegnung an der Krippe in Oberlunkhofen, um 10 Uhr in Jonen. Am 26. Dezember Jonentaler Weihnachtsfeier in der Kapelle Jonental um 10 Uhr. Ökumenischer Gottesdienst: orthodoxes Weihnachtsfest mit Aussendung der Sternsinger am 6. Januar um 16.30 Uhr in der Pfarrkirche Oberlunkhofen. --cbl