Unbedingt aufstehen
01.05.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: Der FC Wohlen ist auswärts in Delémont gefordert (Sa, 18 Uhr)
Turbulente Tage beim FC Wohlen. Nach dem lustlosen Auftritt und der 0:2-Pleite muss man beim Kellerkind Delémont unbedingt aufstehen und eine Reaktion zeigen. Bei der ...
1. Liga classic: Der FC Wohlen ist auswärts in Delémont gefordert (Sa, 18 Uhr)
Turbulente Tage beim FC Wohlen. Nach dem lustlosen Auftritt und der 0:2-Pleite muss man beim Kellerkind Delémont unbedingt aufstehen und eine Reaktion zeigen. Bei der Trainersuche benötigt es zudem einen Neustart, denn ein heisser Kandidat sprang im letzten Moment ab.
Stefan Sprenger
«Frustrierend». So beschreibt FCW-Sportchef Sergio Colacino die erste Halbzeit des letzten Spiels gegen Solothurn (0:2). Angesäuert waren auch die 350 Zuschauer in den Niedermatten. Und es kamen Erinnerungen hoch an die letzte Saison, als man zum Ende eine Niederlagenserie hinlegte und die gezeigten Leistungen keinen Spass machten. Um ein ähnliches Szenario zu vermeiden, muss der FC Wohlen jetzt unbedingt aufstehen. Der nächste Gegner: SR Delémont. Sieben Punkte hinter Wohlen, einen Punkt vor einem Abstiegsplatz. Colacino sagt: «Es geht nur, wenn alle Spieler mitziehen. Gegen Solothurn hat es nicht gereicht, das ist eine Tatsache. Wenn wir mit diesem Bewusstsein in das nächste Spiel reingehen, dann bin ich mir sicher, dass die Leistung eine andere sein wird. Und somit wohl auch das Resultat.»
Co-Trainer Rizzo: «Klares Zeichen setzen»
Zu Beginn der Rückrunde schnuppert der FC Wohlen an den Spitzenplätzen, wollte oben dranbleiben. Aus den bisherigen 10 Spielen im neuen Jahr gab es aber nur drei Siege. Klar zu wenig. «Jenes Ziel ist mittlerweile verpufft. Dennoch gilt es, aus den verbleibenden fünf Saisonspielen das Maximum rauszuholen», so Colacino.
Ivano Rizzo, Co-Trainer des FC Wohlen, war beim Katastrophen-Endspurt letzte Saison dabei und will das nicht mehr erleben. «Das wollen wir unbedingt verhindern. Gegen Delémont wollen wir ein Zeichen setzen. Die Spieler sind sich dessen bewusst, sie haben alle sehr gut trainiert in dieser Woche. Wir wollen die letzten Spiele so positiv wie möglich abschliessen.»
Für das Team wichtig, für den Verein wichtig – und auch für ihn persönlich. Denn Trainer Piu wird im Sommer den FC Wohlen verlassen – und er womöglich auch. «Ich werde dem FC Wohlen in irgendeiner Form aber wohl erhalten bleiben. Wie genau, das ist noch unklar», sagt Rizzo und fügt an: «Es gibt aktuell andere Baustellen, die wichtiger sind.»
Damit meint er nebst Spielergesprächen und Entscheidungen – in erster Linie – die Trainersuche. Denn da musste der FC Wohlen in dieser Woche wieder von null anfangen. Am letzten Wochenende hatte der FC Wohlen eigentlich einen Trainer gefunden. Ein junger Trainer, ein eher unbekannter Name (zumindest im Aargau), aber durchaus ein Mann mit Erfahrung und einem Leistungsnachweis (er war beispielsweise bei zwei Challenge-League-Teams als Assistenztrainer tätig). «Er hatte eine klare Idee, wie er spielen wollte. Und er war eigentlich auch begeistert von einem Engagement beim FC Wohlen. Auch wir waren überzeugt von ihm», erklärt Colacino. Doch nach der mündlichen Zusage folgt der Rückzug im letzten Moment vor Vertragsunterzeichnung. «Bei ihm kamen Zweifel auf. Er hat wohl gemerkt, dass es nicht so einfach wird, wenn wir ihm gewisse Spielertransfers nicht ermöglichen können. Wir wollen das bestehende Team zu einem Grossteil behalten und nur punktuell verstärken. Da sind wir auf gutem Weg. Der neue Trainer soll dafür sorgen, dass die Spieler und das ganze Team weiterkommen.»
«Er war ehrlich – auch wenn es im letzten Moment war»
Der potenzielle neue Trainer sah das anders. Oder er wusste vielleicht nicht, dass die finanziellen Möglichkeiten beim FC Wohlen – verglichen mit den meisten anderen 1.-Liga-Teams – beschränkt sind. «Natürlich hätte er sich auch bei der Kaderplanung einbringen können, aber in erster Linie musste er mit dem Kader und den Rahmenbedingungen arbeiten, die vorhanden sind», sagt Colacino. Der heisse Trainerkandidat besuchte am letzten Wochenende die Partie gegen Solothurn. Was dies für einen Einfluss auf seinen Rückzieher machte, bleibt unklar. Colacino: «Am Ende war er ehrlich, das ist gut. Auch wenn es im letzten Moment war.» Colacino ist nach wie vor bestrebt, «einen geeigneten Trainer zu finden, der für Kontinuität sorgt».
Ein positiver Saisonabschluss würde da natürlich helfen. Deshalb gilt auch deswegen: Gegen Delémont muss eine Reaktion her. Noel Romano (Zahn-OP) fehlt sicher, ebenso Alban Pnishi (der ab nächster Woche wieder dezent mittrainieren kann). Fraglich ist auch Bijan Dalvand. Erneut fehlen also wichtige Stammkräfte. Doch um eine Reaktion zu zeigen, ist es in erster Linie keine Personalfrage, sondern ein mentaler Aspekt.

